In Berlin haben Innogy und Partner eine erste Verleihstation für elektrische Mietfahrzeuge in Betrieb genommen. An dem Standort im Parkhaus des Einkaufscenters „Mall of Berlin“ unweit vom Potsdamer Platz in Mitte stehen Kunden ab sofort sieben E-Autos der Marke Tesla zur Verfügung. Jedes davon verfügt über eine eigenen Wallbox mit je 22 kW an einem eigenen Stellplatz.

Dabei hätten die Partner Wert auf eine einfache Nutzung gelegt, betonten Vertreter der drei Unternehmen vor Journalisten in Berlin. Demnach lassen sich etwa die Miete und das Bezahlen per Smartphone-App abwickeln. Computerchips in den Fahrzeugen öffnen zudem die Schranken im Parkhaus. Eine Software sorge für eine ständig fahrbereite Flotte, geladen werde ausschließlich Ökostrom.

App öffnet E-Auto in Sekundenschnelle

Dahinter steht eine branchenübergreifende Kooperation. Während Innogy die Ladehardware- und -software bereitgestellt hat, reservierte der Parkraumbewirtschafter Apcoa die nötige Fläche in seinem Parkhaus. Das auf die Vermietung von E-Autos per Smartphone spezialisierte Start-up Ufodrive aus Luxemburg bringt diesen Teil ein – und organisiert die elektrischen Leihwagen von Tesla, Nissan, Audi und bald auch Volkswagen.

Ufo-Landung in Berlin
Unweit des Potsdamer Platzes, in der Tiefgarage der „Mall of Berlin“, haben die Autovermietung UfoDrive, der Parkhaus-Betreiber Apcoa und der Energieversorger Innogy eine Vermietstation für Elektroautos in Betrieb genommen. Weitere E-Garagen dieser Art sollen folgen. Foto: UfoDrive

Maßgeblich aus Sicht des Endkunden sind aber weniger die Autos als vielmehr die Ufodrive-App, über die der Verleih organisiert wird – ohne lästige Wartezeiten wie bei klassischen Vermietern etwa am Flughafen. Mit wenigen Clicks ist das Auto gemietet, per Smartphone lässt sich das Fahrzeug öffnen und kann die Fahrt beginnen. „Der ganze Prozess dauert zwei Minuten“, wirbt der Ufodrive-Gründer, der Ire Aidan McClean. Erst seit etwas mehr als einem Jahr gibt es das Unternehmen, das inzwischen 16 Stationen in acht Ländern betreibt. Die in der „Mall of Berlin“ ist die jüngste – und innovativste.

Bündelung von Ladestationen im Parkhaus

„Wir müssen Infrastruktur wie diese in das Stromnetz integrieren“, sagte Armin Gaul, Bereichsleiter Technische Produktentwicklung bei Innogy, zur Eröffnung der Parkhausstation. Da laut Gaul nur zu 30 Prozent aller Autos in Deutschland auch eine Garage gehört, will das Unternehmen auf diese Weise neue Kundengruppen ansprechen – und damit einen Beitrag zur Reduzierung des Fahrzeugbestands in Privatbesitz leisten.

Innogy wolle mit dem Projekt auch demonstrieren, dass sich das Geschäft mit Ladesäulen für Flotten rechnen kann, sowie Erfahrungen mit den speziellen, technischen Herausforderungen in Parkhäusern sammeln. Wenn E-Mobilität bald stärker nachgefragt wird, brauche es entsprechende Flächen zum Laden der Fahrzeuge, so Gaul. Diese könnten nicht irgendwo am Straßenrand liegen, sondern müssten an zentralen Stellen im Stadtgebiet gebündelt werden, um Kosten zu sparen und Verkehrsflächen für andere Zwecke zu gewinnen – etwa für Radwege. Der Berliner Senat hatte unlängst den Laternenparkern den Kampf angesagt. Warum, so fragt man sich im Roten Rathaus, sollten die rund 1,2 Millionen Autos in Berlin weiterhin wie selbstverständlich kostenlos oder mit günstigen Anwohner-Tickets in den Kiezen herumstehen? Auch in anderen Städten wird bereits über das Parken von Autos am Straßenrand heftig gestritten: In der Innenstadt von Oslo etwa wurden im vergangenen Jahr bereits 700 Parkplätze im Zentrum ersatzlos gestrichen und die Gebühren für das Parken am Straßenrand massiv erhöht und an Werktagen auf zwei Stunden begrenzt.

So weit ist man in Berlin noch nicht. Aber das Modell von Inoggy, Apcoa und UfoDrive zeigt auf, wohin die Reise gehen könnte. Die drei Partner kündigten an, gemeinsam weitere Stationen in Deutschland und international aufbauen zu wollen. Zu den konkreten Plänen wollten sie sich auf Nachfrage aber noch nicht äußern. Innogy und Apcoa planen darüber hinaus, „eine Vielzahl“ von Parkhäusern mit öffentlicher Ladeinfrastruktur auszustatten. Ufodrive betreibt in Deutschland bereits Standorte an den Flughäfen Köln/Bonn und Hamburg. Dass sich das Projekt in der „Mall of Berlin“ rentiert, damit rechnen die Partner fest. Dies werde zwar noch nicht in den ersten 24 Stunden der Fall sein, aber in etwas mehr als einem Jahr, so die Prognose.

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