Elektroautos lassen sich einfacher und schneller fertigen als Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb. Setzt sich ein Verbrennungsmotor zum Beispiel aus 2500 Komponenten zusammen, sind es beim Elektromotor nur noch 250.

Für die Autohersteller und ihre Zulieferer bedeutet das nicht weniger als eine Revolution in der Produktion. Bauteile wie Zylinderkopfdichtungen, Zündkerzen oder Abgasreinigung werden auf einmal überflüssig, Akkuzellen oder Leistungselektronik dagegen viel stärker gefragt sein. Und es sind schlicht weniger Mitarbeiter erforderlich, um ein Auto zu bauen. Es droht im schlimmsten Fall ein massiver Arbeitsplatzabbau.

Damit es nicht so weit kommt, haben eine Gruppe von zwölf vor allem mittelständischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen sowie die Industrie- und Handelskammer Wuppertal ein Automobil-Cluster namens automotiveland.nrw gegründet. Ziel der Initiative ist es, die Firmen der Branche im bevölkerungsreichsten Bundesland bei diesem Strukturwandel zu unterstützen: durch Forschungsprojekte, Hilfe bei der Digitalisierung, Förderung von Start-ups, Unterstützung bei der Digitalisierung und schlicht durch Informationsaustausch. Das Wirtschaftsministerium des Landes fördert das Vorhaben, weitere Mittel sollen vom Bund und der Europäischen Union kommen.

Das Führungstrio des Clusters
Stephan A Vogelskamp ist Geschäftsführer des neugegründeten Clusters automotiveland.nrw, Monika Kocks die Vorstandsvorsitzende, André Tünkers der Schatzmeister (v.l.n.r.).
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Keimzelle im Bergischen Land

„Jammern gilt nicht“, fasst Monika Kocks die Motivation hinter der Initiative zusammen. Sie ist Vorstandsvorsitzende des Trägervereins des Clusters, gewählt von deren Mitgliedern. Im Hauptberuf ist sie Vice President Communication des Zulieferers WKW.group aus Wuppertal.

Sie stand der Idee eines Clusters erst skeptisch gegenüber, erzählt sie, weil sie wenig positive Erfahrungen mit einer ähnlichen Organisation in der Vergangenheit gemacht hat. Ließ sich aber dann von Stephan A. Vogelskamp überzeugen, sich doch zu engagieren.

Er ist Geschäftsführer von automotiveland.nrw und in Personalunion Geschäftsführer der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (BSW). Und die treibende Kraft hinter der Initiative. Wenig zufällig stammen die meisten Gründungsmitglieder daher aus dem Städtedreieck Wuppertal, Solingen, Remscheid im Bergischen Land. „Das Cluster soll allerdings landesweit aktiv sein“, betont Vogelskamp.

Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung

In der Region östlich von Düsseldorf haben nicht ganz ein Drittel der 800 Automobil-Zulieferer in NRW ihren Sitz und beschäftigen dort rund 17.000 Mitarbeiter. Das hat die „Zukunftsstudie Automotive“ der Bergischen Universität Wuppertal und der BSW aus dem vergangenen Jahr gezeigt. Der Analyse zufolge sind die meisten lokalen Zulieferer nicht unmittelbar durch den Wandel hin zum Elektroauto betroffen. Denn nur wenige sind direkt im Bereich Antrieb aktiv.

Stattdessen konzentrieren sie sich stärker wie der Konzern Aptiv, mit Firmensitz auf der Kanalinsel Jersey, Konzernzentrale im irischen Dublin und deutscher Niederlassung in Wuppertal, auf Elektrik und Elektronik, andere auf Karosserie und Innenraumgestaltung. Allerdings wird auch sie spätestens der Trend zum autonomen Fahren betreffen, der beispielsweise zu ganz anderen Sitzkonzepten im Auto führen wird, wenn es einmal kein Lenkrad und Pedale mehr geben sollte. In einigen Feldern gibt es aber durchaus für die Unternehmen etwas zu tun: So haben laut Studie vor allem die kleineren Firmen am Ende der Lieferkette Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung.

Nach der Gründung im Bergischen will das Cluster automotiveland.nrw nun die übrigen Regionen des Bundeslandes einbinden, Fördermittel beantragen und sich mit existierenden und neu entstehenden Projekten wie etwa dem „Kompetenzzentrum Autonomes Fahren“ der Uni Wuppertal vernetzen.

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