Fünf Farben, zwei Radgrößen. Wählen muss der Käufer dann noch, ob er die Sitze mit weißem oder schwarzem Kunstleder bezogen haben möchte, ob er ausschließlich selbst fährt oder sich lieber chauffieren lässt – und schon ist die Bestellung für das Model 3 fertig.

Viele Wahlmöglichkeiten bietet Tesla seinen Kunden nicht an. Das würde die Komplexität in der Produktion nur erhöhen, die Kosten sowieso und wahrscheinlich auch die Fehlerquoten in der Produktion steigern. Und die Tesla-Fahrer der ersten Stunde hatten meist auch kein allzu großes Interesse an einer Individualisierung ihres Fahrzeugs. Viel wichtiger war es ihnen, Teil der Community zu sein, die sich um die kalifornische Elektroauto-Marke Tesla und ihren charismatischen CEO Elon Musk gebildet hatte. Nur extrovertierte Typen folierten ihr Model 3 schon einmal oder versuchten den Mittelklasse-Stromer mit extravaganten Rädern vom Zubehörhandler aus dem Einerlei vor dem Tesla Supercharger hervorstechen zu lassen.

Tuner entdecken die Tesla-Szene

Aber die Zeiten ändern sich. Die Fahrzeuge des Elektro-Pioniers sprechen inzwischen nicht mehr nur die Technik-Nerds, sondern auch ganz gewöhnliche Autokäufer an. Die brachialen Beschleunigungen locken sie ebenso wie das minimalistische Bedienkonzept. Die üppigen Förderprämien für Elektroautos nicht nur
in Deutschland tun ein Übriges, um die Verkaufszahlen von Tesla steigen – aber auch die Tunerszene wach
werden zu lassen.

Hingucker in Hilden
Das Aero-Kit von Startech lässt das Model 3 von Tesla deutlich sportlicher daherkomme – zu einem moderaten Preis.

Das dunkelblaue Tesla Model 3, das uns Peter Strasburger, Director Components & Parts beim Mercedes-Veredler Brabus in Bottrop und Leiter für die Marke Startech Refinement, für eine Ausfahrt mitgegeben hatte, sorgte jedenfalls beim Elektromobilisten-Stammtisch am Ladepark Hilden bei Düsseldorf für einiges Aufsehen. Nicht nur, weil das Startech-Team das Auto auf einen Glanzgrat poliert hatte, der selbst für Neuwagen von Tesla eher ungewöhnlich scheint. Vor allem die zahlreichen passgenauen Anbauteile sowie die in kräftigem Rot leuchtenden Sitze sorgten sofort für Aufmerksamkeit.

Mit einer aggressiv gestylten Frontschürze, mit einer sportlichen Heckschürze inklusive Diffusor, mit Seitenschwellern, großem Heckspoiler und aerodynamisch optimierten Außenspiegeln kam die normalerweise eher brave Familienkutsche allerdings auch wie ein reinrassiger Sportwagen daher. An den Achsen Leichtmetallräder mit Zentralverschlussoptik, dazu noch eine Tieferlegung um 30 Millimetern – da soll noch einmal jemand sagen, Elektroautos wären emotionslose Gefährte.

Individualisierung unabhängig von der Antriebsart

„Individualisierung und Tuning sind unbhängig von der Antriebsart“, predigt Brabus-Chef Constantin Buschmann. Strasburger und sein Team beweisen das auch bei der Neugestaltung des Innenraum des Tesla: Die Sitzbezüge aus Kunstleder wurden durch solche aus feinstem Leder ersetzt, in kräftigem Rot statt tristem Grau und mit feinen Stepparbeiten zusätzlich aufgehübscht. Für das Lenkrad gab es ebenso wie für Dachhimmel und Türverkleidungen Bezüge aus Alcantara. Da schnalzten selbst Tesla-Fahrer der ersten Stunde mit der Zunge, als der Prototyp in Ladepark Hilden vorfuhr.

Feinste Stickarbeiten in feinstem Leder
Die neuen zweifarbigen Sitzbezüge für das Tesla Model 3 liefert Startech in jeder gewünschten Farbe, vorzugsweise aber in Rot, Blau und Grau. Gegen Aufpreis auch mit Stickarbeiten nach individuellem Wunsch.

Für Irritationen bei einigen eingefleischten Tesla-Fans sorgte allerdings das Zusatzinstrument auf den Lenksäule – keine Eigenentwicklung von Startech, sondern Zukaufteil aus China: Auf der digitalen Doppelanzeige im Stil klassischer Sportwagen lässt sich unter anderem die Fahrgeschwindigkeit ablesen. Normalerweise findet sich diese oben links im i-Pad-ähnlichen Zentraldisplay des Tesla, über das unter anderem das Öffnen des Handschuhfachs oder die Einstellung der Außenspiegel gesteuert wird. Was auf den ersten Blick „cool“ aussieht und Tesla einiges an Kosten spart (weil viele analoge Knöpfe und Schalter wegfallen), kann Wechsler aus der alten Autowelt anfangs schon einmal in Range – und zum Schielen bringen: Um zu erfahren, wie schnell das Auto gerade unterwegs ist, muss zumindest ein Auge nach rechts gerichtet werden – derweil das andere Straße und Verkehr im Blick zu halten versucht.

Zweit-Display hinterm Lenkrad für Tempoanzeige

Ein Zweitdisplay hinter dem Lenkrad – wie etwa auch im Ford Mustang Mach-E – oder ein Head-up-Display kann da die Fahrsicherheit erhöhen. Für Tesla-Fans ein Irrweg – für die hat die Konzentration aller Informationen und Bedieneinheiten in einem Zentraldisplay den höheren Stellenwert.

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Das restliche Tuning-Programm, das Startech für das Model 3 – und auch schon für das Model Y – aufgelegt hat, kam bei den Tesla-Eignern sehr gut an. Erst recht, als sie von den erstaunlich moderaten Preisen erfuhren, die die Brabus-Tochter aufruft. Mit allem Drum und Dran und inklusive Lackierungen wären Mehrkosten von rund 22 000 Euro fällig. Aber die neuen passgenauen Stoßfänger für 1100 Euro und der schnittige Heckflügel für 430 Euro sind einzeln recht günstig eingepreist – modernste 3D-Scan- und CAD-Technologie machen es möglich. Die Umbaukosten halten sich auch deshalb in Grenzen, weil die Teile die Original-Montagepunkte verwenden – jede Kfz-Werkstatt, jeder tesla-Servicepunkt kann den Umbau in kurzer Zeit realisieren.

Alles im Blick
Das Zusatz-Display hinterm Lenkrad des Model 3 informiert den Tesla-Fahrer über die Fahrgeschwindigkeit, über Restreichweite und Ladezustand der Batterie, ohne dass den den Blick von der Fahrbahn nehmen müsste.

Das gilt auch für das Upgrade für die Vorder- und Rücksitze: Die Bezüge aus feinstem Leder und mit feinsten Stickarbeiten werden einfach gegen die bestehenden Bezüge ausgetauscht. Die Materialkosten liegen bei 2500 Euro – für alle vier Sitze. Etwas teurer fällt mit knapp 4000 Euro der neue Radsatz aus. Und fast genauso teuer (3.570 Euro) wird es, wenn der Innenraum – samt Dachhimmel und Armaturenträger – mit Alacantara bezogen werden soll. Denn dafür muss der Wagen zu Startech nach Bottrop. Dort könnten in der hauseigenen Sattlerei dann auch noch Sonderwünsche realisiert werden.

An den Antrieb des Tesla traut sich Strasburger noch nicht ran – das optische Tuning muss erst einmal reichen: Zu komplex ist die Software des Elektroautos, zu groß die Gefahr, dass nach den Eingriffen des Tuners der teure Akku des Wagens Schaden nimmt. Aber auch so hofft der Startech-Chef auf gute Resonanz auf sein Tuning-Programm – weltweit. Der Bodykit ist auf eine Stückzahl von 800 Einheiten angelegt: Beim Besuch in Hilden hätte das erste Dutzend leicht verkauft werden können.

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