Nach einem 203-tägigen Flug über 471 Millionen Kilometer konnte die NASA-Mission „Mars 2020“ am Donnerstagabend ihren ersten großen Erfolg vermelden: Um 21.55 mitteleuropäischer Zeit setzte die US-Raumfahrtorganisation ihren Mars-Rover „Perseverance“ (Beharrlichkeit) planmäßig auf dem Roten Planeten ab. Nach Stand der Dinge landete der Rover nicht nur annähernd punktgenau im Jezero Krater, sondern nach Stand der Dinge auch völlig unbeschädigt. Darauf deuteten nicht nur die ersten Bilder, die das Elektromobil von der Landezone sendete, sondern auch erste Messdaten. Entsprechend erleichtert zeigten sich in der Nacht die Mitarbeiter die Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena, die das Programm „Mars 2020“ entwickelt und das Raumschiff mit dem Rover zum Schwesterplaneten der Erde gesteuert hatten.

Genaueres wird man allerdings erst in einigen Tagen wissen: Bevor „Perseverance“ zu seiner ersten Fahrt aufbricht, werden zunächst seine Systeme ausgiebig durchgetestet. Das gilt für die Instrumente, mit denen der Rover auf dem Mars nach Hinterlassenschaften früherer – mikrobiellen – Lebensformen sowie nach Wasser im Untergrund suchen soll. Das gilt auch für die komplette Antriebseinheit.

Mars Rover Perseverance
Mars-Rover bei der Arbeit
Der atomgetriebene Mars-Rover „Perseverance“ soll mit einer Vielzahl von Instrumenten herausfinden, ob es früher auf dem Planeten Lebensformen gab. Foto: NASA JPL Caltech

Mit einem Gewicht von 1025 Kilo ist der elektrisch angetriebene Allradler etwa so schwer wie ein Smart EQ Fortwo, aber mit einer Länge von drei Metern und einer Breite von 2,7 Metern um einiges größer. Vor allem hat er eine deutlich größere Reichweite als das deutsche Citymobil: Der Stromgenerator an Bord des Rovers liefert für bis zu 14 Jahre Energie. Das sollte reichen: Die Mission „Mars 2020“ ist nur auf eineinhalb Jahre ausgelegt.

Klar, die technischen Herausforderungen einer Expedition zum Roten Planenten sind enorm. Mindestens genauso viele Probleme bereitet die Nutzlast: das Team von Astronauten, eingepfercht auf engsten Raum. Die Psychologen lernen allmählich, aus welchen Persönlichkeiten es bestehen sollte. Bloß nicht den Clown vergessen. Raumfahrt

Da auf dem Mars bis zum Eintreffen von Tesla-Gründer und Space-X-Chef Elon Musk vorerst keine Ladesäulen für Elektroautos existieren, musste sich die NASA eine andere Form der Energieversorgung einfallen lassen. Eine, die so auf der Erde nicht möglich wäre: Die MMRTG (Multi Mission Radioisotope Thermoelectric Generator) genannte und nur 45 Kilo schwere „Power Unit“ produziert den Strom mit Hilfe von 4,8 Kilo Plutoniumdioxid, also mit Atomkraft. Zwei Lithium-Ionen-Akkus an Bord dienen lediglich als Pufferspeicher.

Hubschrauber parkt noch im Unterdeck

Der MMRTG sitzt in einem Keramikgehäuse und ist zusätzlich mehrfach gekapselt. Nach Angaben der NASA wäre die Gefahr einer atomaren Verstrahlung der Marsoberfläche selbst bei einer vollständigen Zerstörung des Generators – etwa bei einem ungebremsten Aufprall bei der Landung des Rovers – nur sehr gering: Maximal 210 Millisievert würden dabei freigesetzt. Das entspricht in etwa der Dosis, die ein Mensch auf der Erde im Laufe eines Jahres aufnimmt.

Mars-Helikopter Ingenuity
Erkundungsflug über die Marsoberfläche
Künstlerische Impression von einem Flug des NASA-Helikopters „Ingenuity“. Alle 30 Tage ist ein Erkundungsflug möglich – danach muss der Drehflügler wieder Kraft schöpfen. Foto: JPL

Nochmal spannend wird es auch in einigen Wochen werden, wenn „Perseverance“ seinen Begleiter absetzt, der im Augenblick noch in einem Versteck im Unterboden des Rovers sitzt: Der Elektro-Helikopter „Ingenuity“. Tatsächlich musste in Pasadena viel „Erfindergeist“ aufgewendet werden, um den kleinen, nur 1,8 Kilogramm schweren Drehflügler zu konstruieren. Die Atmosphäre auf dem Mars ist sehr dünn, die Temperaturunterschiede sind extrem. Und von Zeit zu Zeit fegen heftige Stürme über den Planeten. Die NASA hat dem Helikopter deshalb zwei sich gegenläufig drehende Rotorblätter mitgegeben. Zudem bekam der Hubschrauber eine Antriebseinheit mit 350 Watt Leistung – der Rover muss sich mit 110 Watt begnügen.

Aber er muss ja auch nicht fliegen. Die NASA-Wissenschaftler wären schon zufrieden, wenn er über die Marsoberfläche kriecht. Wir drücken die Daumen.

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