Was ist mein Auto noch wert? Diese Frage beschäftigt fast jeden Autofahrer. Vor allem, wenn es um Neuwagen geht, ist der Werteverlust über die ersten vier Betriebsjahre hinweg mitentscheidend dafür, inwiefern sich der Kauf eines fabrikneuen Autos rechnet. Die alte Stammtischweisheit: „Sobald man vom Hof des Händlers fährt, verliert man 10.000 Euro“ mag zwar etwas übertrieben sein, entbehrt aber sicher nicht einer gewissen Grundlage.

Vor allem bei Elektromobilen spielt der Restwert beim Wiederverkauf eine wichtige Rolle. Viele sehen die Alterung der Akkus skeptisch und ziehen gern den Vergleich zu einem Smartphone heran. Offenbar zu Unrecht. Aktuelle Auswertungen und Studien, wie die der Technologieberatung P3, zeigen deutlich, dass Traktionsbatterien in Elektroautos langsamer altern als lange befürchtet. Demnach liegt selbst nach 200.000 bis 300.000 Kilometern der State of Health (SoH) der Akkus im Durchschnitt noch bei 87 bis 90 Prozent.

Elektroautos: Restwertsieger des Jahres 2029

Die wertstabilsten Elektroautos liegen weiterhin hinter vielen begehrten Verbrennern, aber es gibt einen klaren Spitzenreiter. Auf Platz eins steht das Tesla Model Y (Standardreichweite) mit einem Listenpreis von 44.990 Euro und einem Restwert von 55,2 Prozent nach vier Jahren. Dahinter folgt der elektrische Porsche Macan Electric (Neupreis: 80.700 Euro) mit 55,0 Prozent. Rang drei geht an den Mini Aceman SE (NP: 33.200 Euro). Wenn es um den absoluten Wertverlust geht, macht dem Dacia Spring keiner Konkurrenz. Kein Wunder bei dem geringen Grundpreis.

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Porsche Macan Electric
Der Elektro-SUV wird nach den Berechnung von Bähr & Fess Forecasts auf dem Gebrauchtwagen-Markt noch 55 Prozent seines einstigen Neuwagenpreises erzielen. Das ist für Elektroautos ein sehr guter Wert, der Flottenbetreiber erfreuen dürfte. Foto: Porsche

1. Kleinstwagen

Beim prozentualen Werterhalt liegt der Toyota Aygo X vorn, gefolgt vom Fiat Panda/Pandina und dem Hyundai i10. In der Euro-Betrachtung dreht sich das Bild: Der Mitsubishi Space Star landet ganz oben. Bei dem Neupreis von 13.590 Euro summiert sich der Wertverlust nach vier Jahren auf 7.280 Euro. Das Segment illustriert zugleich die Marktrealität: Der Space Star läuft in Europa aus, der Aygo bleibt als letzter Vertreter seines früheren Trios (Citroën C1/Peugeot 107) im Programm, und der betagte „Pandina“ (ehemals Panda) schlägt sich wacker. Dieser Namenswechsel des kleinen Italieners ist ein Ergebnis der Abgrenzung zum Grande Panda.

2. Kleinwagen

Relativ, also prozentual, führt der Mini Cooper mit Automatikgetriebe und einem Restwert von 60 Prozent vor dem Audi A1 und dem VW Polo. In absoluten Zahlen bleibt der Dacia Sandero die sichere Bank: Von 12.490 Euro sind nach vier Jahren 5.903,59 Euro weg – weniger verliert man mit keinem anderen Kleinwagen. Dahinter folgen der Citroën C3 der und Mazda 2.

3. Kompaktklasse

In der „Golf-Klasse“ gibt der ehemalige Klassenprimus aus Wolfsburg nicht mehr den Ton an – zumindest was den Restwert betrifft. Beim relativen Werterhalt wie auch in der absoluten Betrachtung setzt sich der Dacia Jogger an die Spitze: als Benziner (relativ) und mit Autogas (LPG) im Euro-Vergleich. Ebenfalls stark: Skoda, Mercedes CLA und Audi A3.

4. Mittelklasse

An der Spitze beim relativen Werterhalt steht der Skoda Superb (Benziner). Bei einem Neupreis von 41.100 Euro summiert sich die Abschreibung nach vier Jahren auf 20.169 Euro – das entspricht 50,9 Prozent und reicht im harten Dienstwagen-Segment zum Sieg in beiden Kategorien. Direkt dahinter folgen der Audi A5 und der Mercedes C 180. In der absoluten Euro-Wertung schiebt sich ein Stromer nach vorn: Das Tesla Model 3 (39.990 Euro) landet auf Rang zwei, der VW Passat reiht sich dahinter ein.

5. Obere Mittelklasse

Trotz Elektrifizierungsdruck dominieren die deutschen Platzhirsche in ihrem ureigenen Revier. Der Audi A6, Mercedes E-Klasse (als eines der wenigen Diesel-Highlights) und der BMW 5er belegen die Top-Ränge – sowohl relativ als auch absolut. Auffällig: Selbst der Beste im Feld liegt nach vier Jahren nur knapp an der 50-Prozent-Marke.

6. Oberklasse

Der elektrische Porsche Taycan taucht hier nicht unter den Spitzenreitern auf. Stattdessen hält der Porsche Panamera sowohl relativ als auch absolut die Zuffenhausener Fahne am Platz an der Sonne hoch. Je nach Zählweise folgen der BMW 8er und die Mercedes S-Klasse auf den nächsten beiden Plätzen. Beim relativen Wertverlust sichert sich der Schwabe den zweiten Rang, beim absoluten ist es der Münchner.

7. Kleine SUV

Bei den Westentaschen-SUVs behauptet sich der Audi Q2 mit 58,7 Prozent Restwert an der Spitze der relativen Wertung. In Euro gerechnet übernimmt der Dacia Duster mit seinem eher seltenen LPG-Antrieb die Führung. Immerhin belegt der Dacia Duster auch bei der relativen Wertung den zweiten Platz. Als Dritte kommen der Citroën C3 Aircross (relativ) und der Seat Arona (absolut) ins Ziel.

8. Mittelgroße SUV

Auch hier schafft es Dacia aufs Podest: relativ auf Rang drei, absolut ganz nach oben. Der Dacia Bigster profitiert von einer starken Nachfrage und dem optionalen Allradantrieb. Dazu gesellen sich der Seat Ateca, der Renault Symbioz und der Mercedes GLC – dessen Elektro-Variante auf der kommenden IAA präsentiert wird – sowie der Skoda Kodiaq. Der tschechische Kraxler holt sich in der relativen Tabelle den ersten Platz.

9. Große SUV

In der Oberliga der SUVs bleibt der Diesel tonangebend. Die Mercedes G-Klasse markiert mit 64,5 Prozent Restwert die Nummer eins der „Restwertriesen 2029“. Dahinter reihen sich der Konzernverwandte Mercedes GLE und der Mazda CX-80 ein. Der rein elektrische Mercedes G 580 EQ kann laut Einschätzung des Restwert-Experten Michael Gerstner von Bähr & Fess Forecasts noch nicht an den Kultfaktor der Verbrenner-G anknüpfen, was den Restwert des Stromer-Geländewagens nach unten drückt. In der Tabelle der absoluten Restwerte erscheint Mercedes erwartungsgemäß nicht. Da ist der Mazda die Nummer eins, gefolgt vom Hyundai Santa Fe und dem KGM (ehemals SsangYong) Rexton.

10. Cabriolets

Die Zahl der Oben-ohne-Gleiter nimmt ab. Vor allem elektrische Alternativen sind rar. E-Ausnahmen wie der MG Cyberster ändern am Grundtrend wenig. Wenig verwunderlich: Mini ist mit dem Cooper Cabrio bei den absoluten Restwertriesen die Nummer eins. Dahinter folgen Mercedes CLE (als Nachfolger für C- und E-Klasse-Cabrio) sowie der Kult-Roadster Mazda MX-5. Bei den absoluten Zahlen schafft es der VW T-Roc auf den dritten Platz.

11. Coupés

Unterhalb der Sportwagenschwelle ist die Auswahl klassischer Zweitürer zunehmend überschaubar. Mercedes CLE 180i und BMW 218i geben hier den Ton an. Als Exot mischt die Alpine A110 beim relativen Restwert mit. In der absoluten Rangliste macht der BMW 420i als Dritter den Münchner Erfolg komplett. Wer mehr Leistung möchte, muss eine Kategorie höher wählen.

12. Sportwagen

Interessant! Beim prozentualen Werterhalt gewinnt der AMG GT 55, der Porsche 911 Carrera muss sich mit deutlichem Abstand mit dem zweiten Platz zufriedengeben. In der Euro-Rangliste dreht der Ford Mustang 5.0 den Spieß um: Kein Wunder – für weniger als 60.000 Euro bekommt man jede Menge Auto, inklusive eines Achtzylinders. Dementsprechend niedrig ist die Fallhöhe vom Neupreis zum Restwert nach vier Jahren.

13. Vans

SUV-Boom hin oder her: In der Restwert-Prognose schaffen es die Mercedes B-Klasse, VW Touran und der BMW 2er Active Tourer aufs Podest. Ein mögliches Segment-Revival bleibt auf der Agenda – nicht zuletzt, weil Vans in China als Luxus-Vehikel an Profil gewinnen. Kein Wunder, dass Mercedes einen Luxus-E-Van mit S-Klasse-Ambiente auf den Markt bringt.

14. China-Marken: viel Präsenz, wenig Restwertvertrauen

Trotz dutzendfacher Neuzugänge aus China taucht kein BYD, XPeng, MG oder Great Wall in den oberen Restwert-Rängen auf. Der Grund ist so schlicht wie nachvollziehbar: Das Vertrauen in die Marken aus Fernost wächst nur langsam – sowohl im Neuwagen- als auch im Gebrauchtwagengeschäft. Entsprechend bescheiden ist die Zahlungsbereitschaft für vier Jahre alte Fahrzeuge. Damit sind auch die Restwerte unterdurchschnittlich. Doch die koreanischen Marken haben bewiesen, dass sich das schnell ändern kann.

Methodik – wie die Ranglisten entstehen

Zum Schluss noch ein paar Anmerkungen zur Methodik der Untersuchung – oder anders gesagt: wie die Ranglisten entstehen. Die Analysten von Bähr & Fess Forecasts ermitteln den Wertverlust über die ersten vier Jahre nach der Erstzulassung des Fahrzeugs. Die grundlegende Rechnung ist simpel: Bei einer jährlichen Laufleistung von 15.000 km sinkt der Durchschnittswert im ersten Jahr um 24,2 Prozent, danach um rund fünf bis sechs Prozent pro Jahr. Es gibt jedoch noch weitere Faktoren, die den Restwert beeinflussen. Da ist zum einen die Fahrzeuggattung. Ein SUV ist aktuell gefragter als ein Cabrio. Natürlich spielen auch der Zustand, die Laufleistung, die Pflege und die Ausstattung eine Rolle.

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