Was gab es auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, der wichtigsten Tech-Messe des Jahres, nicht schon für spektakuläre Auftritte der deutschen Autogranden? Audi holte unter großem Applaus vor mehr als zehn Jahren die Schauspieler der Serie Big Bang Theory auf die CES-Autobühne. Ola Källenius tanzte mit visionären Avataren. Und Oliver Zipse sorgte zusammen mit Arnold Schwarzenegger in Buddy-Manier für einen der unterhaltsamsten Auftritte der jüngeren CES-Geschichte – unter freudiger Mithilfe von David Hasselhoff und einem Herbie-Käfer.

Beinahe eine komplette Industrie von Volkswagen und BMW über Audi, Stellantis und Ford bis zu General Motors und Mercedes glänzte nicht nur auf den Bühnen. Die Hersteller brachten die Consumer Electronics Show aus der grauen Nerd-Ecke in die Köpfe von realen Autokunden. Die zentrale Aussage, die die europäischen Marken nur allzu gerne spielten, lautete: Wir sind viel mehr als ein Autohersteller. Wir sind ein Tech-Konzern, der nebenbei Autos produziert.

Doch die Zeiten der großen deutschen Shows im gleißenden Licht von Spielerhotels wie Aria, Mandalay Bay und Wynn scheint nun vorbei. Wenn am 6. Januar in Las Vegas von Siemens-Chef Roland Busch die CES des Jahres 2026 offiziell eröffnet wird, glänzt nicht nur Volkswagen durch Abwesenheit. Die europäischen Autohersteller haben sich von der weltweit wichtigsten Tech-Messe weitgehend zurückgezogen. Die einst so wichtige Leistungsschau wurde bei dem meisten Marken gestrichen oder auf ein Minimum zurückgestuft.

BMW iX3 als Platzhalter

Lediglich BMW ist mit seinem neuen Aushängeschild iX3 auf dem bekannten Platz auf dem Außengelände verblieben; jedoch eher, um das Terrain nicht an andere branchenfremde Konzerne preiszugeben. Audi, einst der erste große deutsche Star auf der CES, hat die Electronic Show als reine Fachmesse ebenso aufgegeben wie Volvo, Peugeot, Togg, Ford, General Motors oder Honda. Auch die großen Zulieferer verzichten diesmal auf eigene Stände oder haben wie ZF und Bosch das Messe-Engagement auf ein Minimum herunterfahren.

Voll unter Strom
Die Hyundai Motor Group stellt auf der CES 2026 statt neuer E-Autos ihre KI-Robotik-Strategie unter dem Motto „Partnering Human Progress” vor. Besucher werden dabei den Atlas-Roboter des Tochterunternehmens Boston Dynamics kennenlernen. Foto: Hyundai
Voll unter Strom
Die Hyundai Motor Group stellt auf der CES 2026 statt neuer E-Autos ihre KI-Robotik-Strategie unter dem Motto „Partnering Human Progress” vor. Besucher werden dabei den Atlas-Roboter des Tochterunternehmens Boston Dynamics kennenlernen. Foto: Hyundai

Selbst Mercedes zeigt seine überarbeitete S-Klasse nicht auf oder zumindest am Rande der CES in Las Vegas, sondern enthüllt diese erst Ende des Monats bei einem kleinen Event im eigenen Museum in Stuttgart. So ändern sich in Zeiten knapper Kassen die Prioritäten. Das gilt auch für Stellantis mit seinen zahlreichen Marken, die insbesondere in den USA stark verwurzelt sind. Statt einer großen Show von Chrysler, Dodge, Ram oder Jeep gibt es nur das kleine Messebesteck – auf der Brüssels Motor Show (9.-18. Januar) – eine drittklassige Automesse mit regionaler Bedeutung.

Hyundai setzt auf Roboter

Zugegeben – es sind nicht nur europäische und speziell die deutschen Autohersteller, die Las Vegas den Rücken gekehrt haben. Messestars und -sternchen wie Byton, Vinfast oder Faraday Future, die auf der Tech-Messe einst mit großen Shows aufspielten, spielen keine Rolle oder sind ganz von der Bildfläche verschwunden. Geely, chinesischer Großkonzern, zeigt in Las Vegas hingegen neue Displaytechnik und Fahrerassistenzsysteme. Einer der wenigen, der der CES die Stange hält, ist der Hyundai-Konzern. Auch hier aber mit weniger Inhalt und Aufwand als in den Jahren zuvor. Doch zeigen die Südkoreaner, dass ein Rückzug nur schwer auszugleichen ist und man daher besser im Boot bleiben sollte – auch wenn KI-Robotertechnologie den automobilen Bereich nur streift.

Es war einmal 
2023 gab Mercedes-Benz in der Spielerstadt Las Vegas einen Vorgeschmack auf den neuen vollelektrischen CLA. Foto: Mercedes-Benz
Es war einmal
2023 gab Mercedes-Benz in der Spielerstadt Las Vegas einen Vorgeschmack auf den neuen vollelektrischen CLA. Foto: Mercedes-Benz

Wo einst die Autoindustrie lichtstark aufspielte, sind jene Branchen vertreten, die diese seit Mitte der 1990er Jahren stark gemacht haben. Diesmal werden die Key-Note-Shows von Marken wie AMD, Siemens, Caterpillar oder McKinsey bespielt. So heißt es statt Rupert Stadler, Herbert Diess, Carlos Tavares, Oliver Zipse oder Mary Barra ab heute Yannick Bollore (Vivendi), Roland Busch (Siemens), Joe Creed (Caterpillar) und Yuanqing Yang (Lenovo). 

Hohe Kosten schrecken

Bleibt die Frage, ob die Autoindustrie zur CES zurückkehrt oder die Plattform komplett uninteressant geworden ist. Letzeres würde schon deshalb überraschen, weil die Consumer Electronics Show zwar eine reine Fachbesuchermesse ist, jedoch die einzig verbliebene Automobilplattform in den USA. Die New York Auto-Show oder die einst wegweisende Detroit Auto Show (14.-25. Januar) haben nur noch eine regionale Bedeutung. Die größte Hürde für eine Rückkehr nach Vegas dürften die Kosten sein. Für einen imposanten Messeauftritt mit öffentlichkeitswirksamer Keynote-Speech sind schnell bis zu zehn Millionen US-Dollar fällig: Gary Shapiro, der Vorstandschef der Consumer Technology Association (CTA), weiß die Messe und die Spielerstadt Las Vegas bestens zu verkaufen.

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