Nach dem „Battery Day“ und dem „Autonomy Day“ brachte Tesla nun den ersten „AI Day“ an den Start – ein Event, das ausschließlich der Künstlichen Intelligenz gewidmet war. Und Tesla-Chef Elon Musk machte schon in den ersten Minuten klar, dass Tesla mehr sein soll als nur ein Hersteller von Elektroautos. Sondern das sein Unternehmen tief in „Artificial Intelligenz“ verwurzelt ist. Die künstliche Intelligenz soll dabei nicht nur in den Autos verwendet werden. Geht es nach Musk, wird unser ach so beschwerliches Leben in absehbarer Zeit durch humanoide Roboter erleichtert werden. Kein Witz.

Nach Tequila und Flammenwerfer hatte sich der Tesla-Chef auch was Neues ausgedacht: Am Ende der 45-minütigen Übertragungaus dem Tesla Headquarter in Palo Alto kam das eigentliche Highlight auf die Bühne. Eine Art Gogo-Tänzer, der in einem weißen Ganzkörperanzug gekleidet und dessen Kopf von einem schwarzen Helm verdeckt war.

Freundlicher Tesla-Bot für schwere Arbeiten

Was letzte Nacht noch ein verkleideter Mensch war, soll bald ein echter Bot sein. Genauer der Tesla Bot, den das Unternehmen nach eigenen Angaben tatsächlich bauen will, uns lästige Arbeiten im Alltag abnehmen. Mit einer Größe von ca. 1,76m und einem Gewicht von ca. 60 Kilogramm kommt er von den Maßen her einem Menschen sehr nahe. Der Bot soll dabei in der Lage sein, ein Gewichte von bis zu 70 Kilogramm heben zu können.

Wir haben alle schon viele Hollywoodfilme gesehen, in denen Robotern genug von den Menschen haben und sich gegen uns wenden. Auch Tesla weiß um diese Angst der Menschen. So wurde versichert, dass der Tesla-Bot ein ganz freundliches Wesen ist, aber auch, wenn er mal ausrasten sollte, von einem Mensch leicht überwältigt werden könnte. Zumindest soll er es schaffen, vor dem Roboter davonzulaufen.
Na dann – wollen wir mal hoffen, dass es nicht so weit kommt.

Ein Prototyp des Tesla Bot soll im kommenden Jahr präsentiert werden. Allerdings hat Musk schon viel versprochen, was er dann nicht halten konnte – wie die Eröffnung der Gigafactory in Grünheide im Sommer 2021. Und oft blieb es nur bei einem Prototypen oder der Vision des Unternehmenslenkers. Denken wir nr an den so genannten Tesla Semi-Truck, der im November 2017 bei einer Late-Night-Veranstaltung vorgestellt wurde und dessen Produktion auf frühestens 2022 verschoben ist. Möglicherweise wird er aber auch gar nicht gebaut.

D1-Chip für neuronale Netze

Würde man den gestrigen „AI Day“ als Köderaktion für mögliche Bewerber um einen Job bei Tesla
beschreiben – man läge sicherlich nicht falsch. Die Botschaft von Musk lautete: „Wir suchen Mechanik-, Elektro-, Steuerungs- und Software-Ingenieure, die uns dabei helfen, unsere KI-Expertise über unsere Fahrzeugflotte hinaus zu nutzen.“ Tesla ist schon lange und immer wieder auf der Suche nach Mitarbeitern, die dem Unternehmen helfen, die Visionen ihres Chefs in die Tat umzusetzen – ohne zwischendurch die Nerven zu verlieren und vorzeitig zu kündigen. Wen das nicht schreckt, könnte durch den „AI Day“ neugierig geworden sein. Zahlreiche Tesla-Ingenieure aus der zweiten Reihe präsentierten auf der Bühne, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten.

Intensiv gesprochen wurde unter anderem über den D1-Chip, der speziell für das Training neuronaler Netze entwickelt wurde – die wiederum bei Tesla so etwas wie das Gehirn hinter den hauseigenen Fahrerassistenzsystemen sind. Bekanntlich sind aktuell Computerchips aller Art sehr knapp, und einige Autofabriken mussten deshalb bereits stillgelegt werden. Toyota gab am Dienstag bekannt, seinen Produktionsplan für September um 40 Porzent kürzen zu müssen, weil wichtige Halbleiter fehlen.

Der Kern des Dojo-Supercomputers
Aus Tausenden dieser "Training Node" genannten Chips soll sich der Rechner zusammensetzen, der das vollautonome Fahren steuert. Die Basis bildet eine 64-Bit-in-Order-CPU. Gleich 354 der Kerne bilden einen D1. Screenshot Tesla
Der Kern des Dojo-Supercomputers
Aus Tausenden dieser „Training Node“ genannten Chips soll sich der Rechner zusammensetzen, der das vollautonome Fahren steuert. Die Basis bildet eine 64-Bit-in-Order-CPU. Gleich 354 der Kerne bilden einen D1. Screenshot Tesla

Auch Tesla blieb davon nicht verschont. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr einen von Samsung produzierten Computerchip der nächsten Generation vorgestellt – und hat nun Probleme, genügend davon für seine Produktion zu bekommen. Neben Samsung zählen Infineon, Renesas Electronics und NXP Semiconductors zu den größten Chiplieferanten für die Automobilindustrie.

„Trainingskachel“ für gigantische Rechneleistungen

Die Anbhängigkeit von denen will Tesla in Zukunft deutlich reduzieren. Unter anderem mit einer Art „Trainingskachel“, die mehrere Chips integriert, um eine gigantische Rechenleistung von neun Petaflops pro Kachel und 36 Terabyte pro Sekunde Bandbreite zu erreichen. Zusammen bilden die Trainingskacheln den Dojo-Supercomputer. Der Dojo sei der Schlüssel zum autonomen Fahrens und soll im nächsten Jahr in Betrieb genommen werden, so Musk bei der Präsentation.

Tesla hat vor, diese Technologie nicht exklusiv zu nutzen, sondern auch anderen Autoherstellern zur Verfügung zu stellen. Natürlich nicht kostenlos, sondern gegen Lizenzzahlungen – was dem Unternehmen neben dem Automobilgeschäft und dem Verkauf von CO2-Emissionsrechten eine weitere Einnahmequelle verschaffen würde.

„Es ist grundsätzlich extrem teuer, ein solches System zu erstellen – also muss das irgendwie bezahlt werden“, argumentierte Musk. „Ich bin mir nicht sicher, wie ich dafür bezahlen soll, wenn es vollständig Open Source ist. Es sei denn, die Leute wollen umsonst arbeiten.“ Und wer wolle das schon?

Tesla „Autopilot“ noch eine Achillesferse

Das autonome Fahren ist die Achillessehne von Tesla. Wenn Tesla mit seinem „Autopilot“ genannten System Schlagzeilen macht, dann weil es wieder zu einem schweren Unfall geführt hat – etwa weil ein querstehender Lastzug vom kamerabasierten System nicht erkannt wurde oder weil es auf eine scharfe Kurve nicht schnell genug reagierte. Kürzlich interpretierte es in Großbritannien offenbar den tiefstehenden Mond als Rotlicht einer Ampelanlage und leitete auf freier Strecke eine Notbremsung ein.

Noch mit Lenkrad 
Mithilfe hochauflösender Kamerasysteme und Künstlicher intelligenz will Tesla schon bald das Lenkrad im Auto weitgehend überflüssig werden lassen. Doch noch hält der "Autopilot" im Model 3 nicht, was sich viele Nutzer erhoffen. Screenshot: Tesla
Noch mit Lenkrad
Mithilfe hochauflösender Kamerasysteme und Künstlicher intelligenz will Tesla schon bald das Lenkrad im Auto weitgehend überflüssig werden lassen. Doch noch hält der „Autopilot“ im Model 3 nicht, was sich viele Nutzer erhoffen. Screenshot: Tesla

Nach fast einem Dutzend Unfällen mit Tesla-Fahrzeugen allein in den USA hat sich nun dort die National Highway Traffic Safety Administration der Sache angenommen. Die Untersuchungen dazu laufen. Während Tesla-Konkurrenten wie alle deutschen Autohersteller, aber auch Spezialisten für das vollautonome Fahren wie Aurora, Cruise, Waymo und Zoox eine Mischung aus Kameras, Lidar und Radar verwenden, um autonomes Fahren möglich zu machen, arbeitet Tesla immer noch mit einem rein „visionsbasierten“ System, bei dem acht Kameras in den Fahrzeugen montiert sind, um ein reales Bild zu verarbeiten.

Multi-Kamera-System statt Radar und Lidar

 In einer Reihe von Videos zeigte der Direktor für KI, Andrej Karpathy, ein selbstfahrendes Auto, das den Verkehr durchquert und abbiegt. Die Kameraeinrichtung wird dabei mit dem mit dem neuronalen System eines menschlichen Gehirns vergleichen.

Mehr als 1.000 Mitarbeiter arbeiten im Unternehmen alleine nur an der Datenkennzeichnung und der Simulationsfunktionen von Tesla. Die Multikamerafunktion scheint Fortschritte zu machen und erfasst anscheinend die Vogelperspektive besser. Inwieweit das stimmt, wird sich erst zeigen, wenn das System auf der Straße ist.

Eines hat sich aber dadurch nicht geändert: Der so genannte Autopilot im Tesla gilt offiziell immer noch als Fahrerassistenzfunktion der Stufe 2, erlaubt also nur teilautomatisiertes Fahren und erfordert die permanente Überwachung durch den Fahrer. Komplett selbstfahrende Systeme, die auch über längere Zeit hinweg ganz ohne menschliches Zutun und ganz ohne menschliche Überwachung funktionieren, rangieren auf Stufe 5. Bis dahin hat Tesla noch einen weiten Weg vor sich. Mercedes-Benz immerhin wird den neuen EQS ab kommendem Jahr mit einem System der Stufe drei anbieten, das immerhin auf deutschen Autobahnen bis Tempo 60 funktioniert.

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