Steigende Spritpreise führen zu mehr elektrisch gefahrenen Kilometern bei Hybridfahrzeugen. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Universität Mannheim. Demnach legen Fahrer von Hybridfahrzeugen bei höheren Spritpreisen zwar dieselbe Anzahl an Kilometern zurück wie zuvor, nutzen aber häufiger den Elektromodus. Erhöhen sich die Kraftstoffpreise um zehn Prozent, steige die elektrische Nutzung um 1,6 Prozentpunkte.
Aus diesem Verhalten bilde sich allerdings keine Gewohnheit, kommentierte Eunseong Park, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Umwelt- und Klimaökonomik“ und Ko-Autor der Studie. Der Umweltvorteil von Hybridfahrzeugen werde daher überschätzt. Zudem geht aus der Studie hervor, dass Hybride insgesamt weniger oft im Elektromodus fahren, als für die Berechnungen der Emissionswerte angenommen wird. Für diese wird davon ausgegangen, dass Plug-in-Hybride zu 70 bis 85 Prozent elektrisch unterwegs sind. Laut der Studie ist dies aber nur zu 39 Prozent der Fall, wodurch doppelt so viel Kraftstoff verbraucht werde, als angenommen. Erst steigende Kraftstoffpreise sorgten dafür, dass die Fahrzeuge häufiger geladen werden und somit mehr Kilometer elektrisch zurückgelegen.
Ladezeit und Stundenlohn
Ob Fahrer ihr Hybridfahrzeug eher tanken oder laden, hängt laut Studie allerdings auch davon ab, welchen monetären Wert sie ihrer Zeit beimessen und wie lange es dauert, den Akku zu laden. Dieser Wert liege in Deutschland mit 15 bis 41 Euro pro Stunde relativ hoch. Die Ladezeit werde als ungenutzte Zeit angesehen, die die Fahrer einpreisten, sagte Ko-Autor Kevin Remmy von der Universität Mannheim. Deshalb seien finanzielle Anreize wie höhere Kraftstoffpreise wichtig, um die Ladeanreize zu erhöhen. Außerdem bräuchte es Investitionen in eine zeitsparende Ladeninfrastruktur, damit sich die Kosten-Nutzen-Relation für die Fahrer zu Gunsten des Ladens verschiebe.
Für die Studie nutzten die Wissenschaftler eine Fahrtenbuch-App mit etwa 1,3 Mio. Einträgen von rund 70.000 Nutzern, deren Angaben die Forscher mit offiziellen Erhebungen abglichen. Die Einträge aus der App stammen aus den Jahren 2016 bis 2021. Nach Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes waren von den im März 2024 neu zugelassenen Pkw 31,5 Prozent Hybride, wovon Plug-in-Hybride 6,1 Prozent ausmachten.
