Handwerker, Bäcker und Gewerbetreibende schätzen zuverlässige Mitarbeiter. Von denen trennt man sich nicht so schnell. Weiß man doch, was man an ihnen hat. Das gilt auch für die Arbeitsgeräte im Betrieb. Auch die wirft man nicht so schnell zum alten Eisen, bloß weil es inzwischen auch schickere und intelligentere Lösungen gibt.

Ford tut deshalb sicher gut daran, den neuen vollelektrischen E-Transit Custom schon ein Jahr vor der Markteinführung im Herbst 2023 seiner Kundschaft vorzustellen. Als eine Art Packesel auf Rädern spielt der kleine Kastenwagen in vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen schließlich eine wichtige Rolle als schneller wie wendiger Transporter im Lieferverkehr. Gefüttert wird der Eintonner heute noch überwiegend mit Dieselkraftstoff. In Zukunft soll davon eine wachsende Anzahl jedoch stromern – und das will gut vorbereitet sein.

Power-Station 
Mit dem (optionalen) ProPower Inboard-System lässt sich der Akku des Kastenwagens anzapfen, um beispielsweise an einer Baustelle elektrische Werkzeuge mit einer Leistungsaufnahme von bis zu 2,3 kW betreiben zu können. Fotos: Ford
Power-Station
Mit dem (optionalen) ProPower Inboard-System lässt sich der Akku des Kastenwagens anzapfen, um beispielsweise an einer Baustelle elektrische Werkzeuge mit einer Leistungsaufnahme von bis zu 2,3 kW betreiben zu können. Fotos: Ford

Ford hat deshalb eine Menge Grips in das Projekt E-Transit Custom gesteckt, um das Geschäft mit dem Erfolgsmodell auf das „nächste Level“ zu heben, wie Hans Schep, der Europa-Chef von Ford Pro, bei der virtuellen Weltpremiere des neuen Autos ausführte. Während der Entwicklungsphase seien mehr als 1000 Kunden der Ford-Nutzfahrzeugsparte befragt worden, um deren Bedürfnisse und Wünsche kennenzulernen.

Pfiffige Detaillösungen

Die zahlreichen Gespräche schlagen sich bei dem neuen Fahrzeuge in zahlreichen Details nieder. Unter anderem in einem Lenkrad, das sich so kippen lässt, dass daraus ein kleiner Tisch entsteht – als Unterlage für einen Laptop oder das zweite Frühstück. Es gibt jede Menge Ablagen für Dokumente sowie einen „Delivery Assitent“, der vor allem Fahrer von Lieferdiensten ansprechen dürfte: Nach Einschalten des Parkmodus geht automatisch die Warnblinkanlage des Ford Transit Custom an und schließen sich selbständig alle Fenster. Und wie bei seinem „großen Bruder“, dem E-Transit, gibt es Stromanschlüsse für elektrische Werkzeuge und andere Geräte mit Stecker mit einer Leistungsaufnahme von bis zu 2,3 kW – der Elektroantrieb des Custom machts möglich.

Home Office auf Rädern 
Das Lenkrad des Ford e-Transit Custom lässt sich kippen, damit es als Arbeitsfläche oder Mittagstisch genutzt werden kann.
Home Office auf Rädern
Das Lenkrad des Ford e-Transit Custom lässt sich kippen, damit es als Arbeitsfläche oder Mittagstisch genutzt werden kann.

Auch der Akku des Ford e-Transit Custom hat mit einer Speicherkapazität von 74 kWh eine ähnliche Größenordnung wie die des großen Bruders (77 kWh). Damit sollen Reichweiten (laut WLTP-Verbrauchsnorm) von bis zu 380 Kilometern möglich sein. Geladen werden kann auf dem Betriebshof an einer Wechselstrom-Ladesäule mit bis zu 11 kW, unterwegs an einem Gleichstrom-Schnelllader mit bis zu 125 kW. In nur fünf Minuten soll im Notfall Strom für fast 38 Kilometer aufgenommen werden können.

Verkaufspreis steht noch nicht fest

Angeboten werden soll der neue Schnelltransporter mit verschiedenen Aufbauten und auch Radständen in zwei Leistungsstufen. Der Standardantrieb verfügt über einen Elektromotor an der Hinterachse mit 100 kW (136 PS) Leistung, die Power-Variante über 160 kW oder 217 PS Leistung. Das maximale Drehmoment beträgt hier wie da 415 Newtonmeter. Das reicht, um beispielsweise auch einen Anhänger mit einem Gesamtgewicht von zwei Tonnen ziehen zu können. Eine abnehmbare Anhängerkupplung gibt es gegen Aufpreis.

Variabel nutzbar 
Auch eine fünfsitzige Version des Ford E-Transit Custom ist geplant - die trotzdem noch reichlich Stauraum nicht nur für Werkzeuge, sondern auch für Sportartikel bietet. Das macht das Modell auch für Privatkunden interessant.
Variabel nutzbar
Auch eine fünfsitzige Version des Ford E-Transit Custom ist geplant – die trotzdem noch reichlich Stauraum nicht nur für Werkzeuge, sondern auch für Sportartikel bietet. Das macht das Modell auch für Privatkunden interessant.

Wie hoch der Aufpreis ausfällt, wird aber ebenso wie der Basispreis für den E-Transit Custom noch nicht verraten. Bis zum Produktionsstart im Werk von Ford-Otosan im türkischen Kocaeli sei es immerhin noch eine ganze Weile hin, argumentierte Schep. In der Zwischenzeit könne noch einiges passieren – etwa bei den Produktions- und Einkaufskosten.

Billig wird es aber sicher nicht werden: Der Einstiegspreis für den E-Transit beträgt aktuell 71.269 Euro, die Preise für den Custom mit 96 kW (130 PS) starkem Dieselmotor starten derzeit bei gut 40.000 Euro. Wir tippen mal auf einen Preis für den Elektro-Custom um die 65.000 Euro. In Deutschland werden derzeit zumindest noch 80 Prozent des Differenzpreises werden durch das Förderprogramm für „Klimaschonende Nutzfahrzeuge und Infrastruktur“ (KsNI) des Bundesamtes für den Güterverkehr abgedeckt.

Ob sich der Umstieg auf einen Stromer da rechnet? Die Unternehmer haben ja noch reichlich Zeit, alles gut durchzukalkulieren und ihre Entscheidung zu treffen.

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