Wie viele Lade-Apps hat der Besitzer eines Elektroautos durchschnittlich auf seinem Smartphone abgespeichert? Wir wissen es nicht. Manche verlassen sich auf die mobility+-App des Marktführers EnBW, mit der sich europaweit rund 800.000 Ladepunkte freischalten lassen. Viele haben auch die Lade-App von Shell Recharge oder Aral Pulse heruntergeladen, um darüber unterwegs den Ladestrom zu bezahlen. Oder auch die von Aldi. EWE.Go oder Tesla. Und für alle Fälle auch die von Electra, Enel oder Fastned – für Fahrten ins benachbarte Ausland.

Da kann einiges zusammen kommen. Der Autor dieser Zeilen hat im Laufe der Jahre 20 Lade-Apps auf seinem iPhone abgespeichert. Und obendrein noch die Moovility-App von Cirrantic. Diese zeigt nicht nur die Ladepunkte an und deren Verfügbarkeit, sondern auch die Preise, die dort aufgerufen werden – je nachdem, über welche Lade-App oder Ladekarte (die gibt es auch noch) die Stromtankstelle aktiviert wird. Denn die Preisunterschiede sind zum Teil eklatant – und werden an der Ladesäule in aller Regel (noch) nicht angezeigt. Novizen unter den E-Auto-Fahrern tappen da leicht in eine Kostenfalle.

Geballtes Wissen 
Die Charging Wallet von Cirrantic zeigt auf Apple Maps nicht nur an, wo die Ladesäule steht und von wem sie betrieben wird. Auch die Kosten werden angezeigt und die maximale Ladeleistung. Und der Ladevorgang lässt sich von hier aus direkt starten.
Geballtes Wissen
Die Charging Wallet von Cirrantic zeigt auf Apple Maps nicht nur an, wo die Ladesäule steht und von wem sie betrieben wird. Auch die Kosten werden angezeigt und die maximale Ladeleistung. Und der Ladevorgang lässt sich von hier aus direkt starten.

Wünschenswert wäre natürlich eine App, über die sich sämtliche Ladepunkte aktivieren und auch sämtliche Ladevorgänge über eine hinterlegte Bank- oder Kreditkarte direkt bezahlen lassen. Cirrantic ist auf dem Weg zu dem Ziel nun einen großen Schritt näher gekommen: Seit wenigen Tagen lassen sich über den Kartendienst von Apple nicht nur die Ladestationen in der Umgebung des Standorts anzeigen. Durch die Integration der Charging Wallet, die von den Münchner Datenspezialisten entwickelt wurde, lässt sich auch der Stromfluss starten. Über welchen Ladedienst und zu welchen Konditionen, entscheidet der Nutzer der Smartphone-App selbst. Möglich ist die Bezahlung über Apple Pay oder über die Handyrechnung. Zu den Konditionen des Ad-hoc-Ladens (ohne monatliche Grundgebühr) oder über den zuvor abgeschlossenen Abo-Vertrag mit einem der große e-Mobility-Provider. Auch flexible Strompreise lassen sich über die Charging Wallet darstellen.

Großes Potenzial für Kostensenkungen

Cirrantic-Gründer und CEO Arne Meusel ist sichtbar stolz auf diesen „Deal“, der dem Unternehmen sicher ordentliche Provisionszahlungen einbringen wird – über jeden Ladevorgang weltweit, der über Apple Maps und die Charging Wallet getätigt wird. Einen Kontakt zu dem IT-Riesen aus Cupertino hatte er schon längere Zeit – die Anzeige der Ladestandorte in Europa basiert auf den Daten des Münchner Datenspezialisten. Bei einer Apple-Konferenz für Software-Entwickler wurde die Zusammenarbeit vertieft – und das neue Feature schließlich von den Kaliforniern für die Integration in den Kartendienst freigegeben.

Alles im Blick
Auf Apple Maps werden Ladepunkte für Elektroautos schon seit längerem angezeigt. Inzwischen lässt sich der Ladevorgang an einigen Station auch über die App starten und bezahlen. Bildschirmfotos: Rother
Alles im Blick
Auf Apple Maps werden Ladepunkte für Elektroautos schon seit längerem angezeigt. Inzwischen lässt sich der Ladevorgang an einigen Station auch über die App starten und bezahlen. Bildschirmfotos: Rother

„Wir sind stolz darauf, gemeinsam eine Lösung entwickelt zu haben, die nicht nur eine bessere Nutzererfahrung schafft, sondern auch völlig neue Produktoptionen- und Geschäftsmöglichkeiten für unsere Partner eröffnet – plattformübergreifend und zukunftssicher.“

Die Lösung, ist Meusel sicher, „hat großes Potenzial, die Kosten zu reduzieren“ – nicht nur für die Ladenetzbetreiber, sondern auch für die Fahrer von Elektroautos. Zeigt ihnen die in die Karte integrierte Wallet doch an, bei welchem Anbieter der Strom am günstigsten ist – permanent oder dynamisch-temporär. Meusel: „Das ist weltweit einmalig.“ Das Elektroauto muss dann nur noch mit der Ladesäule verbunden werden. Der Strom fließt dann automatisch. Und wenige Minuten nach Beendigung des Ladevorgangs hat der Fahrer – oder Flottenbetreiber – schon die detaillierte Stromrechnung in seinem Postfach. Meusel verspricht ein schmerzfreies Laden.

Zahl der Ladepartner wächst

Verfügbar ist das Charging Wallet – powered by Cirrantic – ab sofort in der Karte, die sich über Apple Car Play auch auf dem großen Display im Auto darstellen lässt. Verwendet werden kann es bereits an den Stationen von Citywatt, Jolt Energy, da emobil und illwerke in Deutschland und Österreich, in Schweden und den Niederlanden. Die großen Ladepunktbetreiber wie EnBW, Ionity, E.On und Allego zieren sich noch etwas. Na klar, ihre eigenen Apps würden durch den neuen Service obsolet. Aber Cirrantic-Chef Meusel ist sicher, über kurz oder lang auch sie an Bord holen zu können – der Lockruf von Apple ist groß. Und vielleicht springt ja auch Google auf den Zug auf: Dass die Konkurrenz ihnen auf dem weltweiten Wachstumsmarkt voraus ist, dürfte den Alphabet-Managern gar nicht gefallen.

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