Deutschlands Großstädte werden zusehends digitaler. Weit vorn sieht der jüngste Smart-City-Index der Digitalwirtschaft vor allem Metropolen im Süden und im Osten der Republik. Demgegenüber schneiden die großen Städte in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen „unter durchschnittlich“ in der inzwischen fünften jährlichen Erhebung des Branchenverbands Bitkom ab. Ihre Spitzenpositionen verteidigten demnach München und Hamburg in dieser Reihenfolge. Die beiden Metropolen erreichten 90,2 beziehungsweise 89,6 von 100 möglichen Punkten. Auf den dritten Rang schaffte es in diesem Jahr Stuttgart. Der Vorjahresdritte Köln rutschte indes um einen Platz ab. Schlusslicht mit 42,5 Punkten ist wie im Vorjahr Salzgitter.

Im Smart-City-Index betrachtet Bitkom den Digitalisierungsgrad von 83 Kommunen ab 100.000 Einwohner aufwärts. Grundlage sind Daten von rund 13.500 Messpunkten sowie amtliche Statistiken, online zugängliche Informationen, aber auch Angaben von Verbänden und Studien Dritter. Der Index betrachtet fünf Kategorien (pdf). Im Kern geht es um den Status quo der Digitalisierung in der Verwaltung, in den Bildungseinrichtungen, „smarte“ Verkehrssysteme, den Ausbaugrad von Mobilfunk- und Glasfasernetzen und nicht zuletzt den Bereich Energie und Umwelt.

Ingolstadt bleibt Spitzenreiter der „grünen“ Smart Cities

Hier liegt wie im Vorjahr Ingolstadt vorn. Auf dem zweiten Rang folgt Osnabrück vor Stuttgart und Trier. Eine Besonderheit dabei: „Sieben der zehn besten Städte in der Kategorie Energie und Umwelt haben weniger als 200.000 Einwohner.“ Ausschlaggebend für eine gute Punktzahl in diesem Segment ist unter anderem die Situation bei der Energie- und Wärmewende. Konkret bewerten die Index-Verantwortlichen etwa den PV-Anteil am Netz und im Erzeugungsmix, wie weit die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung fortgeschritten ist oder auch den Digitalisierungsgrad bei der Energie- und Wärmeplanung. Außerdem spielt eine Rolle, wie viele E-Autos auf den Straßen der einzelnen Großstädte unterwegs sind, wie das Ladenetz dafür beschaffen ist und wie viele emissionsarme Busse im ÖPNV-Einsatz sind.

In Kooperation mit dem Branchendienst energate.

Ferner auffällig ist, dass es sowohl im Gesamtranking als auch in der Energiekategorie zum Teil sehr viel Bewegung gab. Als eine „Shootingstar“-Kommune, die besonders viel Boden gutmachen konnte, hebt der Verband Hannover hervor. Die Landeshauptstadt Niedersachsens kletterte im Vergleich zum Vorjahr um 34 Plätze und schaffte es so im Gesamtranking auf den siebten Platz. Mit ausschlaggebend war die Einführung einer IT-Plattform für Smart City-Daten. Aber auch der Fortschritt bei der Energie- und Wärme wende schlug deutlich zu Buche. Im Energie- und Umwelt-Ranking legte Hannover 27 Plätze zu und schaffte es unter die besten zehn.

Den größten Sprung in Sachen Digitalisierung rund um die Energie- und Wärmewende attestiert die Studie allerdings Düsseldorf. Die NRW-Metropole verbesserte ihr Energie- und Umwelt-Ranking um 35 Plätze auf Rang 23. Auf dem hintersten Platz in diesem Segment steht indes Remscheid, hinter Salzgitter und Rostock.

Große Metropolen und Universitätsstädte mit Standortvorteilen

Auffallend ist zudem, dass Deutschlands Metropolen bei der Digitalisierung mit sehr unterschiedlichem Tempo vorankommen. „Nicht alle Städte haben dieselben Startbedingungen“, so Bitkom Präsident Ralf Wintergerst. „Überdurchschnittlich schneiden Städte ab 500.000 Einwohnern ab sowie die vom Bund geförderten Modellprojekte Smart Cities (MPSC)“, resümierte er. „Über dem Durchschnitt liegen zudem Landeshauptstädte und Universitätsstädte.“

Neben dem Branchenverband Bitkom gibt auch die Unternehmensberatung Haselhorst eine jährliche Vergleichsstudie zum Stand der Digitalisierung von Kommunen heraus. Haselhorst betrachtet allerdings Städte ab 30.000 Einwohner. Ein weiterer Unterschied ist, dass dieser Smart-City-Vergleich den Entwicklungsgrad der Digitalisierung in Prozent angibt. Als Top-5-Smart Cities weist Haselhorst aktuell München, Hamburg, Berlin, Köln und Mannheim aus.

Quelle: Energate

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