Eigentlich geht es den deutschen Autobauern so gut wie noch nie: BMW und Daimler feiern Absatz- und Umsatzrekorde. Volkswagen (VW) kämpft Kopf an Kopf mit Renault/Nissan um den Titel als größter Autobauer der Welt. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Skandale wie der Dieselbetrug das Image der Branche schwer angekratzt haben.

Und trotz des wirtschaftlichen Erfolgs ist das Umfeld für die etablierten deutschen Autobauer schwierig geworden: Digitalisierung und neue Antriebe werden das Geschäftsmodell in den kommenden Jahren radikal verändern. Redebedarf gibt es darum auf dem „Handelsblatt Auto-Gipfel 2017“ genug. Eröffnet wurde Gipfels am Dienstag mit einem Kamingespräch zwischen Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart und Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche.

Mehr als 300 Gäste waren ins Mercedes-Museum in Stuttgart gekommen und genossen einen unterhaltsamen Abend zwischen den großen Modellen der Mercedes-Geschichte und den Ideen von morgen. Doch auch wenn der Abend unter dem Motto „Transformation“ stand, begann das Gespräch zunächst mit den Skandalen der vergangenen Monate, genauer: dem Dieselskandal.

„Wir können uns endlos mit Vergangenheit beschäftigen – oder der Zukunft zuwenden“, erklärte Zetsche. Natürlich habe der Skandal der Branche geschadet, es mache aber keinen Sinn, mit dem Finger auf Einzelne zu zeigen. „Wir haben als Industrie die Verantwortung, das lückenlos aufzuklären“, so Zetsche. Trotzdem sei es nicht vernünftig, eine Technologie zu verdammen „Es gibt den sauberen Diesel, es ist technologisch möglich“, erklärte Zetsche. Das habe mittlerweile sogar schon der grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, verstanden. Für ihn gehe es nun vor allem um die Zukunft: „Der Blick nach vorne bringt uns weiter.“

Bei seinem Auftritt beim „Handelsblatt Autogipfel“ ließ der Daimler-Chef keinen Zweifel aufkommen, dass der Wandel der Industrie auch seinen Konzern voll erfasst hat. Elektromobilität, autonomes Fahren und vernetzte Dienste verändern das Auto von Morgen. „Ich habe vor 45 Jahren Elektrotechnik studiert, weil ich mich einstellen wollte für die heutige Zeit“, witzelte Zetsche.

„Kein Geld oder keine Zukunft“

Neue Spieler hätten das Geschäft verändert und würden neue Allianzen erfordern. Milliardenschwere Techkonzerne wie Uber und Google betrachte er als „Frenemies“ – Freunde und Feinde in einem. Technologisch wolle man weiter vorneweg gehen – beispielsweise bei der Entwicklung einer neuen Batteriegeneration.

„Wir müssen Autos entwickeln, die so scharf sind, dass der Kunde gar nicht daran vorbei kommt, ein Elektroauto zu kaufen“, sagte er. Aber er stellte auch klar, dass es auf absehbare Zeit ein Nebeneinander von alten und neuen Technologien geben müsse. Sein Konzern müsse auch in Zukunft gleichermaßen auf Elektroautos wie auf Verbrennungsmotoren setzen. „Sonst hat man entweder kein Geld oder keine Zukunft“, so Zetsche.

Um einen Scherz war der Daimler-Chef zum Schluss seiner Präsentation nicht verlegen – und demonstrierte dabei ganz nebenbei die Fehleranfälligkeit der Algorithmen. Dem erheiterten Publikum präsentierte Zetsche ein automatisiertes Jobangebot, das er auf der US-Karriereplattform LinkedIn erhalten hatte. „Dieter, entdecken Sie Jobs bei BMW Group, die zu Ihren Fähigkeiten passen.“ Das habe ihn neugierig gemacht.

Angeboten wurde ihm dann ein Job als Kraftfahrzeugverkäufer Motorrad in Kassel. „Ich werde wohl bei meinem Job bleiben“, kommentierte er trocken – und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Die Gäste erlebten einen Daimler-Boss, der bestens aufgelegt war und offen über die Probleme der Gegenwart, aber vor allem über die Herausforderungen der Zukunft sprach. Oder um es mit Gabor Steingart zu sagen: „Wir haben einen Mann erlebt, der in die Zukunft schaut und alle Hände voll zu tun hat. Da kommt keine Langeweile auf.“

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