Irgendwie erinnert das alles an Star Trek, oder? Während die Teleportation von Menschen noch echte Science-Fiction bleibt, ist die Teleportation von Quanteninformationen nun praktische Realität geworden. Mitten in der Hauptstadt haben T-Labs, die Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Deutschen Telekom, und der Quantennetz-Pionier Qunnect einen echten Meilenstein für das Quanten-Internet der Zukunft gesetzt.
Die Forscherteams haben bei Versuchen im Januar 2026 Quanteninformationen erfolgreich über eine 30 Kilometer lange, kommerzielle Glasfaserschleife des Berliner Testnetzes teleportiert. Dabei erreichten sie extrem beeindruckende Werte:
- Die Teleportation funktionierte mit einer durchschnittlichen Genauigkeit von 90 Prozent.
- In der Spitze wurde sogar eine Genauigkeit von 95 Prozent erzielt.
Wie funktioniert das Beamen von Daten?
Anders als im Film fliegt bei der Quantenteleportation kein physisches Teilchen blitzschnell durch die Leitung. Stattdessen wird die Information (der Zustand) eines winzigen Lichtteilchens, eines sogenannten Photons, an einen anderen Ort übertragen.
Das Geheimnis dahinter ist die Quantenverschränkung: Anstatt ein physisches Teilchen auf die Reise zu schicken, wird ein identischer Quantenzustand am Zielort einfach nachgebildet. Dafür erzeugt ein Generator Paare von quantenverschränkten Photonen. Besonders clever an dem Berliner Experiment ist, dass das System wie ein Übersetzer zwischen zwei Welten fungiert:
- Es nutzt Licht mit einer Wellenlänge von 795 Nanometern, was ideal für die Kommunikation mit modernen Quantencomputern oder Atomuhren ist.
- Dieser Zustand wird dann auf ein Photon im sogenannten Telekom-O-Band (1324 Nanometer) übertragen, welches sich perfekt für die weite Reise durch Standard-Glasfaserkabel eignet.
Warum ist das so ein großes Ding?
Das wirklich Bahnbrechende an diesem Versuch ist, dass er nicht in einem isolierten, perfekt abgeschirmten Labor stattfand.
- Das Experiment lief über bereits verlegte, kommerzielle Telekommunikationsinfrastruktur.
- Die Quantensignale flitzten sogar parallel zum ganz regulären, alltäglichen Datenverkehr durch dieselbe Glasfaser.
- Eine spezielle Komponente zum Polarisationsausgleich sorgte dafür, dass umweltbedingte Störungen in den Kabeln unter und über der Erde einfach ausgeglichen wurden.
Was bringt das für unseren Alltag?
Laut Telekom-Vorstand Abdu Mudesir beweist das Experiment, dass das aktuelle Glasfasernetz „quantum ready“ ist. Das öffnet die Tür für völlig neue Technologien, die unseren Alltag in Zukunft massiv verändern werden:
- Das unknackbare Schloss (Quantenkryptografie): Bei der Datenübertragung wird kein physisches Teilchen durch die Leitung geschickt, das Hacker theoretisch abfangen könnten. Die Information wird stattdessen erst am Zielort nachgebildet. Das ermöglicht die nächste Generation absolut sicherer Kommunikation und unknackbarer Quantenkryptografie.
- Der Super-Rechner aus der Steckdose (Verteiltes Quantencomputing): Mit der neuen Technik lassen sich gigantische Quantenrechner künftig über längere Distanzen hinweg vernetzen. Rechenleistung muss nicht mehr zwingend an einem Ort gebündelt werden, was den Weg für Quantendatenzentren und sichere, cloudbasierte Quantendienste ebnet.
- Fühlen wie ein Superheld (Vernetzte Quantensensoren): Neben Super-Computern lassen sich auch extrem präzise Quantensensoren und Atomuhren über diese Netze miteinander verbinden. Ein solches Netz hochsensibler Messgeräte bringt gigantische Sprünge für Themen wie Navigation oder Umweltbeobachtung.
Kurz gesagt: Bevor wir Menschen beamen, beamen wir die Sicherheit und Rechenpower der Zukunft direkt in unsere Kommunikationsnetze. Wer mehr wissen will: Die Deutsche Telekom wird das Ganze auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona Anfang März groß präsentieren.