Über 140 Automarken kämpfen auf dem chinesischen Automarkt aktuell um Marktanteile. Audi, BMW, Mini, Mercedes, Porsche und auch Volkswagen werden dabei an den Rand gedrängt – und gehen auf der „Auto China“ in Peking, der größten und aktuell wichtigsten Automesse weltweit, beinahe unter.
Dabei ist es nicht so, als hätten sie auf ihrem wichtigsten Auslandsmarkt keine Neuheiten zu bieten. BMW zieht auf der Messe nicht allein das Tuch von seiner überarbeiteten Siebener-Baureihe, dessen Design nicht allein an der Front zeigt, welcher Kunde hier den größten Einfluss hat: China. Unverändert offeriert BMW unter der geschärften Außenhaut eine Vielzahl von Antrieben – vom Diesel bis zum vollelektrischen i7.

BMW-Chef Oliver Zipse mit den neuen Aushängeschildern für die Kunden in China – eine Nummer größer als in Europa. Foto: BMW
Das sieht beim i3 und iX3 ganz anders aus. Die beiden Fahrzeuge der sogenannten Neuen Klasse sind auch in China nur mit Elektroantrieb zu bekommen. Landespezifisch allerdings auch mit verlängerten Radstände – für mehr Sitzkomfort im Fond. Mit Reichweiten von über 900 Kilometern und einer gefälligeren Optik scheinen die beiden Stromer beim Publikum gut anzukommen. Der Stand ist jedenfalls gut besucht.
China wird für Mercedes zur „Innovationsquelle“
Reges Treiben herrscht auch am Mercedes-Messestand. Das Interesse richtet sich hier weniger auf die überarbeitete S-Klasse als vielmehr auf den vollelektrischen GLC – den direkten Wettbewerber des BMW iX3. Das Modell ist ebenfalls mit langem Radstand erhältlich. Auf Wunsch lässt sich der verlängerte Elektro-GLC GLC in der zweiten Reihe sogar mit zwei luxuriösen Einzelsitzen ausstatten. Oder man entscheidet sich gleich für den Sechssitzer – inklusiv Luftfederung und Hinterachslenkung.

Mit der überarbeiteten S-Klasse und der Langversion des GLC wollen Mercedes-Chef Ola Källenius und sein Team in China punkten. Foto: Mercedes-Benz
Wenn es etwas bodenständiger sein soll, ist der neue CLA 260L die rechte Wahl, um gegen immer stärker werdenden China-Marken zu bestehen. „Die Auto China ist für Mercedes‑Benz die ideale Bühne, um unser strategisches Bekenntnis zu China mit Produktsubstanz zu untermauern“, sagt Mercedes-CEO Ola Källenius. „Künftig werden wir unsere Lokalisierung weiter vertiefen – indem wir dort mehr Fahrzeuge entwickeln und produzieren und China zunehmend als Innovationsquelle für Mercedes‑Benz weltweit nutzen.“
Skoda kehrt China den Rücken
Porsche lässt es mit der Coupé-Version seines elektrischen Cayenne betont sportlich angehen, während Volkswagen die breiten Massen ansprechen will, um gegen BYD, Geely, Great Wall, Leapmotor oder MG zu bestehen. Wichtiger denn je soll dabei die bereits 2019 ausgegliederte Submarke Jetta werden. Bei uns noch als müde Stufenheck-Version des Golf bekannt, soll Jetta in China deutlich stärker als bisher den Einstieg in die Marke bilden und verhindern, dass die Preise der Kernmarke VW durch den gigantischen Konkurrenzdruck noch weiter absacken.
Die neuen Elektromodelle der Jetta-Submarke sollen bei umgerechnet kaum mehr als 10.000 Euro beginnen. Dieser Schritt ist notwendig, da sich Skoda aus dem Reich der Mitte zurückzieht. Der Namenswechsel soll an glorreiche Zeiten anknüpfen, als der VW Jetta in China ein begehrenswertes Auto war. Die Frage ist, ob das reicht.

Der über fünf Meter lange Elektro-SUV für den chinesischen Markt wurde in der neuen Designsprache „Modern Robust“ gestaltet. 2027 soll das Fahrzeug auf den Markt kommen – zu einem Preis von umgerechnet unter 15.000 Euro. Foto: Volkswagen
Auf der Beijing Auto Show 2026 zeigt VW den Jetta X, eine vollelektrisches SUV-Studie für das sogenannte „Smart Entry Segment“. Es ist der Versuch, ein bezahlbares aber modernes, digitales Einstiegs-Elektroauto mit SUV-Optik zu bauen und 2027 zu einem Preis von umgerechnet 15.000 Euro exklusiv Kunden in China anzubieten. Der Plan steht: Bis 2028 sollen unter Jetta vier New-Energy-Modelle starten. Darunter auch Plug-in-Hybride und Varianten mit Range-Extender.
Jetta für preissensible Kunden
Die Idee hinter dieser Marke ist klar und entspricht der Idee des neuen Föderalismus, die die Wolfsburger Top-Manager verfolgen. VW gewährt der China-Marke mehr Freiheiten als bisher und setzt auf lokale Stärken, wie eine schnellere Entwicklung, Assistenzsysteme, intelligentes Cockpit und KI-Funktionen sollen stärker auf chinesische Kunden zugeschnitten sein. Gerade in den preissensiblen Klassen sind chinesische Hersteller extrem stark, schnell und preisaggressiv. Jetta muss also mehr sein als ein billiger VW-Ableger. Die Marke braucht eigenständiges Design, gute Software, starke Preise und kurze Modellzyklen.

Volkswagen hat den wichtigen chinesischen Automarkt noch nicht aufgegeben. Auf der Automesse in Peking präsentiert der Konzern eine Vielzahl neuer Modelle „aus China für China“. Und in den kommenden Jahren sollen noch mehr davon kommen. Foto: Volkswagen
Deutlich darüber präsentiert sich Audi, die sich bei einigen Modellen in China sogar von den eigenen vier Ringen verabschiedet haben. Diese Strategie, die mit dem Audi E5 Sportback zum ersten Mal umgesetzt wurde, erwies sich als Strohfeuer. Nach anfänglich starkem Interesse brachen die Verkäufe des Hoffnungsträgers im Reich der Mitte stark ein. Die Ingolstädter Dependance im Reich der Mitte sah sich gezwungen, den Preis für das Auto um rund 3.700 auf umgerechnet etwa 25.400 Euro zu senken.
Audi E7x aus chinesischer Produktion soll es richten
Ob dieser Rabatt die schwachen Verkäufe ankurbelt, ist zweifelhaft. Ein SUV – wahlweise mit 300 oder 500 kW Leistung – soll es jetzt richten. Dieser feiert in Peking als Audi E7x seine Premiere, der erste Crossover der chinesischen Schwestermarke aus lokaler Entwicklung und Produktion. Das bieten auch Audi A6L und Audi A6 L e-tron – Dank 13 Zentimetern mehr Radstand Dank 107-kWh-Batterie auch mit einer Reichweite von 815 Kilometer.

Der Relaunch von Audi in China war bislang nicht so erfolgreich wie erhofft. Neuer Hoffnungsträger ist der über fünf Meter lange E7X – der erste Premium-SUV der chinesischen Schwestermarke aus heimischer Produktion. Foto: Audi
„Audi ist im Aufbruch. Das zeigt sich besonders im so wichtigen chinesischen Markt“, versuchte Audi-Chef Gernot Döllner bei der Präsentation des Hoffnungsträgers auf der Beijing Motorshow Optimismus zu versprühen. Allein der Begriff Aufbruch zeigt, wie sehr sich die Rolle des Ingolstädter Autobauers im größten Automobilmarkt der Welt auch gemeinsam mit den Kooperationspartnern FAW und SAIC verändert hat. Aus dem stolzen Platzhirsch ist ein Herausforderer geworden, der um Marktanteile kämpft.
Smart mit Zwilling des Mercedes CLA
Die Frage bleibt, wie ein E-Crossover den verblasten Ruhm wieder zu neuem Glanz verhelfen kann. Technisch sind die Konkurrenten aus dem Reich der Mitte mindestens genauso gut aufgestellt, bei den Fahrassistenzsysteme und dem Infotainment angeht, haben sie zumeist einen Vorsprung. Audi muss also anders punkten: Nur wo?

Mit dem 4,90 Meter langen #6 stößt die Marke größentechnisch in neue Dimensionen vor. Die Limousine soll allein Kunden in China vorbehalten bleiben – ein Export des bei Geely gefertigten PHEVs nach Europa sei nicht geplant, versichern die Markenverantwortlichen.
Foto: Smart
Smart kehrt mit dem 2,79 Meter langen #2 zurück zu seinen bestens bekannten Doppelsitzer-Genen der Hayek-Zeiten. Die seriennahe Konzeptstudie kündigt die Serienversion der Neuauflage des Smart Fortwo an, der vor kurzem eingestellt wurde. Reichweite des Serienmodells, der im Herbst seine Premiere feiert: rund 300 Kilometer.
Doch Smart, eine Kooperation aus Mercedes und Geely, zeigt in China nicht allein sein neues Einstiegsmodell, sondern mit dem #6 auch eine betont sportlich positionierte Limousine. Das Zwillingsmodell des Mercedes CLA wurde vom Mercedes-Designteam erschaffen. Als Antrieb dient ein 1,5-Liter-Turbobenziner, der mit einem Elektromotor sowie einem 42 kWh fassenden Akku für eine Gesamtreichweite von über 1800 Kilometern nach der chinesischen Verbrauchsnorm gekoppelt ist. Eine vollelektrische Version soll es angeblich ebenso wenig geben wie Pläne für einen Export des Smart #6 nach Europa.
(Mitarbeit: Stefan Grundhoff)