Als Felix Vreden seine Bachelorarbeit schrieb, ahnte er noch nicht, was er ins Rollen bringen würde. Die Aufgabe seines Professors Michael Frantzen vom Institut für Fahrzeugtechnik an der Technischen Hochschule in Köln lautete: Entwickeln Sie einen E-Roller für die sogenannte letzte Meile. Heraus kam der Prototyp des „Steereon“, des weltweit ersten E-Scooters mit Allradlenkung und Faltmechanismus.

Das innovative Leichtfahrzeug sollte 2015 nicht nur Thema auch von Vredens Masterarbeit werden, die übrigens mit „Sehr gut“ bewertet wurde. Der „Steereon“ nahm auch auf dem Weg zur Produktion schnell Fahrt auf. Denn das Konzept überzeugte nach den Professoren die Verantwortlichen des Programms „Start-Up-Hochschul-Ausgründung NRW“, das mit Europäischen Fördergeldern die Finanzierung bis Herbst 2018 sicherte. Anschließend sprang auch noch ein Investor auf, der den Aufbau einer Serienproduktion in Köln-Kalk vorfinanzierte: Im rechtsreinischen Teil von Köln nahmen einst auch die Karrieren von Wilhelm Maybach, Ettore Bugatti und Nikolaus Otto ihren Anfang.

Vreden ist längst kein Einzelkämpfer mehr. Der Fahrzeugtechniker holte noch während der Studiums zwei seiner Kommilitonen an Bord: Den Ingenieur Marvin Panek und den Betriebswirt Maximilian Camp. Zusammen gründeten sie das Start-Up PLEV Technologies. Später kam noch Andre Ostendorf für die Produktion und das Qualitätsmanagement hinzu. Gemeinsam wollen sie mit dem „Steereon“ nun den deutschen Markt erobern. Die ersten Exemplare wurden im Juli in Köln produziert und werden nun an die Kunden ausgeliefert.

Hinter den Kulissen
Start-Up-Gründer Felix Vreden (links), Marvin Panek, Maximilian Camp und Andre Ostendorf mit ihren E-Scootern am Rhein.

Praktisch für den Stadtverkehr

Der Roller ist als Hybrid aus E-Bike und E-Scooter mit einer Reichweite von 50 Kilometern für Kurzstrecken konzipiert. Die Allradlenkung soll dem Fahrer das Gefühl vermitteln, „auf der Straße Ski zu fahren“, schreiben die Gründer in einer Pressemitteilung. Was den „Steereon“ besonders stadttauglich und praktikabel macht: Er ist faltbar und hat ein geringes Gewicht von um die 20 Kilogramm. Somit passt er in die meisten Kofferräume und kann auch als Gepäckstück in den öffentlichen Verkehrsmitteln transportiert werden.

Der Akku mit einer Speicherkapazität von 672 Wattstunden ist entnehmbar und innerhalb von vier Stunden aufzuladen. Gerechnet werden muss mit Energiekosten von etwa 30 Cent je 100 Kilometer.

Volle Fahrt voraus
Das Modell mit Sitz ist für 3.450 Euro erhältlich.

Zum Start bieten das Jungunternehmen zunächst zwei Varianten an. Die eine Version namens S20 ist ein Roller mit einer Genehmigung als Elektro-Kleinstfahrzeug. Somit dürfen bereits 14-Jährige ohne Führerschein das Fahrzeug bewegen – mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 20 km/h. Der Basispreis beträgt 3.349 Euro.

Mit und ohne Helm, mit und ohne Sitz

Für einen Hunderter mehr bekommt man die zweite Variante S25, die über einen Sitz verfügt. Es ist als Fahrzeugklasse L1-eB zugelassen, was rechtlich mit einem Mofa gleichzusetzen ist. Damit besteht zwar Helmpflicht, aber die maximale Geschwindigkeit steigt auch auf 25 km/h.

Im Herbst soll auch noch eine preisgünstigere Version folgen. Präsentiert wird sie Anfang September auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf. Vertrieben werden die Roller deutschlandweit über 14 Fachhändler – und direkt über einen Online-Shop.

Wer sich ein Steereon zulegen möchte, dem empfehlen die jungen Pioniere zunächst dringend eine Probefahrt, um das besondere Fahrgefühl mit Alllrad-Lenkung kennenzulernen und sich daran zu gewöhnen, „auf der Straße Ski zu fahren“.

Testfahrt über den Rhein
Mit Allrad-Lenkung auf den Kölner Straßen.
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