Erstmals bietet ein Autoproduzent eine Wallbox an, die den Strom in beide Richtungen fließen lässt. Mitsubishi will das Elektroauto in das private Stromnetz einkoppeln. Der japanische Autohersteller stellt auf dem Autosalon in Genf eine bidirektionale Ladestation vor, mit der nicht nur die Batterie des Autos aufgeladen, sondern umgekehrt das Haus mit Strom aus der Batterie des Elektroautos versorgt werden kann.

Mitsubishi bietet bei seinen Händlern zunächst eine intelligente Wallbox an, die Stromladen in beide Richtungen ermöglicht (bidirektionales Laden). Je nach Bedarf wird entweder die Autobatterie aus dem öffentlichen Stromnetz oder der Solaranlage auf dem Dach geladen. Statt zum Autofahren kann der Strom dann, wenn die Sonne nicht mehr scheint, auch zum Betrieb von Elektrogeräten im Haus benutzt werden: Waschmaschine, Licht oder Elektronik. Geregelt wird dies durch eine per Smartphone programmierbare Steuereinheit, die sich nach den Vorlieben der Nutzer richtet.

Das Elektroauto wird dazu über den Gleichstromanschluss des Fahrzeugs angekoppelt, der normalerweise zur Schnellaufladung des Autos an speziellen öffentlichen Ladesäulen dient. Dazu wird der vor allem in Asien verbreitete CHAdeMO-Standard benutzt, der auch an den meisten Schnellladesäulen in Deutschland verfügbar ist. Außer Mitsubishi nutzt zum Beispiel auch Nissan diese Ladeverbindung, die zurzeit bis zu 50 kW Ladeleistung bietet.

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In der mit Vehicle to Home (V2H) bezeichneten Technik soll das Auto in beide Richtungen mit bis zu 10 kW Leistung angeschlossen werden. Als Produzenten der Wallbox sind mehrere Hersteller im Boot. Voraussichtlich ab dem Frühjahr sollen sie in verschiedenen Leistungsstufen auf den Markt kommen. Einen Endpreis für die Kunden nennt Mitsubishi noch nicht, er dürfte laut Insidern inklusive der Steuereinheit für das Heimstromnetz und Wechselstromwandlern bei ungefähr 5000 Euro in der Einstiegsvariante liegen. Die Einheit ersetzt eine normale Wallbox und spart somit ungefähr 1.000 Euro Kosten ein. Zudem gibt es zurzeit mehrere Förderprogramme für die Errichtung einer privaten Ladeinfrastruktur. Mitsubishi hat das System schon im vergangenen Jahr den Vertragshändlern vorgeführt, die 400 Ladesysteme vorbestellt haben.

Dendo House – Paket mit Solaranlage geplant

Mit dem „Dendo Drive House (DDH)“ will Mitsubishi künftig noch weiter gehen. Es basiert auf einer Gleichstromanbindung des Elektroautos an das Haus, dessen Stromnetz, einer Solaranlage und einem fest installierten Hausstromspeicher. Möglich wäre es damit beispielsweise, den gesamten Strombedarf eines Einfamilienhauses zu decken. Dendo heißt auf Japanisch „Energie“. Auf dem Genfer Autosalon wird das Dendo House bereits vorgeführt und soll künftig als Paketlösung inklusive Installation vertrieben werden.

Eine sinnvolle Anwendung ergibt sich vor allem durch die Kombination mit einer hauseigenen PV-Solaranlage. Bei Sonnenschein könnte damit das Auto mit eigenproduziertem, regenerativ erzeugten Strom aufgeladen werden, insbesondere wenn dieser dann nicht selbst im Haus verbraucht wird. Ohne eine Pufferung würde dieser Strom zu wenig attraktiven Konditionen ins öffentliche Stromnetz abgegeben werden müssen. Wird aber im Haus zu Spitzenzeiten viel Energie benötigt, während gleichzeitig nicht ausreichend Solarstrom erzeugt wird, könnte sich das Hausstromsystem aus der Autobatterie eine Zeitlang versorgen – bis wieder die Sonne scheint oder das Auto vom Netz getrennt wird.

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Stromfluss lässt sich vom Nutzer programmieren

Besonders sinnvoll wird eine solche Anlage in Kombination mit einer weiteren, aber fest im Haus installierten Pufferbatterie. Diese könnte im Dendo Haus deutlich kleiner als üblich ausfallen. Für die sinnvolle Regelung dieser Komponenten wird noch eine Steuerungsanlage benötigt, die Mitsubishi mitliefern will. Sie soll sich per Smartphone individuell programmieren und steuern lassen. So kann man dort zum Beispiel eine Reststrommenge einstellen, die in der Autobatterie verbleiben soll, damit zum Beispiel der Weg zur Arbeitsstelle und der nächsten Lademöglichkeit noch bewältigt werden kann. Oder es können bestimmte Zeiten eingestellt werden, zu denen die Batterie im Auto wieder voll geladen sein soll.

Beim zur Zeit einzigen in Deutschland verfügbaren Modell mit Batterie von Mitsubishi, dem Outlander PHEV, gibt der Hersteller aber eine Garantie von mindestens 70 Prozent Restkapazität innerhalb von 8 Jahren. Sonst wird die Batterie kostenlos getauscht. In Australien berichten mehrere Nutzer davon, dass sie diese Garantie auch schon erfolgreich in Anspruch genommen haben. Nach Angaben von Mitsubishi schadet die permanente Ladung und Stromentnahme nicht etwa, wie oft vermutet, dem Auto-Akku, sondern hätte sogar eine stabilisierende Wirkung.

Pikanterweise bietet Mitsubishi selbst gar kein rein batterieelektrisch angetriebenes Elektroauto (BEV) an. Der Outlander PHEV ist ein Hybridmodell mit einem Verbrennungs- und zwei Elektromotoren, das in der neusten (2019er) Version eine Batterie-Kapazität von 13,8 kWh hat und per Stromkabel geladen werden kann. Davon sollen nach Insider-Informationen maximal 10 kWh für das V2H System nutzbar sein. Mit dieser Menge ließe sich aber in vielen deutschen Familien-Haushalten mehrere Tage der Strombedarf decken, inklusive Kochen oder Waschen.

In Japan gibt es das System schon länger und wird dort nach der Fukushima-Katastrophe unter anderem. als Notstrom-Ersatz vermarktet. In Deutschland hat der Outlander PHEV als einziges Serienfahrzeug ohnehin eine Sonderstellung als Energielieferant. Dort sind zwei Schuko-Steckdosen an Bord, die mit bis zu 1.500 Watt belastet werden können.

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