James Dyson (72) ist durch den Verkauf von Staubsaugern, Händetrockner und Fönen Milliardär geworden. Seit Jahren hat sich der Brite mit Adelstitel in den Kopf gesetzt, ein Elektroauto zu bauen. Und weil er nun einmal keine lange Tradition als Fahrzeughersteller mit sich herumschleppt, kann und will er andere Wege beschreiten als die etablierten Autobauer. Das geht aus Patenten hervor, die das Unternehmen vor 18 Monaten eingereicht hat und die jetzt öffentlich wurden.

Sie erlauben Rückschlüsse, wie Dysons Ingenieure mit dem E-Gefährt auf mehr Reichweite kommen wollen, als das mit einem klassischen Design abgeleitet von einem Verbrenner-Fahrzeug möglich wäre. Der Trick: extrem große, relativ schmale Räder. Dazu eine hohe Bodenfreiheit mit zugleich niedriger Karosserie und langem Radstand. All das soll den Luft- und Rollwiderstand reduzieren, wodurch wiederum der Verbrauch sinkt – und die Reichweite steigt. Zudem lässt diese Bauweise zu, relativ viele Batterien im Fahrzeugboden zwischen den Achsen unterzubringen. Und große Akkus bedeuten immer große Distanzen.

Räder größer als beim Lkw

Laut der Patentschrift sollen die Räder rund halb so hoch wie das gesamte Fahrzeug sein. Also erreichen sie bei einer Dachhöhe des Elektroautos von 160 Zentimetern rund 80 Zentimeter Durchmesser. Das entspricht einer Felgengröße von 24 Zoll. Zum Vergleich: Ein typischer 18-Tonner Lkw hat eine Felgengröße von 22,5 Zoll. In einem Verbrenner-Pkw ist bisher kaum Platz für Radhäuser, in die solche Pneus passen, weil Motor und Getriebe ihrerseits zu viel Raum beanspruchen. Ein Elektromotor ist dagegen viel kompakter und sitzt meist direkt auf der Fahrzeugachse.

Die Räder sind für die Größe relativ schmal mit einem kleinen Querschnitt. Das soll den Rollwiderstand reduzieren. Zudem verspricht sich Dyson von der größeren trägen Masse der Riesenreifen Vorteile beim Rekuperieren, wenn der Elektromotor das Fahrzeug bremst und Strom erzeugt. Angesichts der hohen Bodenfreiheit ist die Karosserie recht flach und auch nicht sonderlich breit. Daher ist die Stirnfläche des Fahrzeugs relativ klein, was den Luftwiderstand verringert.

Die Passagiere sitzen eher geneigt wie in einer Limousine und nicht so aufrecht wie in einem SUV. Laut Patent sollen bis zu sieben Insassen in drei Sitzreihen im Innenraum unterkommen.

Die Journalisten des britischen Automagazins Autocar haben auf Basis dieser Angaben spekuliert, wie ein Dyson-Aussehen könnte:

Ab kommendem Monat werden Prototypen gebaut

Konzern-Chef James Dyson warnt aber in einer internen E-Mail an alle Mitarbeiter davor zu glauben, dass künftige Auto würde wirklich genauso aussehen wie die Patente nahelegten.

Gleichzeitig fasste er den augenblicklichen Entwicklungstand zusammen: So arbeiten insgesamt 500 Mitarbeiter an dem Projekt vor allem in Großbritannien und in Singapur. Die meisten von ihnen auf dem ehemaligen Militärflughafen Hullavington Airfield, der zwischen Bristol und London gelegen ist. Dort sind mittlerweile Rollenprüfstände und Klimakammern einsatzbereit. Ab dem kommenden Monat werden hier die Fahrzeuge in Hangar 85 für die letzten Testzyklen zusammengebaut. Parallel dazu entsteht in Singapur die Fabrik, in der Dyson die Elektroautos bauen wird.

Auf den Markt sollen sie dann 2021 kommen. Und wie der Firmenpatriarch selbstbewusst betont: „Komplett designt von Dyson, gebaut von Dyson, verkauft von Dyson.“

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