Für einen so traditionsreichen Autobauer wie Ford sind die Umbrüche in der Branche eine besondere Herausforderung. Erst vor kurzem hatte der US-Konzern einen Strategieschwenk hin zu autonomem Fahren und Elektromobilität verkündet. Man könne versuchen, der Erste zu sein, sagte Ford-Europa-Chef Steven Armstrong beim Auto-Gipfel des Handelsblatts. „Oder man kann planen, der Beste zu sein.“

Ford hat sich vorgenommen, intelligente Lösungen für die Großstädte dieser Welt zu entwickeln. Bis 2050 werde sich die Zahl der Menschen, die in Städten leben, auf 3,5 Milliarden mehr als verdoppeln, erklärte Armstrong. Viele Metropolen riefen um Hilfe, die Infrastruktur stoße vielerorts an ihre Grenzen. 90 Stunden verbringe jeder Autofahrer jedes Jahr durchschnittlich im Stau, so Armstrong: „Stellen Sie sich vor, welchen Spaß Sie in dieser Zeit haben könnten.“ Mit einem neuen „City Solutions Team“ will Ford Lösungen für intelligente Autos und ihre Vernetzung entwickeln.

Um seine Zukunftsvision zu veranschaulichen, hatte Armstrong Virtual-Reality-Brillen für die Teilnehmer des Auto-Gipfels mitgebracht, mit denen er ein Video vorführte. Darin liefert ein autonomes E-Auto von Ford eine Pizza aus. Eine Drohne bringt das Essen schließlich zum Endkunden in eine schicke Wohnung hoch über der Stadt. Armstrong weiß selbst, dass diese Visionen nur Wirklichkeit werden, wenn die Autobauer massiv investieren.

Mehr Geld für Elektromobilität

Der neue Ford-Chef Jim Hackett hatte daher vor einigen Wochen angekündigt, ein Drittel weniger als bisher in die Entwicklung von Verbrennungsmotoren zu investieren und die Mittel stattdessen in den Bereich E-Mobilität zu stecken – zusätzlich zu einem bereits angekündigten, 4,5 Milliarden Dollar schweren Investitionsprogramm.

Zeitgleich verschärft der Ford-Chef seinen Sparkurs: Trotz der geplanten Zukunftsinvestitionen will er 14 Milliarden Dollar Kosten einsparen, zehn Milliarden in der Produktion und vier Milliarden in der Entwicklung. So sollen bis 2022 fünf der 17 verschiedenen Motoren nicht mehr gebaut werden.

Alleine geht es nicht

Ein weiterer Schwerpunkt der Zukunftsinvestitionen soll das autonome Fahren sein. Ford hatte dazu kürzlich unter anderem ein Bündnis mit dem US-Fahrdienstvermittler Lyft verkündet. Auf einer gemeinsamen Technologieplattform wollen die Partner eines Tages selbstfahrende Fahrzeuge von Ford einsetzen. Auch der Ford-Konkurrent General Motors oder die Google-Schwesterfirma Waymo setzten auf die Zusammenarbeit mit Lyft.

Kooperationen sind die Zukunft – davon ist auch Armstrong überzeugt. Keine Firma könne bei Themen wie dem autonomen Fahren alles allein machen. Ford hat deswegen ein neues Büro in London inmitten von Start-ups eröffnet. Zudem kooperiert der US-Konzern mit Universitäten. Armstrong kann sich vorstellen, dass bereits 2021 die ersten kommerziellen autonom fahrenden Fahrzeuge auf den Markt kommen. Mit Milliarden-Investitionen und starken Kooperationspartnern sieht er Ford bestens gerüstet.

Weitere Berichte vom Autogipfel in Stuttgart finden sie bei Handelsblatt Online

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