Auf den ersten Blick kommt das Gerät etwas unscheinbar daher, eine Haardusche, wie man sie aus Friseursalons kennt, verbunden mit einer schwarzen Box, in der allerdings jede Menge High-Tech steckt. Denn beim „Water Saver“ handelt es sich um eine Innovation, die den Wasserverbrauch bei professionellen Friseuren auf einen Bruchteil reduzieren soll.

Guive Balooch ist Leiter des L’Oréal Technology Incubator, einer Abteilung, die neue Technologien entwickelt, vor allem, um Kosmetik- und Haarpflegeprodukte nachhaltiger zu gestalten. In den letzten zehn Jahren hat das rund 50-köpfige Team 10 Produkte zur Marktreife gebracht, die Hälfte davon in Zusammenarbeit mit Start-Ups. Er gehe bewusst auf kleine Unternehmen zu, die in ganz anderen Branchen tätig seien, sagt Balooch, daraus entwickelten sich dann Innovationen, die das Thema Nachhaltigkeit aus einer ganz anderen Perspektive ansteuerten. Und während man bei L’Oréal in den letzten Jahren vor allem den Bereich Verpackung aber auch den Wasserverbrauch an den Produktionsstandorten im Visier hatte, geht es nun um die Anwendung der Produkte bei den Endkunden – sprich in den Haarsalons.

Dazu hat Balooch beeindruckende Zahlen mitgebracht. Rund 80 000 Friseursalons gebe es in Deutschland, jeder von ihnen verbrauche im Schnitt 540 000 Liter Wasser im Jahr. Bei einem flächendeckenden Einsatz des „Water Savers“ könnten 80 Prozent davon eingespart werden, das ergebe eine Gesamtmenge von 34 Milliarden Litern pro Jahr. Allein für Deutschland.

Winzig kleine Wassertropfen durch Fraktionierung

Wie aber funktioniert der kleine „Wunderkasten“? Guive Baloochs Team hat bei der Entwicklung mit dem Schweizer Start-Up „Gjosa“ zusammengearbeitet, das das Prinzip der Fraktionierung angewandt hat. Normalerweise kommt das unter anderen in Raketentriebwerken zum Einsatz. Jetzt – beim Shampoonieren – prallen Wassertröpfchen so oft gegeneinander, dass sie ganz klein werden und sich darüber ihre Geschwindigkeit steigert. Womit letztlich wesentlich weniger Wasser benötigt wird, um das gleiche „Wohlgefühl“ beim Kunden zu erreichen.

Ganz klar, momentan sei der „Water Saver“ noch etwas für die Haar-Salons im gehobenen Preissegment, räumt Balooch ein. Die Technik soll im nächsten Jahr erst einmal in L’Oréal-Salons eingesetzt werden, steht später in einer angepassten günstigeren Variante allen interessierten Friseuren zur Verfügung. Dazu entwickle sein Team auch noch einen „Water Saver“ für den Hausgebrauch, erzählt Balooch. Der solle ab 2023 für einen erschwinglichen Preis für jede und jeden zu haben sein.

Daneben sind aber noch weitere Projekte in der Pipeline – bzw. schon seit einiger Zeit auf dem Markt. 2014 kam die App „Makeup Genius“ heraus, die wie ein virtueller Spiegel funktioniert und der Nutzerin oder dem Nutzer zeigt wie das eigene Gesicht mit einem möglichen Look aussähe, die App wurde weltweit 20 Millionen Mal heruntergeladen. Zwei Jahre später folgte „My UV Patch“ – ein mit einer App verknüpfter flexibler Hautsensor, der die individuelle UV-Belastung misst und den Verbraucher auf das richtige Verhalten beim Sonnenbaden aufmerksam macht.

Auf die sich auch durch Klimawandel ändernden Bedürfnisse und Herausforderungen einzugehen, das sei bei seiner Arbeit extrem wichtig, sagt Guive Balooch. Und als weltweit agierender Kosmetikkonzern sehe man sich in der Verantwortung, seinen Teil zum Erhalt der natürlichen Ressourcen der Erde beizutragen. Ein Beitrag dazu könnte die Personalisierung von Kosmetikprodukten sein, denn wozu sollten Make-Up oder Lippenstifte in hunderten Nuancen in großer Menge hergestellt werden, wenn der Bedarf an den einzelnen Farbtönen eigentlich wesentlich geringer sei?

Bei L’Oréal heißt die Antwort darauf „Perso“ und sieht aus wie ein stylisher eckiger Cocktailmixer. Die dazugehörige App bewertet den Zustand der Haut nach einem Foto, berechnet Umwelteinflüsse wie etwa die Sonneneinstrahlung – mit Hilfe von Kartuschen können dann maßgeschneiderte Kosmetikprodukte hergestellt werden.

Wie sagt es Guive Balooch so passend? Schönheit sei inklusiv und für jeden das passende Angebot und Produkt zu haben, das mache seine Arbeit so spannend.

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