Die ersten Vorserien-Exemplare des neuen Audi e-tron GT sind in der Umgebung von Neckarsulm bereits im Tarnkleid gesichtet worden. „Ende des Jahres“ soll am Standort Böllinger Höfe, dort, wo heute nur der Supersportwagen RS8 vom Band läuft, die Serienproduktion des „Gran Turismo-Stromers anlaufen. Über den exakten „Start of production“ (SOP) schweigen sich die Verantwortlichen bei Audi zwar ebenso noch aus wie über die technischen Daten des Viertürers oder den Verkaufspreis. Aber wissen wir seit einem Pressetermin auf dem Gelände des Audi Trainings-Centers am Flughafen München, wie das Schwestermodell des Porsche Taycan klingt: Nicht wie „eine Hummel im Weltall“ (so kritisierten Kollegen den Sound im Taycan), auch nicht wie der Race-Pod von Anakin Skywalker in „Star Wars“, sondern eher wie eine Mischung aus Düsenjet und Staubsauger. Je nach eingestellter Fahrstufe mehr oder weniger dynamisch. auf jeden Fall futuristisch.

Während andere Autohersteller für den Soundtrack der Elektromobilität Komponisten wie Hans Zimmer bemühen, sich von Rockbands wie Linkin Park beraten lassen oder Musik-Produzenten wie Leslie Mandoki hinzuziehen, setzte Audi auf eigene Kräfte: Rudolf Halbmeir und Stephan Gsell haben in monatelanger Arbeit im Soundlabor und am Computer einen Geräuschkulisse entwickelt, die einerseits den dynamischen Charakter des Fahrzeugs unterstreichen soll, aber auf Dauer auch nicht nervt – und schon gar nicht einen Verbrennungsmotor imitiert. Nicht nur bei Schrittgeschwindigkeit und für die Passanten auf der Straße im Programm Efficiency, sondern – in der Einstellung Comfort oder Sport – auch noch bei Tempo 220 auf der Autobahn und für die Insassen des Fahrzeugs.

Alles mögliche haben die beiden Elektrotechniker ausprobiert. Inspirieren ließen sie sich von elektrischen Drohnen, den entscheidenden Impuls lieferte schließlich ein Stahlrohr und der Versuch, durch Schläge mit der Handfläche auf die Öffnung Töne zu erzeugen – nach einem ähnlichen Verfahren dürften vor Jahrhunderten die australischen Ureinwohner das Spiel auf dem Didgeridoo erlernt haben.

Schwingende Luftsäule
Rudolf Halbmeir und Stephan Gsell (r.) haben den Sound des neuen Audi e-tron GT kreiert, der Anfang kommenden Jahres auf den Markt kommt. Foto: Audi

Die Audi-Techniker brachten die Luftsäule im Innern des Rohr mit einem Ventilator zum Schwingen und entwickelten auf der Basis immerhin 32 verschiedene Tonmuster für die Modulierung der Fahrgeräusche in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Situationen. Über zwei Steuergeräte im Gepäckraum, zwei Außen- und zwei Innenlautsprecher werden sie im Serienfahrzeug dem Fahrer, aber auch der Außenwelt als „e-tron GT-Sound“ zu Gehör gebracht werden. Serienmäßig in einer technisch reduzierten, gegen Aufpreis in einer opulenteren Form. Auch für eine besonders sportliche Version des e-tron GT – wahrscheinliche Bezeichnung RS – hat Audi bereits Klangmodule im Köcher. Am Startgeräusch wird hingegen noch gearbeitet: Das Lösen der elektrischen Handbremse übertönt beim Vorserienauto derzeit noch alles.

Irre Beschleunigung

Hören und auch Sehen wird den Insassen jedoch vergehen, wenn sie zum ersten Mal den e-tron GT bei voller Beschleunigung erleben. Wie der Porsche Taycan verfügt auch der Audi über eine irre Beschleunigung, die dem Ritt auf einer Kanonenkugel gleicht. Zusammen mit Stephan Gsell durfte es der Autor im kunstvoll getarnten Vorserienmodell live erleben: Der eigene Herzschlag war dabei deutlich in den Ohren zu vernehmen.

An die Beschleunigungswerte des Porsche Taycan Turbo, so der Eindruck des Blitz-Tests, dürfte der Audi e-tron GT locker herankommen. Kein Wunder: Die Antrieb-Plattform ist identisch, lediglich der Aufbau und die Abstimmung differenzieren die Modelle. Das von Designer Marco dos Santos kunstvoll gestaltete Tarnkleid des Testautos in mattschwarz und grellorange verdeckte zwar noch viele Details. Doch es ließ bereits erahnen: Der e-tron GT wird das sportivste Elektroautos im Portfolio, nicht nur bei Audi: Selbst ein Tesla Model S in Plaid-Ausführung ist dagegen ein echter Langweiler.

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