In freier Wildbahn werden wir den „Leitwolf“ sicher so bald nicht erleben. Zum einen, weil wegen Corona der Skibetrieb in den Alpen weitgehend eingestellt ist. Zum anderen, weil es sich bei der Schnellraupe gleichen Namens noch um ein Konzeptfahrzeug handelt, an dem bis zur Serienreife noch einige Detailarbeit erforderlich ist – die Testphase hat gerade erst begonnen. Immerhin lässt sich das erste von einer Brennstoffzelle angetriebene Pistenfahrzeug des Südtiroler Herstellers Prinoth am 20. und 21. Dezember in Alta Badia auf der Gran Risa-Piste besichtigen, wo unter strengen Hygienevorschriften die nächsten Rennen des Ski-Weltcups ausgetragen werden.

„Unsere Entwicklerteams haben mit dem Leitwolf h2Motion die Verbindung zwischen umweltfreundlichem Antrieb und unverminderter Kraft erreicht. Mit dem neuen Modell vereinen wir alle leistungsbezogenen Ansprüche und schaffen den 100-prozentigen Verzicht auf fossile Energieträger“, wirbt Prinoth-Chef Klaus Tonhäuser für das Konzeptfahrzeug mit dem emissionsfreien Antrieb.

Dieselantrieb ist heute noch Standard

Bislang werden Pistenraupen in allen Skigebieten weltweit noch mit Dieselmotoren angetrieben, deren Abgase in den Morgenstunden auf frisch planierten Abfahrten oft noch zu riechen sind. Prinoth will auch hier nun eine Energiewende einleiten und zum Schutz von Klima und Umwelt Elektroantriebe etablieren. Das von dem ehemaligen Formel-1-Piloten Ernst Prinoth in Gröden gegründete Unternehmen gehört mittlerweile zum HTI-Konzern, zu dem unter anderem auch der Seilbahn-Hersteller Leitner und der Windturbinen-Hersteller Leitwind zählt.

Flüsterleise und völlig emissionsfrei
Das Konzeptfahrzeug „Leitwolf h2Motion“ verfügt über einen 544 PS starken Brennstoffzellenantrieb. Der Wasserstoff wird in sieben Tanks gespeichert. Bild: Prinoth

„Unsere Unternehmensgruppe spricht nicht nur über Umweltschutz, sondern setzt konkrete Schritte: von Produktion erneuerbarer Energie bis hin zur Herstellung und Installation von Windkraftanlagen, von der Umsetzung von innovativer Elektromobilität im öffentlichen Transportsystem und nun die Einführung von CO2-neutralen Pistenfahrzeugen“, betonte Konzernchef Anton Seeber bei der Produktvorstellung.

Den heute noch dieselbetriebenen „Leitwolf“ will Prinoth deshalb möglichst bald in den Ruhestand schicken. Zumal die neue Brennstoffzellen-Raupe mit einer Antriebsleistung von 400 kW (544 PS) und einem maximalen Antriebsmoment von 2300 Newtonmetern noch deutlich mehr Kraft aufbringen kann, um die Schneemassen am Berg zu bändigen. Und auch der Energievorrat sollte genügen: Der Inhalt der Wasserstoff-Tanks reicht immerhin für einen Arbeitseinsatz von rund vier Stunden.

Auf der Suche nach der nächsten Ladestation
Die Pistenraupe Husky eMotion von Prinoth hat einen Akku, der 190 Kilowattstunden Strom speichern kann. Spätestens nach drei Stunden geht’s an die Ladesäule. Foto: Prinoth

„Husky eMotion“ mit Batterieantrieb

Und beim Leitwolf h2Motion bleibt es nicht. Prinoth präsentierte bei der Gelegenheit mit dem „Husky eMotion“ gleich auch noch ein zweites Elektrofahrzeug für einen Einsatz in Skigebieten. Mit 200 kW (270 PS) Leistung und einem maximalen Drehmoment von 1140 Newtonmetern deutlich schwächer, dafür aber auch deutlich seriennäher, wie es in Sterzing heißt. Denn statt einer Brennstoffzelle ist dem Husky eine Lithium-Ionen-Batterie mit einer Speicherkapazität von 190 Kilowattstunden (kWh) auf den Rückengeschnallt. Damit soll die Raupe immerhin bis zu drei Stunden räumen und planieren können. Schon 2022 könnte das Fahrzeug in Serienproduktion gehen.

Bis dahin bleibt noch Zeit, die Infrastruktur für beide Elektro-Raupen aufzubauen. Die einzige Wasserstoff-Tankstelle in Südtirol steht derzeit in Bozen. Ladesäulen für Elektrofahrzeuge sind häufiger, gibt es auch in Alta Badia und anderen Skigebieten – nur nicht an den Pisten. Da gibt es noch einiges zu tun und zu investieren.

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