Die Entwicklungen in der Automobiltechnik prägen das Fuhrparkmanagement ebenso wie die Veränderungen gesellschaftlicher und gesetzlicher Art sowie die Notwendigkeit eines ökonomischen Handelns. Insbesondere in den zurückliegenden zehn Jahren gab es hier gravierende Veränderungen, auf die es zu reagieren galt. Der klassische Fuhrparkmanager wandelte sich darüber bereits zum Mobilitätsmanager, der die Transportbedürfnisse eines Unternehmens, seiner Mitarbeiter und Waren strategisch plant und flexibel steuert.

Und weitere gravierende, teils disruptive Umbrüche stehen in den kommenden Jahren ins Haus. Zu den betrieblichen und ökonomischen Anforderungen kommen in Zukunft ökologische und soziale Aspekte, die bei der Organisation der Transportaufgaben zu berücksichtigen sind. Das ist nicht nur eine intellektuelle Herausforderung, sondern wird in vielen Fällen sicher auch für innerbetriebliche Konflikte sorgen. Nur mit viel Geschick wird dieser Spagat auf dem Schwebebalken gelingen.

Hinzu kommt, dass der in der öffentlichen Diskussion bereits erkennbare Konflikt um die Mobilität der Zukunft sich auch im Spektrum der Meinungen auf Fachebene niederschlägt. Die Diskussion ist derzeit stark auf die Frage fokussiert, ob die Zukunft dem elektrischen Antrieb gehört oder man den Benziner oder Dieselmotor nicht voreilig zum alten Eisen erklärt. Es gibt Stimmen, die aus Gründen des Umweltschutzes radikale Maßnahmen wie Fahr- oder Zulassungsverbote für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor fordern. Andere fordern eine technologieoffene Debatte frei von Verboten und Zwangsmaßnahmen. Einige rufen nach stärkeren Eingriffen der Politik, andere wiederum setzen auf die Kräfte des Marktes. Dabei ist es für Fuhrparkmanager heute schon schwierig genug, sich im Gestrüpp der Regularien zurecht zu finden und sich bei der Vielzahl der Möglichkeiten für einen Weg zu entscheiden, der Verlässlichkeit und Planungssicherheit bietet bei anstehenden Investitionen. Die Folge: Die Verkehrswende im Unternehmen stockt.

Deutlich mehr Großunternehmen wie etwa die Metro, aber auch viele kleine Firmen schaffen für ihre Fuhrparks Hybride und reine Stromer an. Zugleich werden Carsharing und Ridesharing immer beliebter, so eine aktuelle Studie des Leasing-Anbieters Arval. Was zeigt: Die betriebliche Mobilität verändert sich radikal. E-Mobilität

Es ist deshalb an der Zeit, noch einmal in Erinnerung zu rufen, dass Mobilitätsmanagement sich nicht in der Auswahl von Antriebsarten erschöpft. Es geht um weit mehr, um Transport und Logistik, Mitarbeitermotivation und nicht zuletzt um betriebswirtschaftliche Fragen.

Das macht den Job des Fuhrparkmanagers – gleich welchen Geschlechts – hochkomplex. Aus historischer Sicht hat der Fuhrparkmanager innerhalb seines Unternehmens eine hybride Position. Angesiedelt ist er in den verschiedensten Unternehmensbereichen. Mal ist er dem Einkauf zugeordnet, mal dem Facility-Management, den Finanzen oder dem Personalwesen. Entsprechend vielseitig sind die Kompetenzen, die ihm abverlangt werden. Er braucht betriebswirtschaftliche und technische Kenntnisse, nicht selten auch soziale und psychologische Fähigkeiten. Und je nach Fuhrparkgröße und Unternehmensorganisation reicht der Aktionsradius über das Flottenmanagement hinaus und in die Logistik hinein. Diese hybride Position bringt zwar einige Belastungen mit sich, hat aber auch positive Seiten: Die bei der Beschaffung von Fahrzeugen und anderen Dienstleistungen gemachten Erfahrungen tragen zur Verbesserung von Beschaffungsprozessen insgesamt bei. Sie erleichtern Ausschreibungen und helfen, komplexe Prozesse zu optimieren, auch Kosten zu reduzieren.

Dennoch haben Fuhrparkverantwortliche in vielen Unternehmen immer nach eine schwache Position und einen entsprechend schweren Stand, wenn es gilt, Weichenstellungen vorzunehmen und neue Mobilitätskonzepte zu entwickeln und im Vorstand zu platzieren: In den höheren Managementebenen hat der Firmen-Fuhrpark bis heute leider nur einen geringen Stellenwert.

Spannungsfeld Travel- und Fuhrparkmanagement

Reisen und Flotte sind im Wesentlichen komplementär; nur Entfernung oder Transportmittel unterscheiden beide. Funktionen, die Flotte und Reisen ganzheitlich betrachten, sind langfristig effizienter. Die Integration von Lösungen für die letzte Meile, Verträge mit Taxifirmen oder Car-Pooling, die Organisation von Mitfahrgelegenheiten, sind heute häufig noch in der Grauzone zwischen Fuhrpark- und Reisemanagement angesiedelt. In Zukunft wird es gelten, innovative Mobilitätsformen und -lösungen in eine „Mobility-Policy“ zu integrieren – auf ein Transportmittel fixierte „Car Policies“ sind schon heute nicht mehr zeitgemäß und schon gar nicht zukunftsfähig.

En Mann, ein Auto: Firmenfuhrpark von gestern

Aber neue Antriebstechnologien und Mobilitätsformen sind nicht die einzigen Faktoren, die in den kommenden Jahren für eine Transformation der Flotte sorgen werden. Ein mindestens genauso starker Treiber ist die Digitalisierung. Sie wird große Auswirkungen haben auf das Bedürfnis nach Mobilität.
Vertriebsaktivitäten, die sich auf den Dienstwagen als Transportmittel stützen, werden durch die Digitalisierung je nach Branche unwirtschaftlich. Es ist einfach nicht effizient, mit einem Auto Tausende von Kilometer durchs Land zu fahren und Stunden auf der Straße zu verbringen. Die Vermittlungen von Informationen und auch die Beratung von Kunden können in Zukunft auch digital erfolgen – wesentlich schneller, preisgünstiger, umweltverträglicher und effizienter. Persönliche Kundengespräche werden auch in Zukunft erforderlich sein, aber nicht mehr so häufig und zeitaufwändig. Entsprechend geringer werden die Fahrleistungen sein, entsprechend kleiner können die Fuhrparks ausfallen.

Neue Herausforderungen, neue Aufgaben

Die Welt der Fuhrparkmanager, so wie wir sie heute kennen, geht darüber nicht unter, weder sofort noch komplett. Das klassische Flottenmanagement wird noch eine ganze Weile existieren. Aber es werden massive Änderungen erforderlich sein – in Denke und Aufgabenstellung sowie Stellenbeschreibung. Es geht eben längst nicht mehr nur um „Autos“, sondern um Verkehrsmittel und Mobilitätslösungen. Ohne Weiterbildung wird das nicht gelingen.
Aber dann haben die Flottenverantwortlichen die Möglichkeit, ihre eigene Rolle im Unternehmen zu stärken und das Unternehmen voranbringen. Sie können Modernisierer und Treiber sein, Influencer wie Innovator, indem sie neue technische Lösungen erproben und ihr Mobilitätskonzept ständig aktualisieren. Dies wird sich nicht nur auf die Wirtschaftlichkeit des Fuhrparks auswirken, sondern auch auf das Image des Unternehmens und damit auf die Position des Fuhrparkmanagers einzahlen.
Schon jetzt lassen sich einige Trends erkennen:

  1. Das Modell Ein-Mann-Ein-Auto verliert an Attraktivität, es wird mehr und mehr durch On-Demand-Lösungen ersetzt. Diese kommen entweder aus einem eigenen Fahrzeug-Pool oder von externen Serviceprovidern. Die Zukunft gehört dem intermodalen Verkehr mit Pkws, aber auch Fahrrädern sowie Angeboten von Sharing-Services unter Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel.
  2. Die Preise von Mobilitätslösungen werden transparent. Das erleichtert es, verschiedene Verkehrsmittel unter Wirtschaftlichkeitsaspekten zu betrachten.
  3. Leistungen der Unternehmen an Arbeitnehmer werden auf Mobilitätsbudgets reduziert werden. Damit können Mitarbeiter aus einer Reihe von Verkehrsmitteln auswählen, die am besten zur jeweiligen Reisesituation passen. Der jeweilige Wert der Mobilitätsleistung ist leicht zu ermitteln und exakt zu bewerten.
  4. Mobilitätsmanagement endet nicht mit der Wahl des Verkehrsmittels, sondern bindet die Buchung von Flugreisen und Hotelzimmern ein. Es gibt zukünftig immer weniger Gründe dies in getrennten Bereichen zu managen.
Der Zeit voraus
An der Alnatura-Zentrale können auch Mitarbeiter ihre Elektroautos laden. Bei vielen anderen Unternehmen ist die Elektromobilität noch nicht angekommen.
© Copyright Ramon Haindl

Bereits heute ist das Fuhrparkmanagement großen Einfluss auf die Gestaltung der privaten Mobilität von Mitarbeitern mit Privatnutzungsrecht. Sie zahlen pauschal für die private Nutzung des Dienstwagens (mit 1% mit Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, mit 0,5 Prozent, wenn das Fahrzeug über einen alternativen Antrieb verfügt). Dies führt nicht selten zur Fehlsteuerung von Verkehren unter ökologischen Aspekten, etwa wenn der „kostenfreie“ Dienstwagen für Urlaubsfahrten genutzt wird. Auch die Frage nach der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit vieler Privatfahrten stellt sich für einen Dienstwagenberechtigten häufig nicht, wenn der Arbeitgeber pauschal für die Spritkosten aufkommt. Ein fortschrittlicher Mobilitätsmanager greift solche Punkte auf und baut sie in eine nachhaltige Car Policy ein.

Schrittmacher durch Erstkontakt

Bei der Auswahl der Verkehrsmittel und Transportwege spielt das Mobilitätsmanagement künftig nicht nur innerbetrieblich eine wichtige Rolle, es übernimmt zudem eine wichtige gesellschaftliche Funktion: Mitarbeiter lernen durch ein nachhaltig ausgerichtetes Mobilitätsmanagement nicht nur neue Technologien, sondern auch neue Mobilitätsangebote und deren Vorteile kennen. Mobilitätsmanagement bekommt somit perspektivisch die Aufgabe, die Mobilitätsmanager- und Verkehrswende zu treiben.

Reisezeit ist Arbeitszeit. Diese wirtschaftlich sinnvolle Betrachtungsweise gilt in gleichem Maß für den Weg von und zur Arbeit – und zwar für alle Mitarbeiter. Auch für die ohne Dienstwagen-Privileg. Der betriebliche Mobilitätsmanager muss diesen Aspekt berücksichtigen und Lösungen bereithalten. Je länger der Arbeitsweg, desto größer ist die Gefahr, dass sich der Mitarbeiter einen anderen Job in der Nähe seines Wohnorts sucht oder nach einer Gehaltserhöhung zur Kompensation nachsucht. In preisintensiven Branchen kann dies die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens beeinträchtigen. Mobilitätsmanagement hat somit auch erheblichen Einfluss auf die Arbeitsorganisation. Die Reduktion der täglichen Fahrten zum Arbeitsplatz, z.B. durch Homeoffice-Lösungen führt zu einer Kosten-reduzierung, zu einer Senkung der Klimabelastung und nicht zuletzt zu einer höheren Zufriedenheit der Mitarbeiter, die sich in höherer Arbeitsleistung niederschlägt.

Nachhaltigkeit heißt Verhaltensänderung

All dies zeigt, wie hochkomplex die Aufgabe eines Mobilitätsmanagers in Zukunft sein wird – und welch große Verantwortung er trägt. Er muss interdisziplinär denken, muss divergierende Interessenslagen erkennen und ebenso schnell wie klug darauf reagieren. Und er muss nicht nur Gesamtkonzepte entwickeln, die Probleme und Zielkonflikte lösen, sondern mit viel Einfühlungsvermögen auch noch dafür werben, damit sie auch realisiert werden. Dafür braucht es aufgeweckte Frauen und Männer mit Vision und Kreativität.

Gehen wir also mit der Zeit, bevor wir mit der Zeit gehen!

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