Die Uhr zeigt 1:41 Uhr Ortszeit in Nardo. Die beiden Mercedes-AMG GT XX Concept legen die letzten Meter auf dem legendären, 12,68 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsoval zurück. Jubel bricht aus. Der unvermeidliche Queen-Hit „We Are the Champions” beschallt den nächtlichen Asphalt. Mercedes fühlt sich wieder ganz oben. Da, wo man nach eigenem Verständnis hingehört.

„Wir sind zurück im Spiel … mehr als das!“, triumphiert Mercedes-Technikchef Markus Schäfer und setzt damit eine klare Spitze gegen die chinesische Konkurrenz. Das zeigt, wie tief der Stachel sitzt. Vor ein paar Jahren wurde die chinesische Konkurrenz in Stuttgart-Untertürkheim noch belächelt. „Ist ja alles ganz nett“, hieß es oft. Doch dann legten die Autobauer der Mitte noch mehrere Schippen drauf. Die Luft wurde dünn für die Schwaben. Jetzt hat das Sternen-Imperium zurückgeschlagen.

Zurück im Spiel
Mercedes-Technikvorstand Markus Schäfer sonnt sich im Erfolg der Rekordfahrt auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Nardo.

„Phileas Fogg hat die Welt in 80 Tagen umrundet, wir haben es in acht geschafft“, strahlt AMG-Chef Michael Schiebe. Die Blanz des Langstreckentests des Elektro-Boliden liest sich wirklich beeindruckend: Für 40.075 Kilometer, also genau den Erdumfang am Äquator, brauchten die beiden jeweils Sternen-Stromer 7 Tage, 13 Stunden, 24 Minuten und 07 Sekunden. Das entspricht 3.177 Nardo-Runden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp unter 300 km/h. Die Rundenzeiten lagen zwischen 2:30 und 3:00 Minuten.

Strom laden mit 850 kW

Diese Dauerleistung mit einem mehr als 1.000 kW oder 1.360 PS starken Elektroauto ist beeindruckend. Eine effiziente Kühlung ist da entscheidend: „Das Kühlsystem bringt über 40 Liter in der Minute in das System“, erklärt Michael Schiebe ein entscheidendes Detail der Ölkühlung. Der andere Aspekt ist die hohe Ladeleistung, von 500 kW, die bei den Boxenstopps anlag. „Ohne die wäre der Rekord nicht möglich gewesen“, sagt Markus Schäfer. Auch wenn das Serienmodell diese Werte nicht ganz erreichen wird, wird diese jedoch deutlich über den 320 kW des CLA liegen.

Performance auch an der Ladesäule
Das Konzeptauto Mercedes AMG GT XX legte 5479 Kilometer in gut sieben Tagen zurück. Möglich machte das auch eine hohe Ladeleistung von 500 kW am Highpower-Charger. Fotos: Mercedes-Benz
Performance auch an der Ladesäule
Das Konzeptauto Mercedes AMG GT XX legte 5479 Kilometer in gut sieben Tagen zurück. Möglich machte das auch eine hohe Ladeleistung von bis zu 850 kW am Megawatt-Charger. Fotos: Mercedes-Benz

„Ganz nebenbei haben wir auch noch die 24-Stunden-Marke nicht nur überboten, sondern pulverisiert“, wie Markus Schäfer ergänzt. Vor ein paar Tagen hat ein Xpeng P7 genau 3.961 Kilometer zurückgelegt. Die AMGs schafften 5.479. Das ist eine Ansage. Die ist auch nötig, denn die AMG.EA Plattform ist wegweisend für die Zukunft der Affalterbacher Tuningschmiede und für Mercedes allgemein. Im nächsten Jahr kommt bei AMG ein viertüriges Coupé und später folgt ein SUV.

Elektrischer V8 für die neue Ära

„Das ist nur der Auftakt einer großen Mercedes-Produkt-Offensive. Das Chassis und die Motoren sind schon ziemlich nah an der Serie“, sagt Schäfer, dessen Aufgabe es ist, einen elektrischen V8 zu kreieren. Also das AMG-Feeling in die neue, elektrische Welt zu transportieren. Da geht es nicht nur um den Motor mit Sound und einem simulierten Getriebe, sondern auch um die Agilität. Wie es um die bestellt ist, wird sich zeigen.

Mercedes-Mitarbeiter in Feierlaune
 In den vergangenen Monaten hatten elektrische Hyper-Cars aus China den Schwaben immer wieder die Show mit Rekordfahrten gestohlen. Mit der Rekordfahrt in Nardo ist die alte Ordnung nun zumindest für eine Weile wieder hergestellt.
Mercedes-Mitarbeiter in Feierlaune
In den vergangenen Monaten hatten elektrische Hyper-Cars aus China den Schwaben immer wieder die Show mit Rekordfahrten gestohlen. Mit der Rekordfahrt in Nardo ist die alte Ordnung nun zumindest für eine Weile wieder hergestellt.

Der Dauertest wurde generalstabmäßig geplant: 16 Profi-Rennfahrer teilten sich die beiden Autos und fuhren jeweils knapp zwei Stunden pro Einsatz. Mit George Russell gesellte sich zudem ein Formel-1-Fahrer hinzu, der knapp 90 Minuten lang das Lenkrad in die Hand nahm. Eine Mission Control beobachtete die Fahrer während der Runden und steuerte sie. „Notieren Sie sich diesen Tag. Sie sind dabei, wenn automobile Geschichte geschrieben wird“, strahlte Markus Schäfer nach der Rekordfahrt. Wir sind gespannt, wie lange der Rekord hält. In Shanghai und Guangzhou tüfteln sie sicher bereits.

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1 Kommentar

  1. simon

    Technisch ist das große Klasse. Leider passt die Qualität der Materialien beim neuen CLA immer noch nicht. Ich habe das Gefühl die Techniker nehmen die Chinesen ernst und wollen besser sein. Bei Materialien, Displays und Preis rennt man den Chinesen noch sehr nach.

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