Sorgsamer Umgang mit Ressourcen gehört zu den großen Themen unserer Zeit, und für Steve Fambro aus Kalifornien ist es sogar zum Lebenskonzept geworden. Vor zehn Jahren kündigte er seinen Job, um der Welt das energieeffizienteste Auto aller Zeiten zu schenken. Das Ding sah aus wie ein Kleinflugzeug, dem die Flügel amputiert wurden, und erhielt deshalb den Namen Aptera („flügellos“), ein Wort aus dem Altgriechischen. Die Hybridversion erreichte den unglaublichen Verbrauch von 0,78 Litern auf 100 Kilometer, trotzdem ging das Unternehmen pleite.

Steve Fambro
Aptera-Gründer und CEO

„Die Zukunft der Mobilität sind energieeffiziente, umweltfreundliche, aufs Minimum reduzierte Elektroautos.“

„Mit dem Auto waren wir damals unserer Zeit voraus“, resümiert Fumbro, „die Leute trauten sich nicht, in hocheffiziente Autos zu investieren.“ Davon ließ sich der Visionär jedoch nicht entmutigen: „Mein Plan war: weitertüfteln – und warten.“ Heute, zehn Jahre später, ist das Flugzeug ohne Flügel wieder da – als Aptera 3 diesmal mit elektrischem Heckantrieb und einer nominellen Reichweite von 1600 Kilometern. Zur Veranschaulichung: Das ist rund dreimal so weit, wie es derzeit die Elektro-Vorzeigemodelle von Tesla, Porsche oder Renault schaffen.

Radnabenmotor an der Hinterachse

Das Geheimnis dieses Technik-Wunders ist ein ganz simpler Gedanke: „Wir wollen mit weniger mehr erreichen. Mehr Reichweite, mehr Leistung, mehr Sicherheit, mehr Spaß – mit weniger Batterien, weniger umweltbelastendem Bergbau, weniger Energie und weniger Kohlendioxid.“ Nach dem gleichen Prinzip hat in Deutschland Günther Schuh seinen e.Go Life konzipiert und das Team von Sono Motors ihren Kleinwagen Sion. Allerdings kommt der Aptera mit drei Rädern aus und bietet auch nur zwei Personen Platz.

Elektrischer Kabinenroller
Bis zu 1600 Kilometer soll das zweisitzige Leichtmobil mit einer Akkuladung kommen – und unterwegs mit Hilfe von Solarzellen Fahrstrom gewinnen. Computer-Rendering: Aptera

Denn der technische Kniff des kalifornischen Aptera besteht schlicht darin, Fahrgastraum und Ausstattung auf das absolute Minimum zu reduzieren – alles mit dem Ziel maximaler Effizienz. Nach dem gleichen Prinzip waren in den 1950er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch der Messerschmitt Kabinenroller konzipiert, der als eSchmitt gerade eine elektrische Wiederbelebung erfährt.

Günther Schuh zeigt es mit seinem e.Go Life der gesamten Autoindustrie: Der Professor der RWTH Aachen hat ein kleines, wendiges und preiswertes Elektroauto konzipiert. Unterwegs auf dem Werksgelände mit einem Vorserienfahrzeug. Elektroauto

Das Leergewicht des Aptera? Nur rund 800 Kilo. Energieverbrauch? Nur ein Fünftel von herkömmlichen Elektromobilen. Bewegt wird die 4,4 Meter lange Kunststoffkarosserie von einem 110 Kilowatt (147 PS) starken Radnabenmotor auf der Hinterachse, der das Gefährt in 3,5 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen soll. Den Fahrstrom soll in der Standardversion ein Lithium-Ionen-Akku mit einer Speicherkapazität von 60 Kilowattstunden (kWh) liefern. Eine Langstreckenversion hat einen 100 kWh-Akku an Bord. Und in sonnenreichen Gegenden soll der elektrische Kabinenroller sogar ohne ganz eine Steckdose auskommen können. Denn ähnlich wie der Sion von Sono Motors wird die Oberfläche komplett mit Solarzellen bedeckt sein, die den Fahrstrom direkt mit Sonnenkraft gewinnen.

Schwierige Kapitalbeschaffung

So gut, so schön. Aber wann läuft die Produktion an? Das ist die große Frage. Denn erst einmal muss das nötige Kapital zusammen kommen. Im Februar sammelte das Unternehmen nach eigenen Angaben zunächst zwei Millionen Dollar ein. Doch seitdem haben sich die Rahmenbedingungen für die Finanzierungsrunde durch die Corona-Krise massiv verschlechtert: Bei einer Crowdfunding-Aktion im März kamen nur knapp 570.000 Dollar zusammen. Damit wackelt der ganze Zeitplan. Die Rede ist nun von einem Produktionsstart in 2022. Je nach Akku-Kapazität schwebt Fumbro ein Preis von 34.000 bis 59.000 Dollar für das Fahrzeug vor.

Das Stück basiert auf einem Beitrag von „INNOVATOR by The Red Bulletin – das Magazin für eine bessere Zukunft“. Dieser wurde von der Redaktion aktualisiert und ergänzt

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2 Kommentare

  1. Avatar

    Dem stimm ich zu. Der große Akku ist hier wirklich sinnfrei. Wenn das Fahrzeug tatsächlich so effizient ist, würde auch ein 25 kWh Akku für 500 km reichen, dann könnte das Auto auch vom Preis her attraktiver werden.

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  2. Avatar

    Mag ja eine ganz nette Vision sein, aber den Nutzwert im Alltag will ich mal bezweifeln. Wer will schon 1.600 km in so einer Nußschale sitzen, wenn er nicht mal vernünftig Reisegepäck mitnehmen kann. Vieles ist widersprüchlich: Wo bitte soll ein 100 kWh-Akku untergebracht werden? Bei einem Gesamtgewicht von 800 kg? Und das mit den Solarzellen ist wohl auch eher ein Witz. Der SION hat 7,5 qm Oberfläche und schafft damit bestenfalls 30 km zusätzliche Reichweite pro Tag . Wieviel nutzbare Oberfläche hat der Aptera3?

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