Früher trugen die weltbesten Fußballerinnen bei ihrer Weltmeisterschaft oft Trikots, die die Designer von den Shirts und Hosen der Herrenteams abgeleitet hatten. Doch längst sind die Spielerinnen nicht nur sportlich aus dem Schatten der Männer getreten, sondern auch modisch. Und nachhaltig geht es auch noch zu.

Bei der in Frankreich vom 7. Juni bis zum 7. Juli stattfindenden WM rüstet der Sportausrüster Nike 14 der insgesamt 24 Teams aus: von Gastgeber Frankreich über die USA bis hin zu Norwegen und China – aber nicht das deutsche Team.

Die Nike-Designer sprachen weit vor dem Turnier mit professionellen Spielerinnen, um deren Ansprüche an die Trikots besser zu verstehen. So bevorzugen die Athletinnen etwa einen nicht zu tiefen V-Ausschnitt bei den Shirts, im Gegensatz zum Rundhals-Ausschnitt, wie er bei den Männern oft üblich ist. Sie können die Oberteile dann leichter über den Kopf und – die meist üppigeren Haare ziehen.

Im Sportlabor von Nike ermittelten dann die Fachleute mit einem 4D-Messverfahren die richtige Passform und mit Wärmekameras, wo sich die Haut der Spielerinnen besonders erwärmt und der Schweiß in Strömen fließt. Entsprechend passten sie die Belüftung durch die Trikots an. Auf Zugbänder, Seitennähte und sehr kurze Ärmel verzichteten die Designer, weil sie die Frauen störten.

Als die Nike-Leute dann mit Vertretern der Nationalmannschaften sprachen, bemerkten sie, dass die Spielerinnen andere Größen verlangten, als die Messungen nahelegten. Meist griffen sie zu etwas engeren Shorts und weiteren Shirts. Männer bevorzugten enge Oberteile, „dann fühlen sie sich wie Superhelden“, erzählt Cassie Locker, bei Nike für die Frauenfußball-Linie verantwortlich. Das sei bei den Spielerinnen ganz anders, in engen Shirts fühlten sie sich nicht wohl. Bei den Shorts bevorzugten sie wiederum kürzere Passformen, um die bei Profi-Fußballerinen ausgeprägte Oberschenkelmuskel nicht einzuengen.

Eine Jacke aus alten Ananasblättern: Mit dem Material Piñatex bietet das Unternehmen Ananas Anam eine umweltfreundliche Lederalternative an. EDISON hat mit der Gründerin gesprochen. Leben

Flaschen werden sportlich

In jedem der Shirts und Hosen für eine Spielerin stecken zwölf Plastikflaschen. Dazu werden recycelte Plastik-Wasserflaschen gereinigt, geschreddert und zu Pellets weiterverarbeitet. Die werden dann geschmolzen, um so das Garn zu gewinnen, aus denen Nike die Trikots nähen lässt. Zum Färben setzt der Sportmode-Gigant Substanzen aus der Pflanzenwelt ein. Das Material der Schuhe enthält recycelte Lederfasern.

Das allerdings haben die Fußballerinnen mit den Männern gemein. Die trugen bei ihrer WM in Russland auch schon Trikots aus Recyclingmaterialien.

Artikel teilen

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.