Verunreinigungen in den Batteriezellen von Samsung SDI führen dazu, dass rund 30.000 Besitzer eines Ford Kuga Plug-in Hybrid (PHEV) den Elektromodus ihres Fahrzeugs vorerst nicht mehr nutzen können. Denn andernfalls könnte sich der Hochvolt-Akku im Kofferraum mit einer Speicherkapazität von 14,4 Kilowattstunden stark erhitzen. In insgesamt sieben Fällen in Europa sind deshalb bereits Fahrzeuge in Flammen aufgegangen. Ford hatte daraufhin im Sommer die Auslieferung des Teilzeitstromers gestoppt.

Inzwischen ist die Ursache gefunden und eine Rückrufaktion in die Wege geleitet. Ab Dezember will Ford die bereits ausgelieferten Fahrzeuge nach und nach in die Werkstatt holen, um die Batterien auszutauschen. Bis März 2021 soll die Aktion abgeschlossen sein. Den betroffenen Autobesitzern wird ein Ersatzfahrzeug sowie ein Benzingutschein im Wert von 500 Euro offeriert, um den erhöhten Kraftstoffverbrauch infolge des vorübergehenden Wegfalls des Elektroantrieb zu kompensieren.

CO2-Flottenziele rücken wieder in die Ferne

Lieferstoff und Rückrufaktion belasten die Bilanz von Ford Europa voraussichtlich mit rund 400 Millionen Euro, wurde jetzt bekannt. Zudem fehlen Ford die Fahrzeuge nun, um die CO2-Flottenziele der Europäischen Union für 2020 zu erfüllen. Den Autoherstellern droht eine Strafe von 95 Euro für jedes Gramm jenseits des Grenzwerts – multipliziert mit der Stückzahl der verkauften Autos.

Ford war kurz vor dem Ziel – Daimler noch lange nicht
Abweichung der Fahrzeughersteller von den CO2-Flottenzielen der EU. Grafik: T&E

Ford war bis zum Kuga-Rückruf auf einem guten Weg: Nach einem jüngst veröffentlichten Bericht der Umweltorganisation Transport & Environment war Ford dank der Elektrifizierungsstrategie und dank der PHEV-Varianten des Puma, Kuga und Explorer zur Jahresmitte nur noch 1,4 Prozentpunkte vom Flottenziel 95 Gramm CO2 pro Kilometer entfernt. Weil nun keine neuen PHEVs mehr auf die Straßen gebracht werden können und das Elektroauto Mach E erst im kommenden Jahr auf den Markt kommt, drohen dem Autohersteller nun Strafzahlungen in Milliardenhöhe.

„Pooling“ von Ford mit Volvo

Abgemildert werden könnten die allerdings noch durch eine Kooperation mit der schwedisch-chinesischen Volvo-Gruppe: Wie Ford-Chef Jim Farley bei der Vorstellung der Quartalsergebnisse bekannt gab, hat sich Ford mit Volvo über ein Pooling verständigt und wird dem Wettbewerber in diesem Jahr nun „CO2-Credits“, also Verschmutzungsrechte, abkaufen. Dank der Elektroautos Polestar 2 und Volvo XC40 Recharge wird das Geely-Tochterunternehmen die CO2-Flottenziele der EU für 2020/21 übererfüllen.

Eine ähnliche Pooling-Vereinbarung war zuvor bereits FiatChrysler (FCA) mit Tesla eingegangen, was dem kalifornischen Elektroautohersteller im zurückliegenden Quartal Einnahmen in Höhe von 397 Millionen Dollar und den fünften Quartalsgewinn in Folge bescherte – ohne die Einnahmen aus dem Pooling-Geschäft mit FCA wäre die Tesla-Bilanz rot ausgefallen. Ähnliche Zahlungen an Volvo stehen nun Ford ins Haus.

Das Pikante daran: 2010 verkaufte der Ford-Konzern Volvo für 1,3 Milliarden Dollar nach China. Allerdings hat Polestar, die elektrische Schwestermarke von Volvo, gerade selbst mit massiven Technik-Problemen zu kämpfen:  Nach einer „Softwareabweichung im Batterie-Energiekontrollmodul, die in sehr seltenen Fällen und ohne Vorwarnung zu einem Antriebsverlust führen kann“ wurden Anfang Oktober rund 2200 bereits ausgelieferte Exemplare des Polestar 2 in die Werkstatt geholt.

Nun gibt es offenbar Probleme mit einem fehlerhaften Gleichrichter sowie einem defekten Hochspannungskühlmittelheizer, der zu einem weiteren Rückruf führen könnte. Am heutigen Montag, 2. November, sollen die betroffenen 3150 Polestar-Besitzer vom Unternehmen über die Konsequenzen informiert werden.

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