Von Steinkohle zu Solarenergie: Solmove will eine stillgelegte Zeche im Ruhrgebiet zum Vorzeige-Ort innovativer Solartechnik machen. Das Berliner Start-Up hat im ersten Schritt eine 15 Meter lange Teststrecke für eine Solarstraße auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Westerholt in Herten an der Stadtgrenze zu Gelsenkirchen in Betrieb genommen. Die sogenannte Smart Solar Street liefert nun Solarstrom für das angrenzende Bürogebäude und eine Ladestation für E-Bikes und E-Autos – bis zu 18 Kilowattstunden (kWh) am Tag.

Wie Solmove-Gründer und Geschäftsführer Donald Müller-Judex im Gespräch mit EDISON schildert, rollen täglich fünf bis zehn Fahrzeuge über die Straße. Bisher sei alles ohne technische Probleme verlaufen. Der Geschäftsführer zeigte sich begeistert darüber, dass die Städte Gelsenkirchen und Herten ebenso wie RAG Montan Immobilien sein Konzept unterstützen, aber auch mit dem interkommunalen Projekt „Infocenter Energielabor Ruhr“ die Energiewende fördern.

Die gläserne Solarstraße, in die Fotovoltaik-Elemente eingelassen sind, könnte nach Ansicht des Erfinders den Straßenbau revolutionieren. Sie erzeugt Strom, schluckt Lärm und beleuchtet sich selbst – zusätzliche Straßenlaternen sind nicht mehr erforderlich. Die Module könnten mit Hilfe des selbst erzeugten Stroms beheizt werden und sich so im Winter selbst von Schnee und Eis befreien. Theoretisch wäre es auch denkbar, induktive Ladetechnik in die Straße einzulassen. Elektroautos könnten so während der Fahrt geladen werden. Und nicht zuletzt könnten die Kommunen mit dem produzierten Strom die Energiekosten senken.

Wie der Solar-Radweg scheiterte

Doch zunächst einmal muss sich das Konzept bewähren. Ein erster Testlauf scheiterte im vergangenen Jahr krachend: Erftstadt, eine kleinen Stadt nördlich von Köln, hatte im November 2018 mit Hilfe von Solmove einen 90 Meter langen Solar-Radweg eingerichtet. Doch schon kurz nach der Eröffnung gab es Probleme mit der Technik. Als schließlich Anschlussdosen durchschmorten, sperrte die Stadt den Solar-Radweg und forderte Solmove auf, die Probleme zu beheben. Weil das angeblich nicht schnell genug geschah, erklärte Erftstadt das Projekt für gescheitert und forderte das Start-Up auf, die Installation wieder zu beseitigen.

Inzwischen beschäftigt der Fall Juristen. Laut Müller-Judex sei die von der Stadt gesetzte Frist zu kurz gewesen, um die Mängel zu beseitigen. Zudem seien bereits eine halbe Million Euro in die Teststrecke geflossen – ein Abriss komme für ihn deshalb nicht in Frage. Nach seinen Angaben hat ein Gericht auch bereits entschieden, dass die Kündigung durch die Stadt nicht rechtens war. Er bietet Erftstadt an, den inzwischen erkannten Fehler zu beheben und den Solar-Radweg wieder zum Laufen zu bringen. Die baugleichen Module würden bei der Solarstraße in Herten problemlos funktionieren. Ein erster Versuch zu einer außergerichtlichen Einigung zwischen der Stadt und dem Start-Up scheiterte allerdings.

In Erftstadt bei Köln wurden 90 Meter Radweg aus Solarmodulen ausgelegt. Der Initiator träumt bereits von Solarautobahnen, auf denen Stromer während der Fahrt geladen werden. Solarenergie

Investoren fehlen

Müller-Judex lässt sich durch die Probleme in Erftstadt nicht von seinen Plänen abbringen. Bei Innovationen dieser Art sei es normal, dass nicht von Anfang an alles klappe. Aber aus Fehlern lerne man: Bei der neuen Solarstraße in Herten will er nun zunächst einmal schauen, wie sich die Module im Alltagsbetrieb verhalten und was sich an ihnen noch verbessern lässt. Was ihn besorgt, sind auch weniger die technischen als die finanziellen Herausforderungen: Es sei schwer, neue Investoren zu finden. Und Förderanträge würden reihenweise abgelehnt.

Solmove hat deshalb nun eine Crowdinvesting-Kampagne gestartet: Seit Ende Juni sammelt das Unternehmen im Internet Geld, um seine Module weiter verbessern, zertifizieren und eine Serienproduktion aufziehen zu können.

Aufgeben kommt für Müller-Judex nicht in Frage. Allein in Deutschland eignen sich nach seiner Einschätzung etwa 1.400 Quadratkilometer Straßenfläche für eine Umwandlung zu Solarstraßen. Damit ließen sich bis zu 20 Millionen Elektroautos mit Strom versorgen.

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