Theresa „Resi“ Steinlein (geboren am 6. März 2002 in Starnberg) zählt zur absoluten Weltspitze im olympischen Windsurfen. Aufgewachsen am oberbayerischen Wörthsee, startete sie ihre sportliche Laufbahn zunächst im klassischen Segelsport (u. a. in der 420er-Jolle), bevor sie 2020 zum damals neu eingeführten iQFOiL wechselte. Als Sportsoldatin und BWL-Studentin startet sie für den Norddeutschen Regatta Verein (NRV) im Olympiakader des German Sailing Teams. Bei den Olympischen Spielen 2024 vertrat sie die deutschen Farben bei der Olympia-Premiere der foilenden Windsurferinnen und holte unter anderem 2025 WM-Bronze. Als Athletin des „Team Deutschland“ auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles wird sie im Rahmen der Partnerschaft von der Automarke Citroën unterstützt. Wir haben uns in einem Videocall mit ihr ausgetauscht.

Einen schönen guten Tag, Frau Steinlein! Wo erwischen wir Sie denn gerade?

Ich bin gerade auf Sardinien. Ich komme buchstäblich frisch vom Wasser – wir haben heute den ersten Tag unseres Trainingslagers.

Sie sind Surferin und Seglerin – und als solche am Strand extrem nah an Wind, Wellen und Wetter dran. Wenn Sie morgens aus der Tür treten, schauen Sie da zuerst in den Himmel oder auf die Wellen?

Ehrlich gesagt checken wir schon Tage vorher die Wind-Forecasts. Es gibt diverse Apps, und jedes Revier hat sein eigenes Windmodell. Man schaut also genau, welche App wo am besten funktioniert, und fragt auch mal die Locals vor Ort nach ihren Erfahrungswerten. Morgens gucke ich dann natürlich trotzdem aus dem Fenster und gleiche ab, ob das Wetter zur Vorhersage passt. Bei wichtigen Regatten bekommen wir von unseren Wetterspezialisten sogar richtige Dossiers geschickt – die sind manchmal zehn Seiten lang. Da verstehe ich zwar auch nicht jedes Detail, aber mein Coach fasst mir das Wichtigste zusammen.

Kraftübung
Theresa Steinlein startet bei Olympia in der iQFOiL-Klasse. Alle Teilnehmer nutzen hier exakt das gleiche Material, das gleiche Acht-Quadratmeter-Segel – egal bei welchen Bedingungen. Also auch bei Starkwind mit bis zu 35 Knoten. Fotos: Dani Heyne

Das klingt erstaunlich technisch. Als Laie stellt man sich eine Surferin eher als naturverbundenen Freigeist vor, der den Wind einfach im Nacken spürt.

Natürlich gehört das Gespür dazu. Aber man möchte sich eben schon morgens auf die Bedingungen einstellen, das Segel trimmen und das Board abstimmen. Wenn es dann aber raus aufs Wasser geht, ist die Vorhersage fast wieder egal. Unsere Rennen dauern nur fünf bis zehn Minuten – so präzise ist keine Wetter-App der Welt. Da zählst nur noch du im Hier und Jetzt.

Und wenn Sie ganz privat am heimatlichen See stehen – wandert der Blick da auch als Erstes zur Wetter-App?

In Deutschland bin ich ehrlich gesagt kaum noch zum Trainieren. Vielleicht zwei, drei Tage im Jahr bin ich daheim auf dem Wasser, sonst bin ich fast durchgehend unterwegs. Da ich quasi permanent surfe, bin ich eigentlich immer in dieser Vorbereitung drin. Ganz ohne geht es wohl nicht mehr! (schmunzelt)

Verändert diese ständige Abhängigkeit von den Elementen den Blick auf die Welt und die Natur?

Extrem. Ich bin mit meinen drei Schwestern mitten in der Natur aufgewachsen, wir waren am See, im Sommer am Meer, im Winter in den Bergen. Meine Mama hat uns von klein auf beigebracht, wie wichtig die Natur für uns ist. Wenn es uns mal nicht gut ging, hieß es immer: „Geh erst mal eine Runde in den Wald und schau, wie du dich danach fühlst.“ Durch dieses Aufwachsen haben wir ein großes Verantwortungsbewusstsein und enormen Respekt vor der Natur gelernt.

Als Wassersportlerin bekommen Sie die Veränderungen von Umwelt und Klima vermutlich ungefilterter mit als jemand im Großraumbüro.

Wir erleben das hautnah. Wir merken, wie extrem heiß die Sommer jedes Jahr werden. Wenn du nach dem Training nachts kaum noch regenerieren kannst, wir tagsüber mit Eiswesten herumlaufen müssen und überlegen, wohin wir Trainingslager überhaupt noch legen können, weil es zu heiß wird – das ist schon krass. Oder wenn ich über Riffe schwimme, die vor fünf Jahren noch voller Leben waren und heute einfach tot sind. Das tut weh.

Gleichzeitig sind Profisportler extrem viel unterwegs. Sylt, Sardinien, Übersee – da reist auch der CO₂-Rucksack mit. Wie gehen Sie mit diesem Widerspruch um?

Natürlich weiß ich, dass wir viel reisen und dass das einen Impact hat. Wir versuchen aber, das so bewusst wie möglich zu gestalten. Statt jede Woche irgendwohin zu jetten, legen wir lange Trainingsblöcke an einem Ort ein und bleiben zwei, drei Wochen dort. Man kann schon im Kleinen anfangen, achtsamer damit umzugehen.

Sie starten in der olympischen Klasse iQFOiL. Was unterscheidet Ihre Disziplin von Foil-Slalom oder Freestyle?

iQFOiL ist eine One-Design-Klasse. Das bedeutet: Wir fahren alle exakt das gleiche Material, egal bei welchen Bedingungen. Wir können bei Starkwind nicht einfach ein kleineres Segel aufziehen, sondern stehen auch bei 35 Knoten mit unserem Acht-Quadratmeter-Rigg auf dem Board. Wir müssen uns also noch viel radikaler an die Natur anpassen. Und weil das Material so groß und fordernd ist, müssen wir auch entsprechend Gewicht und Kraft mitbringen.

Beste Unterhaltung
Theresa Steinlein hat viel Spaß nicht nur am Steuer des Citroën C5 Aircross in der PHEV-Version, sondern auch bei der Lektüre der jüngsten Ausgabe unseres EDISON-Magazins.
Beste Unterhaltung
Theresa Steinlein hat viel Spaß nicht nur am Steuer des Citroën C5 Aircross in der PHEV-Version, sondern auch bei der Lektüre der jüngsten Ausgabe unseres EDISON-Magazins.

Bei 1,63 Meter Körpergröße wirken Sie aber eher schmächtig. Ist das physisch nicht ein permanenter Kraftakt?

Als schmächtig würde ich mich jetzt nicht bezeichnen! (lacht) Aber klar: Ich bin 1,63 Meter groß und wiege mittlerweile um die 64 Kilo. Damit gehöre ich im Feld immer noch zu den Kleinsten und Leichtesten. Ich habe in den letzten vier Jahren rund 14 Kilo zugelegt – hoffentlich fast alles Muskeln! Man muss eigentlich ununterbrochen essen, denn je schwerer du bist, desto mehr Hebel hast du und desto schneller bist du am Ende.

Wie genau funktioniert eigentlich dieses „Fliegen“ über das Wasser? Wie bringt man das Brett dazu, sich aus den Wellen zu heben?

Man kann sich das Foil wie ein kleines Flugzeug unter Wasser vorstellen. Es gibt einen Front- und einen Backflügel. Um abzuheben, nutzen wir das sogenannte Pumpen: Wir reißen dynamisch und schnell am Segel. Je weniger Wind da ist, desto mehr müssen wir pumpen – das ist extrem anstrengend, bringt aber die nötige Anfangsgeschwindigkeit. Der Wind greift ins Segel, wir leiten den Druck über den Körper direkt ins Foil, und durch die Tragflächen entsteht unter Wasser Auftrieb. Der vordere Flügel zieht nach oben, das Board hebt ab, und plötzlich löst man sich komplett vom Wasserwiderstand und fliegt.

Völlig losgelöst – so wie der Songheld Major Tom im Raumschiff?

Nicht ganz. Aber auf jeden Fall steckt unglaublich viel Hightech und Innovation darin. Bis zu den Spielen in Tokio 2021 wurde ja noch klassisch auf Finne gesurft. Erst mit dem Wechsel aufs Foil ist eine völlig neue Sportart entstanden. Plötzlich fliegen wir! Das zieht die Blicke an, sorgt für Aufmerksamkeit und bringt den Sport voran, weil es spektakulär aussieht.

Großraumtransporter
Bis zu 1985 Liter fasst der Kofferraum des Citroën C5 Aircross, wenn die Rücksitzbank umgelegt und er bis zum Dach beladen wird. Damit passt nicht nur das Reisegepäck der Leistungssportlerin rein, sondern auch ihr Surfbrett samt Ausrüstung.

Innovation und technischer Fortschritt bringen uns zur Mobilität: Wie viel Berührung hatten Sie bisher privat mit reinen Elektroautos?

Theresa Steinlein: Ehrlich gesagt: noch gar keine! (lacht) Am Wochenende bin ich immerhin schon mal ein Plug-in-Modell gefahren. Für uns ist ein reines E-Auto im Moment praktisch noch eine echte Herausforderung: Ich sitze manchmal 25 Stunden am Stück im Auto, um von einem Trainingsrevier zum nächsten zu kommen. Wenn ich einen ganz normalen Arbeitsweg von 30 Kilometern am Tag hätte, würde ich sofort umsteigen. Aber mit unserem Equipment quer durch Europa ist das Ladenetz auf solchen Marathonstrecken derzeit noch nicht ganz einfach.

Nach Sardinien sind Sie also auch nicht geflogen?

Theresa Steinlein: Nein, tatsächlich mit dem Auto und der Fähre. Mein ganzes Equipment muss ja mit. Im Flugzeug nehmen viele Airlines so riesiges Sportgepäck gar nicht erst mit.

Über die Partnerschaft mit „Team Deutschland“ für Los Angeles 2028 sind Sie jetzt mit Citroën verbunden. Welches Modell begleitet Sie künftig?

Theresa Steinlein: Es wird der C5 Aircross als Plug-in-Hybrid. Den habe ich mir am Wochenende zum ersten Mal genau angeschaut – ein riesiges Auto, da passt mein ganzes Material perfekt rein.

Zum Abschluss: Wenn Sie einem Menschen, der sein ganzes Leben in Büros und Innenstädten verbringt, eine einzige Erkenntnis über das Wesen von Wind und Wellen mitgeben könnten – welche wäre das?

Dass die Natur schlicht unkontrollierbar ist. Sie ist eine der ganz wenigen Konstanten, die wir Menschen uns nicht einfach unterwerfen oder nach Belieben steuern können. Mein Leitsatz lautet schon lange: „Just focus on the things you can really control.“ Auf dem Wasser lernt man, die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen, und Demut zu bewahren. Wenn du bei Fünf-Meter-Wellen draußen bist, rast das Adrenalin durch den Körper und für einen kurzen Moment steht die Welt einfach still. In unserer durchdigitalisierten Zeit erdet einen die Natur sofort. Jeder von uns trägt Verantwortung für diese Umwelt – und jeder sollte im Rahmen seiner Lebenssituation versuchen, seinen Beitrag zu leisten.

Ein wunderbares Schlusswort, Theresa. Ganz herzlichen Dank für das Gespräch, viel Erfolg beim Training auf Sardinien und alles Gute auf dem Kurs nach Los Angeles!

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