Tesla wird die Montage des Model S und Model X in Tilburg „sehr kurzfristig“ einstellen, berichten niederländische Medien. Infolgedessen sind bis zu 96 Arbeitsplätze gefährdet, bestätigt eine Quelle innerhalb von Tesla gegenüber NU.nl. Die Belegschaft des Tesla-Standorts, an dem insgesamt 540 Menschen tätig sind, wurde bereits am Donnerstag informiert.

Die kalifornische Elektroauto-Marke baut in der Stadt in Brabant nicht nur Autos zusammen, sondern verfügt auch über eine Lackiererei, ein Teilelager und ein sogenanntes Remanufacturing Center, in dem alte oder gebrauchte Teile auf das Qualitätsniveau von Neuteilen gebracht werden. Zudem gibt es eine 750 Meter lange Indoor-Teststrecke mit 6000 Messpunkten zur Erprobung der Autos vor der Auslieferung an die Kunden. Zur Eröffnung der Montagehalle 2015 war Tesla-Chef Elon Musk angereist. Und auch der damalige Wirtschaftsminister Henk Kamp nutzte den Anlass, um die Investition von Tesla zu würdigen.

Tesla-Standort rechnet sich nicht mehr

Begründet wurde die Schließung der Montagefabrik nun unter anderem mit dem Facelift, das die Modelle S und X. Obwohl sich rein äußerlich an den Autos wenig getan hat, seien die Veränderungen an der Technik und im Innenraum umfangreicher. Die Montage der Elektroautos, wie sie in Tilburg erfolgt, kann deshalb in Tilburg angeblich nicht mehr in industriellem Maßstab zu vertretbaren Kosten erfolgen.

Was nun?
Tesla-Chef Elon Musk bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der Montagefabrik in Tilburg 2015

Allerdings könnte die Schließung auch einen anderen Hintergrund haben. Bislang wurden die für Europa bestimmten Elektroautos des Typs S und X ohne Elektromotor und Batterie verschifft. Erst nach der Anlandung in Rotterdam wurden sie in Tilburg mit den Antriebssträngen zusammengefügt. Auf diese Weise sparte sich Tesla nicht nur die Kfz-Einfuhrsteuer, sondern obendrein auch Transportkosten für ein „potenziell gefährliches Gut“, wie Logistik-Experten berichten: Ohne vormontierte Batterie sei die Verschiffung eines Elektroautos ebenso günstiger als der Übersee-Transport von brandgefährlichen Lithium-Ionen-Akkus in Spezial-Containern.

Mittlerweile ist also der finanzielle Aufwand für die nachträgliche Montage des Antriebsstrangs in Tilburg möglicherweise größer als die Ersparnis bei den Transport- und Einfuhrkosten. So kommt das Model 3 in den Niederlanden bereits vollfunktionierend an.

Tesla ist den Berichten zufolge in Gesprächen mit dem Betriebsrat, um Ersatzarbeitsplätze für die von der Schließung betroffenen Mitarbeitern zu finden. Die Montagehalle und das 43.000 Quadratmeter große Grundstück könnte eine andere Bestimmung erhalten.

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