Es ist eine Premiere: Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Deutschland erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft. Laut Bundesverband der Heizungsindustrie (BDH) gingen 139.500 Wärmepumpen über den „Ladentisch“ – 55 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Gasheizungen kamen nur noch auf einen Absatz 132.500 Stück, satte 41 Prozent weniger als im Vorjahr.
Trotzdem gibt es in der Branche keinen Grund zum Feiern. Denn die Gesamtzahl aller verkauften Heizgeräte – von Wärmepumpen über Biomasse- bis zu Öl- und Gasheizungen – ist dramatisch gesunken: Von über 1,3 Millionen im Jahr 2023 auf nur noch 296.500 im ersten Halbjahr 2025.
Gesetzes-Chaos bremst Hausbesitzer aus
Der Grund: politische Unsicherheit. Nach der hitzigen Debatte um das „Heizungsgesetz“ der Ampel-Regierung hat die neue Regierung unter Kanzler Friedrich Merz angekündigt, die Regeln zu überarbeiten oder sogar abzuschaffen. Wie das neue Modell aussieht, ist noch völlig offen. Auch die künftige Förderung ist unklar – derzeit werden Wärmepumpen zwar noch mit 30 bis 70 Prozent bezuschusst. Doch niemand weiß, wie lange das so bleibt.

Der Trend weg von mit fossilen Energien betriebenen Heizungen hat sich verfestigt. Wegen der Unsicherheiten über die künftige Gesetzeslage und die künftigen Fördermaßnahmen halten sich viele Immobilienbesitzer bei der Wärmewende aktuell zurück.
Grafik: Bundesverband Wärmepumpe (BWP)
Das verunsichert viele Hausbesitzer, besonders im Altbaubereich. Dabei drängt die Zeit: Rund vier Millionen Heizungen in Deutschland sind älter als 30 Jahre. Um die Klimaziele zu erreichen, müssten laut BDH jedes Jahr über eine Million Anlagen modernisiert werden.
Pumpen-Hersteller zwischen Hoffen und Bangen
Stiebel Eltron feiert die Wärmepumpe bereits als „Erfolgsstory“ und verweist auf steigende CO₂-Preise, wachsende Netzentgelte fürs Gas und volatile Weltmärkte, die fossile Heizungen unattraktiv machen. Bosch setzt ebenfalls stark auf das Geschäft – der Konzern übernahm jüngst für Milliarden das Heizungs- und Klimatechnikgeschäft von Johnson Controls und Hitachi.
Die Branche rechnet 2026 mit bis zu 450.000 verkauften Wärmepumpen, bleibt damit aber unter dem ursprünglichen Ziel von 500.000 Anlagen pro Jahr.
Hohe Strompreise bremsen die Verbreitung
Auch in vielen Nachbarländern legt die Wärmepumpe kräftig zu – und das oft deutlich schneller als in Deutschland. Gründe sind stabile und langfristig zugesicherte Förderprogramme, weniger politische Diskussionen und vor allem: niedrigere Strompreise. Während deutsche Haushalte 2025 im Schnitt rund 33 Cent pro Kilowattstunde zahlen, liegen die Preise in Frankreich bei etwa 22 Cent, in Schweden sogar nur bei 19 Cent. In Frankreich, den Niederlanden oder Skandinavien macht sich die Wärmepumpe im laufenden Betrieb deshalb oft schon nach wenigen Jahren bezahlt. Länder wie Norwegen, Schweden oder Finnland profitieren zudem von einem sehr hohen Anteil erneuerbarer Energien im Strommix – was die CO₂-Bilanz der Geräte zusätzlich verbessert.

Der Stromverbrauch für Wärmepumpen liegt bei 27 bis 42 Kilowattstunde pro Quadratmeter Wohnfläche. Im Jahr kommen da bei einem Einfamilienhaus zwischen 3000 und 6000 kWh zusammen. Eine Solar-Anlage deckt den Bedarf zumindest teilweise ab.
Foto: https://depositphotos.com/de/
Technologisch gelten Wärmepumpen aus Deutschland – etwa von Stiebel Eltron oder Bosch – als führend bei Effizienz, Langlebigkeit und leisem Betrieb. Sie erreichen oft bessere Jahresarbeitszahlen und sind für unterschiedliche Gebäudetypen optimiert. Allerdings haben Hersteller aus Fernost, insbesondere aus China und Südkorea, in den vergangenen Jahren stark aufgeholt.
Ausländische Anbieter gewinnen Marktanteile
Laut Marktanalysten halten asiatische Anbieter inzwischen rund 15 Prozent Marktanteil in Europa – Tendenz steigend. Sie punkten mit günstigeren Preisen und einer schnellen Modellvielfalt, was sie vor allem in preissensiblen Märkten attraktiv macht. In puncto Effizienz liegen die besten asiatischen Modelle mittlerweile nah an der Spitze, doch bei Lebensdauer, Service-Netz und Anpassung an deutsche Altbaubedingungen haben heimische Anbieter meist noch die Nase vorn.
Unser Fazit: Die Wärmepumpe ist auf dem Vormarsch – aber der politische Nebel muss sich lichten. Sonst droht der Wärmewende ein Kälteeinbruch, bevor sie richtig in Fahrt kommt.