Zwei gute Nachrichten vorweg. Zum einen: Beim Ausbau des öffentlichen Ladenetzes für Elektroautos geht es in Deutschland weiter voran. Erst dieser Tage meldete EnBW die Inbetriebnahme von sechs weiteren Schnellladeparks mit insgesamt 80 Ladepunkten an Autobahnen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen , Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg. Die Zahl der öffentlichen Ladepunkte in der Bundesrepublik nähert sich damit der Zahl von 200.000.
Ende Oktober hatten die Spezialisten von Cirrantic und TheonData für den „Charging Radar“ von EDISON insgesamt 194.617 Ladepunkte gezählt. An 145.459 Stellen konnte Wechselstrom gezapft werden, an den restlichen Punkten floss Gleichstrom mit Ladeleistungen von wenigstens 50 kW. Und die Ladeplätze von Tesla, die inzwischen größtenteils auch Fahrern von Fremdfabrikaten offen stehen, kommen da noch obendrauf. Reichweitenangst muss also im Herbst 2025 kein Fahrer eines Elektroautos mehr haben: Gegenüber dem Stand vom Oktober 2023 hat sich das Angebot bundesweit fast verdoppelt.

Die öffentliche Ladeinfrastruktur für Elektroautos ist seit 2020 in Deutschland stark gewachsen. Vor allem die Zahl der Schnellladesäulen mit einer Ladeleistung jenseits von 50 kW (dunkelblau) hat kräftig zugelegt. Die Zahl der DC-Ladepunkte mit 50 kW (hellblau) bleibt konstant. Erstaunlich: Auch die Zahl der AC-Ladepunkte wächst trotz geringer Rentabilität weiterhin. Grafik: TheonData
Und die zweite gute Nachricht ist: Die Phase der Preistreiberei an der Ladesäule scheint vorbei. Wurden im vergangenen Jahr für die Kilowattstunde noch bis zu 1,37 Euro verlangt, kostete Ende Oktober im Extremfall „nur“ noch 96 Cent – beim Ad-Hoc-Laden ohne Vertrag und Ladekarte. Beim günstigsten Anbieter gibt es die Kilowattstunde Gleichstrom (DC) am Schnelllader allerdings auch schon für 53 Cent, die Kilowattstunde Wechselstrom (AC) für 47 Cent. Preisvergleiche vor der Wahl der Ladesäule und des E-Mobility-Providers etwa über die moovility-App lohnen sich also weiterhin: Sie zeigt nicht nur an, welche Ladeplätze aktuell verfügbar sind, sondern auch, über welchen Anbietern man dort den Strom am günstigsten bezieht. Zur Orientierung: Der Durchschnittspreis liegt bei 70 Cent für Gleichstrom und bei 66 Cent für Wechselstrom.
Zahl der Ladevorgänge steigt – aber Auslastung bleibt gering
Und die öffentliche Ladeinfrastruktur wird durchaus intensiv genutzt. Etwa fünf Millionen mal im Monat werden die Ladepunkte nach den Erhebungen von TheonData und Cirratic inzwischen genutzt – das sind rund 30 Prozent als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Die Entwicklung ist nicht verwunderlich mit Blick auf die Zulassungszahlen: Auch die Zahl der Elektroautos auf deutschen Straßen ist seit dem letzten Jahr kräftig gestiegen. Rechnet man die wiederaufladbaren Hybridautos hinzu, sind hierzulande nach den Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes inzwischen 3,1 Millionen Stromer zugelassen. Rein rechnerisch teilen sich also 16 E-Autos einen Ladepunkt (siehe Grafik).

Was nicht heißt, dass das Netz ausgelastet wäre. Im Schnitt finden pro Ladepunkt lediglich 26,2 Ladevorgänge im Monat statt – also nicht einmal einer pro Tag. Möglicherweise erklärt das auch, warum der eine oder andere Ladesäulenbetreiber die Preisschraube in jüngster Zeit etwas gelockert hat. EnBW etwa, Marktführer bei den Schnellladesäulen, hat dieser Tage bekannt gegeben, ab dem 1. Dezember im Zuge einer „Anpassung der Energiepreise“ den Preis für die Kilowattstunde Gleichstrom beim Ad-hoc-Laden im mobility+-Netz von 59 auf 56 Cent abzusenken. Und für EnBW-Kunden wurde der Monatspreis im Vielfahrer-Tarif um sechs Euro auf 11,99 Euro. Ionity hatte bereits im Oktober die Preise gesenkt, von 79 auf 75 Cent/kWh im Direct-Tarif ohne Grundgebühr und auf 39 Cent/kWh im „Power 365“-Tarif – bei einer Grundgebühr von 99,99 Euro im Jahr.
Der (nötige) Wettbewerb zwischen den großen Ladepunkt-Betreibern scheint endlich Fahrt aufzunehmen.
Ad hoc laden ist bereits günstiger: Bei Aldi Süd unter 50 Cent / kWh fürs Laden bis zu 150 kW. Eine Übersichtskarte zeigt auch andere Anbieter mit Preisen unter 50 Cent / kWh: https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1L-gatZq7W4lZzdrfLLAK3AVUoc8lKNo
Ja, das steht ja auch im Text. Man muss nur wissen, wo es günstig ist. Die Transparenz ist leider nicht gegeben