Im Vorfeld der Betriebsratswahlen in der Giga Factory Grünheide in Brandenburg traf sich Werkleiter André Thierig mit Konzernchef Elon Musk vor laufender Kamera zum Interview, das anschließend über die Musk-eigene Plattform X publiziert wurde. Sie sprachen über die Zukunft des deutschen Werks und die aktuellen Probleme der Autoindustrie weltwelt, aber auch über die Zukunft des vollautonomen Fahrens und das neue Cybercab. Und über den humanoiden Roboter Optimus, der den Menschen in den Fabriken, aber auch daheim bald zur Hand gehen soll. Zugeschaltet wurden auch einige Tesla-Mitarbeiter aus Grünheide, die eigene Fragen stellten. Hier eine Mitschrift.

André Thierig: Elon, deine Zeit ist kostbar und es gibt unglaublich viel zu tun – man denke nur an SpaceX, Starlink, sichere KI für die Zukunft und den Autopiloten. Was genau ist aus deiner Sicht an Tesla nach wie vor so spannend und warum?

Elon Musk: Ich halte Tesla für eines der aufregendsten Unternehmen der Welt. Wenn wir SpaceX und Tesla zusammennehmen, sind das meiner Meinung nach die beiden spannendsten Firmen überhaupt. Wir bauen unsere Produktion kontinuierlich aus und stellen immer mehr Autos her. Ein riesiger Schritt ist die Einführung unseres vollautonomen Fahrens (Full Self-Driving), das auf KI basiert. Tesla verfügt über die fortschrittlichste reale Künstliche Intelligenz. Hoffentlich wird das System bald auch in Europa zugelassen. Mir wurde von den Behörden mitgeteilt, dass die Zulassung in den Niederlanden voraussichtlich am 20. März erfolgen wird – hoffen wir, dass dieses Datum bestehen bleibt. Ich glaube, die Menschen in Europa werden absolut begeistert davon sein, wie gut die KI das Auto steuern kann. Wir gehen davon aus, dass es noch in diesem Jahr technisch möglich sein wird, im Tesla einzuschlafen und am Zielort einfach wieder aufzuwachen.

Tesla-Werkleiter André Thierig und Elon Musk im Interview auf X
"Wenn wir SpaceX und Tesla zusammennehmen, sind das meiner Meinung nach die beiden spannendsten Firmen überhaupt."
Tesla-Werkleiter André Thierig und Elon Musk im Interview auf X
„Wenn wir SpaceX und Tesla zusammennehmen, sind das meiner Meinung nach die beiden spannendsten Firmen überhaupt.“

Gleichzeitig treiben wir das Optimus-Programm voran, unseren humanoiden Roboter. Jeder wird in Zukunft einen Roboter haben wollen, sei es, um auf die Kinder aufzupassen, Senioren zu betreuen oder einfach alltägliche Aufgaben zu übernehmen. Zudem starten wir in Texas mit der Produktion des autonomen Cybercabs. Die Produktion hat bereits begonnen und wird im April sowie gegen Ende des Jahres massiv hochgefahren. Es ist gut möglich, dass wir das Cybercab und Optimus in Zukunft auch in Europa fertigen werden. Zudem wird unser elektrischer Sattelschlepper, der Tesla Semi, voraussichtlich nächstes Jahr nach Europa kommen. Hinzu kommt unsere eigene Batteriezellenproduktion und Lithium-Raffinerie. Die Liste der Projekte ist also sehr lang und spannend.

Wenn wir 10 oder 20 Jahre in die Zukunft blicken: Was sollen die Menschen dann über Tesla sagen?

In 20 Jahren würde ich sagen, hat Tesla hoffentlich Fabriken auf dem Mond! (Lacht) Aber im Ernst: Ich sehe eine sehr vielversprechende Zukunft für Tesla. Genaue Vorhersagen für zwei Jahrzehnte sind extrem schwierig, aber wenn wir auf die nächsten fünf bis zehn Jahre schauen, sieht es hervorragend aus. Wer an seinen Tesla-Aktien festhält, wird sich meiner Meinung nach sehr darüber freuen.

Wenn du dir die europäische Automobilindustrie und deren aktuelle Krise anschaust: Was sind deiner Meinung nach die Hauptgründe für diese Situation?

Es gab in der Industrie schlichtweg nicht genug Innovation. Die Fahrzeuge, die heute produziert werden, unterscheiden sich oft kaum von denen, die vor fünf Jahren gebaut wurden. Die gesamte Industrie muss dringend in Richtung Elektrifizierung gehen. Ein Elektrofahrzeug besitzt eine grundlegend bessere Architektur als ein Verbrenner: Es ist wesentlich simpler, viel effizienter, deutlich leiser und verursacht keine lokalen Emissionen. Langfristig sollte der gesamte bodengebundene Transport elektrisch sein.

Die traditionelle Autoindustrie hat sich jedoch stark gegen diese Elektrifizierung gewehrt und den Wandel hinausgezögert. Sie mussten von den Regierungen förmlich dazu gezwungen werden. Ein nicht-autonomes Fahrzeug mit Verbrennungsmotor zu bauen, ergibt strategisch keinen Sinn mehr. In Zukunft ein solches Auto selbst zu fahren, wird so sein, als würde man heute ein Pferd reiten oder ein Klapphandy benutzen. Wer als Hersteller nicht konsequent auf Elektroantrieb und Autonomie setzt, wird auf der Strecke bleiben. Man kann niemandem gute Ideen aufzwingen, aber am Ende wird sich das bessere, logische Produkt durchsetzen.

Wir haben hier in Grünheide vor fast genau sechs Jahren den ersten Spatenstich gefeiert und vor vier Jahren die Produktion gestartet. Was sind deine Erinnerungen daran?

Zunächst einmal möchte ich mich bei allen bedanken, die beim Aufbau der Giga Berlin geholfen haben! Wir haben hier in extrem kurzer Zeit eine fantastische Fabrik hochgezogen, auf die wir alle sehr stolz sein können. Ich mag die Atmosphäre hier und finde auch die Kunst in der Fabrik großartig. Es sollte Spaß machen, zur Arbeit zu kommen. Man verbringt hier Zeit mit Kollegen, die man schätzt, und stellt gemeinsam etwas Nützliches her. Ich habe größten Respekt vor echten „Machern“ – vor Menschen, die tatsächlich nützliche Produkte erschaffen.

Was steht als Nächstes für die Giga Berlin an? Welches Produkt werden wir hier bauen?

Es gibt viele spannende Möglichkeiten. Wir bauen derzeit die Batteriezellenproduktion weiter aus. Sobald wir in Europa die Genehmigung für das überwachte Full Self-Driving erhalten, werden wir wahrscheinlich auch die Produktion des Model Y hier stark erweitern müssen. Und wie bereits erwähnt: Es ist gut möglich, dass wir zukünftig auch das Cybercab, den Semi und den Optimus-Roboter hier in Europa fertigen. Wir haben hier enorm viel Platz. Wenn wir alle Genehmigungen erhalten, bauen wir das hier zum größten Fabrikkomplex in ganz Europa aus.

Vollelektrische Tesla Semi-Truck
„Es ist gut möglich, dass wir zukünftig auch das Cybercab, den Semi und den Optimus-Roboter hier in Europa fertigen.“

Anschließend wurde das Interview für Fragen aus der Tesla-Belegschaft in Grünheide eröffnet.

Mitarbeiter: Elon, welche ist deine Lieblingsfabrik? Vielleicht die Giga Berlin?

Elon Musk: Zu fragen, welche Fabrik meine liebste ist, ist ein bisschen so, als würde man fragen, wer mein Lieblingskind ist. Ich liebe Fabriken ganz allgemein. Aber ich bin gerne hier, es ist ein toller Ort, die Fabrik sieht von innen und außen toll aus und die Menschen sind glücklich. Giga Berlin ist eine großartige Fabrik.

Wann hältst du es für realistisch, dass wir Optimus in unseren Gigafactories einsetzen können, um den Mitarbeitern körperlich belastbare Aufgaben abzunehmen?

Langfristig wird Arbeit dank Robotik optional sein. Keiner wird mehr Dinge tun müssen, die er nicht tun möchte. Harte oder gefährliche körperliche Arbeit wird für Menschen nicht mehr nötig sein, das können Maschinen übernehmen. Für uns bedeutet das aktuell, dass wir zunächst überhaupt einen nützlichen Roboter entwickeln und die Massenproduktion von Grund auf meistern müssen.

Roboter Optimus als Kellner
"Keiner wird mehr Dinge tun müssen, die er nicht tun möchte. Körperliche Arbeit wird für Menschen nicht mehr nötig sein, das können Maschinen übernehmen."
Roboter Optimus als Kellner
„Keiner wird mehr Dinge tun müssen, die er nicht tun möchte. Körperliche Arbeit wird für Menschen nicht mehr nötig sein, das können Maschinen übernehmen.“

Wie können wir sicherstellen, dass neue Technologien wie Optimus auch Entwicklungsländer erreichen?

Zuerst müssen wir Optimus so weiterentwickeln, dass er wirklich zu 100 Prozent nützlich ist. Danach geht es um die extreme Skalierung der Produktion und den Aufbau einer komplett neuen Lieferkette. Alles an diesem Roboter – Motoren, Getriebe, Sensoren – muss speziell dafür entwickelt werden. Sobald wir das schaffen und die Produktionskosten massiv senken, wird Optimus überall verfügbar sein. Langfristig könnte Optimus in diesen Ländern sogar komplexere medizinische Aufgaben übernehmen und so Menschen weltweit eine viel bessere Versorgung bieten.

Welchen Rat würdest du jungen Menschen für ihr Leben mitgeben?

Seid optimistisch! Es ist viel besser, optimistisch zu sein und sich ab und zu zu irren, als pessimistisch zu sein und recht zu behalten. Optimismus bringt einfach eine viel höhere Lebensqualität. Freut euch auf die Zukunft! Mein Rat ist: Lernt so viel wie möglich, lest Bücher, probiert neue Dinge aus. Genießt das Leben und erschafft Dinge. Wer etwas Nützliches baut, zieht daraus eine immense innere Zufriedenheit.

Was war der inspirierendste Moment in deinem Leben?

Privat war das definitiv die Geburt meiner Kinder. Beruflich gab es mehrere große Momente: Als wir den ersten Roadster gebaut haben und ich ihn tatsächlich legal auf der Straße fahren durfte. Bei SpaceX war es das erste Mal, dass wir den Orbit erreicht haben – dafür brauchten wir vier Anläufe. Und natürlich das erste Mal, als wir eine Rakete nach dem Start erfolgreich wieder gelandet haben. Beim autonomen Fahren war es der Moment, als mein Auto mich zum allerersten Mal komplett autonom von zu Hause zur Arbeit gefahren hat, ohne dass ich eingreifen musste. Das fühlte sich an wie Magie.

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