Allzu viele Details der neuen Autos geben die Bilder von den Erprobungsfahrten in Lappland und im Schwarzwald noch nicht preis: Sowohl der EQB als auch der EQE sind noch in ihren Tarnkleidern unterwegs. Und auch aus den Aufnahmen, die den EQS in der Batteriefabrik Untertürkheim zeigen, können nur Spezialisten herauslesen, wie das neue Elektro-Flaggschiff von Mercedes aussehen könnte, wenn es im Spätsommer kommenden Jahres in den Handel kommt.

Die Stuttgarter machen es spannend. Aber immerhin rollt die seit langem angekündigte Elektro-Offensive nun tatsächlich an. Bis 2022 will Mercedes sechs neue Elektroautos auf den Markt bringen und damit „die führende Position bei Elektroantrieben und Fahrzeug-Software“ anstreben, wie das Unternehmen jetzt bekannt gab. Mit dem vollelektrischen SUV namens EQC sowie dem EQV, der elektrischen Variante des Mercedes Vito, würde das wohl nicht gelingen: Beide Modelle spielen in der aktuellen Zulassungsstatistik trotz unbestreitbarer Qualitäten nur eine Außenseiterrolle.

Das soll sich schleunigst ändern. Am 20. Januar wird mit dem EQA das erste Elektroauto von Mercedes in der Kompaktklasse seine Weltpremiere haben. An Bord hat die E-Variante der A-Klasse angeblich Akkus mit Speicherkapazitäten zwischen 60 und 110 Kilowattstunden (kWh). Im Angebot sollen zudem Elektromotoren in drei Leistungsstufen zwischen 150 und 250 kW (204 bis 340 PS) sein. Im Werk Raststatt ist kürzlich die Produktion angelaufen – weitere technische Details sollten in Kürze durchsickern.

Getarnter Mercedes EQE auf Erprobungsfahrt
Die Business-Limousine soll Ende kommenden Jahres auf den Markt kommen und mit einer sportlichen Linienführung sowie einem großzügigen Platzangebot punkten. Versprochen werden Reichweiten von rund 600 Kilometer, Allradantrieb und -Lenkung. Foto: Daimler

Wer A sagt, muss bekanntlich auch B sagen. Ergo folgt kurz nach dem EQA auch schon der EQB mit ähnlichen Leistungsdaten, aber einem deutlich größeren Platzangebot als Kompakt SUV, wie die Bilder von der Wintererprobung in Lappland zeigen. Die Karosserie liefert der Mercedes GLB, die zur besseren Unterscheidung aber die EQ-typische Frontmaske bekommt. Produziert wird dieses Modell im ungarischen Kecskemet – und in Kooperation mit Bejing Benz Automotive auch in China.

Als EQ-Modell wird die V-Klasse von Mercedes im nächsten Jahr zum luxuriösen Spaceshuttle für Captain Future. Wir konnten mit dem Stromer jetzt schon mal in Barcelona eine Runde drehen. Elektroauto

Mit dem EQS und EQE, der ebenfalls im Spätherbst im Werk Bremen sowie parallel auch in China anläuft, wird Mercedes zum Jahresende 2021 bereits sechs vollelektrische EQ-Modelle im Angebot haben. Ergänzt wird das Elektro-Portfolio von Mercedes 2022 um SUV-Varianten des EQE und EQS. Da diese Modelle speziell in Nordamerika viele Freunde finden dürften, laufen sie im Süden der USA, im Werk Tuscaloosa/Alabama, vom Band.

Flankiert wird die Erweiterung der Angebots an Elektroautos mit einem Aus- und Aufbau der Produktionskapazitäten für Batterien auf drei Kontinenten. Im sächsischen Kamenz, wo bereits seit 2012 rund eine Million Batteriesysteme für Hybrid- und Elektroautos von Smart und Mercedes montiert werden, werden seit kurzem auch die Akkus für den EQA produziert. Im polnischen Jawor (ehemals Jauer) ist in diesem Jahr eine Batteriefertigung für Hybridautos angelaufen – ab kommendem Jahr wird das Werk auch für EQA, EQB und EQE Stromspeicher fertigen.

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Besuch im Batteriewerk Untertürkheim

Obwohl noch vollgetarnt, zeigt das Foto des Mercedes EQS doch: Hinter der neuen S-Klasse muss sich der Stromer nicht verstecken. Foto: Daimler

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Produktion des Mercedes EQC 400 4Matic in Bremen

Der 4,76 Meter lange Fünfsitzer tut sich seit seinem Start im Sommer 2019 noch etwas schwer auf dem Markt, obwohl er unter den Elektroautos zu den komfortabelsten zählt. Foto: Daimler

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Mercedes EQV

Mit der Einreise-Quarantäne-Verordnung hat der vollelektrische Kleinbus keinerlei Probleme: Mit einer Reichweite von über 400 Kilometern und seinem riesigen Platzangebot kann er jeden Corona-Hotspot locker umfahren. Foto: Daimler

Die Batterien für den EQS werden am Standort Untertürkheim gleich zwei Fabriken fertigen. Im Werksteil Brühl entsteht zudem eine weitere Batteriefabrik, die ab 2022 Speicher für die Plug-in-Hybride mit dem Stern fertigt. Die Bauarbeiten sind inzwischen abgeschlossen – im Januar beginnt der Aufbau der Fertigungsanlagen.

Aber auch im Ausland wird Mercedes seine Kapazitäten erhöhen, in Alabama, in Peking sowie im thailändischen Bangkok. „Das Mercedes EQ-Produktionsnetzwerk ist bereit für die Elektro-Offensive“, erklärte Fertigungsvorstand Jörg Burzer. Bis 2030 würden bereits über 50 Prozent aller Mercedes-Fahrzeuge wenigstens teilweise stromern können. „Unser Zielbild ist jedoch klar auf 100 Prozent Mercedes-EQ ausgelegt.“

Bis wann das erreicht sein wird, ließ der Mercedes-Manager offen.

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2 Kommentare

  1. Avatar

    Beim Lesen kriege langsam einen Vogel! Nur EQ.. irgendwas. Eine so einfältige Namensgebung ist absolut verwirrend für den Nichtbenzler. Abgesehen davon hege ich den Verdacht, dass diese Elektrooffensive auf Akkutechnik basiert, die in dem Moment schon veraltet sein wird, wenn die Festkörperakkus auf den Markt kommen. Das wird nächstes Jahr Toyota veranstalten. Aber das kennen wir ja schon vom Hybrid.

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    • Franz W. Rother

      Dass Toyota schon im nächsten Jahr im neuen E-SUV mit einer Feststoffbatterie kommt, wage ich zu bezweifeln. Toyota selbst spricht von der „ersten Hälfte der 20er-Jahre. Ich schätze, es wird 2023 werden.

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