Die Wärmepumpe wird sich nach Einschätzung von Vaillant-Deutschland-Chef Tillmann von Schroeter allen anhaltenden politischen Debatten zum Trotz durchsetzen. Im energate-Podcast „Nachgefragt“ verwies der Manager vor allem auf wirtschaftliche Vorteile: Wärmepumpen ermöglichten im Durchschnittrund 30 Prozent niedrigere Betriebskosten als fossile Heizsysteme, sagte von Schroeter. Angesichts ohnehin hoher und zuletzt wieder spürbar gestiegener Gaspreise werde dies zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. „Warum soll ich mir diese 30 Prozent Betriebskostenersparnis nicht holen?“, fragte der Vaillant-Manager rhetorisch.

Auch gegenüber alternativen Heiztechnologien wie Fernwärme oder Biomethan seien die monetären Vorteile häufig deutlich. Die Kosten für grüne Fernwärme bezifferte von Schroeter auf rund 22 Cent/kWh,die für grüne Gase auf mindestens 20 Cent/kWh. Das hätten inzwischen auch viele Verbraucher erkannt. So summiere sich die Zahl der Förderanträge für neue Wärmepumpen in diesem Jahr bereits auf rund 400.000.

500.000 neue Wärmepumpen pro Jahr sind realistisch
Tillmann von Schroeter führt seit 2015 die Geschäfte von Vaillant in Deutschland. Zuvor leitete der promovierte Wirtschaftsingenieur die Strategieabteilung sowie das Marketing des Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnikspezialisten aus Remscheid. Foto: Vaillant

Das Ziel von 500.000 neuen Wärmepumpen pro Jahr, das die Ampel-Regierung seinerzeit gesetzt hatte, sei damit grundsätzlich erreichbar. Den langfristigen Trend bestätigt aus Sicht des Vaillant-Chefs auch der Blick ins Ausland. „In ganz Europa wächst der Wärmepumpenabsatz – und der Gasabsatz geht zurück“, sagte von Schroeter.

Wärmepumpe im Altbau längst Standard

Zudem sieht der Vaillant-Chef erhebliches technologisches Entwicklungspotenzial. Noch vor wenigen Jahren habe die Branche intensiv darüber diskutiert, ob Wärmepumpen im Altbau überhaupt praktikabel seien. Heute seien entsprechende Anwendungen vielerorts Standard. Auch für schwierige Gebäudetypen wie urbane Mehrfamilienhäuser erwartet von Schroeter neue technische Lösungen.

„Die Innenstädte sind voller Umweltwärme“, sagte er. Entscheidend sei nun, diese Potenziale technisch besser nutzbar zu machen. In der Übergangsphase sei es daher durchaus richtig, dort zunächst weiterhin den Einsatz von Gasheizungen zu ermöglichen, wie es die geplanten Regelungen im Gebäudemodernisierungsgesetz vorsähen. Im Ein- und Zweifamilienhaus habe sich die Wärmepumpe dagegen bereits weitgehend durchgesetzt. Dass die gesetzlichen Neuregelungen im Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) zu einem erneuten Markteinbruch führen könnten, befürchtet von Schroeter daher nicht.

"Warum soll ich mir diese 30 Prozent Betriebskostenersparnis nicht holen?"
Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern haben die Vorteile einer Wärmepumpe längst für sich entdeckt. Foto: Vaillant
„Warum soll ich mir diese 30 Prozent Betriebskostenersparnis nicht holen?“
Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern haben die Vorteile einer Wärmepumpe längst für sich entdeckt. Foto: Vaillant

Gleichzeitig fordert der Chef von Vaillant Deutschland weitere Unterstützung für die Elektrifizierung des Wärmesektors, etwa durch eine Absenkung der Stromsteuer und langfristig wettbewerbsfähige Strompreise. Insgesamt plädierte von Schroeter für einen pragmatischeren Ansatz bei der Wärmewende. Nach seiner Einschätzung könnten bereits heute rund 15 Millionen Gebäude relativ problemlos auf Wärmepumpen umgestellt werden. Statt sich vor allem auf schwierige Sonderfälle zu konzentrieren, sollte man zunächst die einfach lösbaren Gebäude modernisieren.

Warum Wärmepumpen in Deutschland teurer sind

Warum Wärmepumpen in Deutschland deutlich teurer sind als inanderen Ländern, dafür sieht von Schroeter mehrere Gründe. Deutsche Kunden hätten zum einen höhere Ansprüche an Lebensdauer und Komfort. Heizungen müssten hierzulande häufig mehr als 20 Jahre zuverlässig laufen. Das führe zu technisch aufwendigeren Systemen und größeren Speichern als in anderen Ländern.

In Kooperation mit dem Branchendienst energate.

Außerdem seien die Anforderungen an die elektrische Infrastruktur deutlich höher. In vielen Fällen müsse beim Einbau einer Wärmepumpe der Hausanschluss erweitert werden. Allein dadurch entstünden Zusatzkosten von mehreren tausend Euro. Ein weiterer Faktor sei der verspätete Markthochlauf in Deutschland. Länder wie Frankreich hätten bereits Mitte der 2000er Jahre begonnen, Wärmepumpen im Gebäudebestand breit auszurollen.

Deutschland versuche nun, diese Entwicklung innerhalb weniger Jahre nachzuholen. Mit zunehmendem Wettbewerb und steigenden Stückzahlen erwartet von Schroeter jedoch sinkende Preise. Wer heute mehrere Angebote einhole, sehe bereits deutlich attraktivere Konditionen als noch vor wenigen Jahren, betonte der Vaillant-Chef. Entscheidend sei nun, die Lernkurven in Industrie und Handwerk weiter zu beschleunigen und so dem Wachstum des Wärmepumpenmarktes weiter den Weg zu ebnen.

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