„Wir können zwar noch nicht den gesamten Aufwuchspfad dieser Quoten überblicken, aber die Bio-Treppe wird bis 2029 einen sehr überschaubaren Biomethanbedarf auslösen“, sagte Sandra Rostek, Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie (HBB) in Berlin. Dieser liege schätzungsweise bei 1,5 bis 2,4 Terawattstunden (TWh) pro Jahr. Die Grüngasquote habe zu diesem Zeitpunkt noch keinen Einfluss auf den zusätzlichen Bedarf, weil sie bereits durch die bestehende Biomethannutzung im Wärmebereich und die Anrechnung der Bio-Treppe erfüllt werde. „Wenn man das ins Verhältnis setzt zur bereits vorhandenen Biomethanproduktion von rund 13 TWh, wird schnell klar, dass wir die ersten Stufen mit links schaffen“, so Rostek. Mitglieder im HBB sind der Bundesverband Bioenergie, der Deutsche Bauernverband, der Fachverband Biogas und der Fachverband Holzenergie.
„Wir können liefern!“
Die Fraktion von CDU/CSU und SPD hatte am 24. Februar Eckpunkte für eine Reform des Gebäudeenergiegesetzes vorgelegt. Im künftigen Gebäudemodernisierungsgesetz wird demnach die 65-Prozent-Erneuerbaren-Quote für neue Heizungen gestrichen. Für neu eingebaute Gasheizungen gibt es eine Bio-Treppe von zunächst zehn Prozent, die in drei nicht näher bestimmten Schritten angehoben wird. Hinzu kommt eine Grüngas- und Grünheizölquote für Unternehmen, die Öl und Gas in Verkehr bringen. Sie liegt 2028 zunächst bei einem Prozent. Ein konkreter Wachstumspfad steht auch hier noch nicht fest.
Seit der Veröffentlichung der Eckpunkte gibt es kritische Stimmen, ob die benötigten Biomethanmengen überhaupt verfügbar sind oder in weiten Teilen importiert werden müssen. Dem hält Rostek entgegen: „Wir verfügen über ausreichend nachhaltig verfügbare Potenziale in Deutschland, um kurz-, mittel- und langfristig Biogas, Biomethan und Holz für die Wärmewende und zur Stabilisierung des Stromsystems zu bezahlbaren Preisen zu liefern.“ Die Steigerung der monatlichen Gaskosten für ein Einfamilienhaus bezifferte sie in der ersten Stufe auf etwa 7 Euro im Monat.
Verbände rechnen mit 150 TWh Biomethan
Insgesamt könnten nach Zahlen des Fachverbands Biogas kurzfristig rund 150 TWh Biomethan erzeugt werden. Die Kapazität der heute installierten Biogasanlagen beträgt 80 TWh. Der Wert könne auf 130 TWh gesteigert werden, ohne zusätzliche Flächen in nennenswerter Größe zu binden, verspricht das HBB. Möglich wäre das durch die Mobilisierung kommunaler und industrieller Reststoffe, den Einsatz von Zwischenfrüchten und mehr Gülle, Mist und landwirtschaftliche Reststoffe. Der Einsatz klassischer Energiepflanzen wäre in dieser Rechnung sogar rückläufig.

Biogas ist ein brennbares Gas, das durch die Vergärung von Biomasse jeder Art entsteht. Auf einem Bauernhof werden dafür unter anderem Gülle und Mist eingesetzt, die in einem luftdichten Fermenter geruchsfrei zersetzt werden. Foto: Fachverband Biogas e.V.
Von den besagten 130 TWh Biogas könnten 60 Prozent auf eine Biomethaneinspeisung umgerüstet werden. Das wären 78 TWh. Weitere 72 TWh könnten durch eine intelligente Kombination von Biomethananlagen mit Elektrolyse hinzukommen. Hierfür könnte CO2 aus der Biogasaufbereitung und H2 aus der Elektrolyse für die synthetische Methanisierung genutzt werden.
„Politik muss fördern und nicht verhindern“
Um das Potenzial zu heben, bedarf es einer konsequenten Politik, die den Einsatz von Biomethan auch ermögliche, fordert das HBB. „Wir sind davon überzeugt, dass es mit den richtigen Rahmenbedingungen genug grünes Gas geben wird und für die Verbraucher bezahlbar bleibt“, sagte Stefan Jost, CO-CEO der DAH Gruppe aus Oranienburg, die mit ihren 28 Biogasanlagen in Ostdeutschland jedes Jahr circa 290 Millionen kWh Strom produziert und mit ihren Biomethananlagen etwa 805 Millionen kWh Biomethan ins Erdgasnetz einspeist. Die Branche stehe bereit.
„Alleine acht große Biomethanproduzenten wollen in den kommenden fünf Jahren über 1,5 Milliarden Euro investieren“, so Jost. Unter den bestehenden Bedingungen werde Biomethan jedoch eher verhindert als gefördert. „Insbesondere der Zugang zum Gasnetz ist nicht gesichert. Hier muss dringend umgesteuert werden.“ Rund 300 vorgeplante Biomethananlagen seien aktuell auf „hold“, ergänzte Rostek, weil sie nicht gesichert ins Netz einspeisen können.
Auch in gasnetzfernen Gebieten müsse die Wärmewende ankommen, betonte Sebastian Henghuber, Vorstand im Bundesverband Bioenergie. Hierfür sehen die Verbände in den Eckpunkten zu wenig Anreize: „Holz ist die mit großem Abstand wichtigste erneuerbare Energie im Wärmesektor und Wärmenetze mit Biomasse sind ein tragender Pfeiler der Wärmewende“, führte er aus. Durch den Wegfall der 65-Prozent-Quote gerate der Anschluss an Nahwärmenetze ins Hintertreffen. „Umso mehr kommt es nun darauf an, die Förderkulisse für den Heizungstausch und den Ausbau der Wärmenetze attraktiv zu gestalten, sodass erneuerbare Optionen präferiert werden“, so Henghuber.
EEG-Arbeitsentwurf wird der Branche nicht gerecht.
Vom EEG-Arbeitsentwurf und der Perspektive im Strommarkt zeigten sich die Bioenergieverbände enttäuscht. Die Ausschreibungsvolumina für Biogas müssten deutlich angehoben werden. Vorgesehen sind laut Entwurf lediglich 500 Megawatt (MW) im Jahr. Rostek erinnerte daran, dass die installierte Leistung im Netz heute schon bei 6 Gigawatt (GW) liegt. Ziel der Branche sei es, den Wert bis 2030 auf 12 GW zu verdoppeln. 500 MW reichten nicht einmal aus, um den Bestand zu sichern. Jährlich fielen rund 800 Anlagen aus der EEG-Förderung ergänzte Thomas Karle, Präsident im Fachverband Biogas: „Viele Betreiber wollen weitermachen und nehmen jetzt schon nur für die Planung bis zu sechsstellige Beträge in die Hand, obwohl sie nicht wissen, wie es weitergehen kann.“
(Quelle: energate)
