Pflanzen und Böden bilden eine wichtige Kohlenstoffsenke, da sie CO2 aufnehmen und speichern. Sie verhindern so, dass das Gas in der Atmosphäre bleibt und das Klima aufheizt. Denn in den Böden steckt zwei bis drei Mal mehr Kohlenstoff als in der Atmosphäre. Das Problem: 2018 pumpte die Menschheit mehr von dem Treibhausgas in die Luft als wohl jemals zuvor. Doch die Fähigkeit des Bodens, uns vor uns selbst zu retten, könnte an einen Wendepunkt gelangen.

In einer Studie, die das Wissenschaftsmagazin „Nature“ veröffentlicht hat, untersuchten US-Forscher, was Dürren oder Trockenzeiten für die Kohlenstoffaufnahme bedeuten könnten. Die Analyse ist die Erste, die die Auswirkungen bis ins 21. Jahrhundert quantifiziert. Sie zeigt, dass feuchtere als normale Jahre die Verluste bei der Kohlenstoffaufnahme in trockeneren als normalen Jahren nicht ausgleichen. Denn der Klimawandel erhöht die Wahrscheinlichkeit extremer Wetterereignisse wie Dürren, was gerade Nasa-Forscher in einem weiteren Artikel in „Nature“ gezeigt haben. Was wiederum die Bodenfeuchte schwanken lässt. Und die hat Folgen für die CO2-Aufnahmefähigkeit des Erdreichs.

Sind die Böden trocken, reagieren die Pflanzen gestresst und können nicht mehr so viel CO2 per Fotosynthese binden. Da trockene Bedingungen oft von warmen Temperaturen begleitet werden, geben die Mikroorganismen im Boden, die bei Wärme produktiver sind, wiederum mehr CO2 frei. Fazit: Demnach wäre in etwa 40 Jahren die maximale Aufnahmekapazität erreicht, die danach stark absinkt.

Vom „Freund zum Feind“

„Das ist eine große Sache“, sagt Julia K. Green, Doktorandin an der Columbia University School of Engineering and Applied Science und Autorin der Studie. Green reagierte schockiert, als sie erfuhr, wie dramatisch die Auswirkungen der Bodenfeuchtigkeit waren. Ihre Mitautorin Pierre Gentine erzählte der „New York Times: „Wir haben dieses Bild vom Planeten im Kopf, der auf dem Weg in die Zukunft sehr, sehr grün wird.“

Aber es könnte das Gegenteil sein. „Jeder Wald, der in trockene Savannen oder Torfgebiete verwandelt wird, die bereits durch Dürre ausgetrocknet sind, bedeutet, dass weniger Kohlenstoff gebunden wird und mehr in der Atmosphäre zurückgelassen wird. Und das verstärkt die Erwärmung noch mehr“, erklärte es Dave Reay, Professor für Kohlenstoffmanagement an der University of Edinburgh dem Magazin „Newsweek“. Reay räumte ein, dass es bei den in der Kohlenstoffabsorptionsstudie verwendeten Modellen Schwierigkeiten gibt, jede Reaktion verschiedener Regionen auf den Klimawandel zu berücksichtigen.

Aber er sagt auch: „Die globalen Wälder und Böden agierten im vergangenen Jahrhundert als Kohlenstoffspeicher, als planetares Druckventil für unsere eigenen Emissionen. Wenn wir es nicht schaffen, die Emissionen deutlich zu senken, dann könnten sich diese Senken vom Kohlenstoff absorbierenden Freund zum groß emittierenden Feind entwickeln.“

Doch vielleicht retten uns gegenläufige Trends wie wachsende Seegraswiesen. Oder ein etwa 8000 Kilometer langes, länderübergreifendes Pflanzenband in Nordafrika. Dort begrünen die Bewohner seit 2007 einen 15 Kilometer breiten Streifen mit Millionen von Bäumen. 15 Prozent der biblisch langen Wegstrecke sind bereits bepflanzt.

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