„Omoda“? Wie kommt ein Auto zu so einem Namen? Er geht auf die Idee chinesischer PR-Strategen zurück. Denn als global geplante Marke wurde „Omoda“ unter mehr als 10.000 Vorschlägen ausgewählt, die aus 30 verschiedenen Ländern kamen. In schönster Marketing-Poesie setzt er sich zusammen aus „O“, was für Sauerstoff stehen soll, für neues Leben und Vitalität. „Moda“ kommt demnach von Modern und von Lifestyle. Um die Erwartungen und Wünsche für ein solches Auto herauszufinden, hat die Konzernmutter Chery nach eigenem Bekunden über 1.200 Bild-und Lifestream-Umfragen mit über 10.000 Menschen veranstaltet.

Der Omoda 5, der im chinesischen Wuhu vom hochautomatisierten Band läuft, will im Markt der kompakten SUV und Crossover wildern – zu Preisen ab knapp 27.000 Euro. Bei Händlern in Spanien steht er bereits mit der gehobenen Komplettausstattung für etwas unter 28.800 Euro in den neu gebauten und cool blau ausgeleuchteten  Showrooms. Konkurrieren soll er laut Charlie Zhang, Vizepräsident von Chery, mit Autos wie dem Cupra Formentor.

Sozialverträglich
Mit einer Länge von 4,42 Metern ist der Omoda 5 nur etwa so lang wie ein VW Golf.

Dafür bekommt man einen bereits in der Basisversion gut ausgestatteten SUV mit weitgehend konventionellem Design – sieht man mal vom Kühlergrill ab, der so aussieht, als ob er tonnenweise Krill und kleine Haustiere einsaugen könnte. 4.424 mm Länge – das ist nicht mehr, als ein VW Golf mitbringt. Die Karosserie mit dem coupéhaften Dach, den geschwungenen Sicken an den Seiten und den schmalen Scheinwerfern vorne strecken den Omoda 5 optisch und verleihen ihm einen sportlichen Touch. Die Rückleuchten sind dreidimensional aus dem Heck herausmodelliert und ziehen sich über die ganze Fahrzeugbreite. In Sachen Sicherheit kann er gleich punkten: Aus dem NCAP-Crashtest kam er mit fünf von fünf Sternen heraus.

Nichts wackelt, alles passt

Innen wirkt der Omoda 5 aufgeräumt und nicht so überladen mit schnucklig-unpraktischen Gimmicks wie die meisten neuen Automodelle aus China. Statt einer Bildschirmlandschaft, die an ein Autokino erinnert, ein fast schon bescheidenes, freistehendes digitales und 10,25-Zoll großes Cockpit vor dem Fahrer plus ein weiterer, gleich großer Bildschirm für Navi & Co.. Alles gut zu lesen, alles sinnvoll aufgebaut. Über die berührungssensitiven Schalterchen für Funktionen wie Klimaanlage und Ähnliches lässt sich sicher streiten. Immerhin sind deren Funktionen nicht in den Softwaretiefen eines Menübaumes versteckt. Dazu machen die Materialien rundum einen hochwertigen Eindruck – nichts wackelt, alles passt.

Spacig
Der Innenraum des Omoda 5 ist aufgeräumt und nicht so überladen mit Gimmicks wie die meisten Newcomer aus China.

Bei den Assistenzsystemen haben sich die chinesischen Ingenieure wieder mal nur schwer bremsen können: Die Warntoleranzen für Geschwindigkeit oder Spurhaltung sind so nickelig eingestellt, dass es gefühlt immer irgendwo piepst oder trällert. Aber da gibt es zugegeben Schlimmeres aus dem Reich der verspielten Chinesen auf unseren Straßen. Der Platz ist für die Kompaktklasse ausreichend: vorne fast schon üppig, hinten nicht gerade herrschaftlich, aber auch nicht klaustrophobisch eng. Nicht zuletzt dem Radstand von 2.630 mm sei Dank dafür.

Plug-in-Hybrid kommt vor BEV

Hinter dem riesigen Kühlergrill mit seinem Wabengitter arbeitet ein 1,6-Liter-Turbo-Vierzylinder mit 145 kW oder 197 PS und einem maximalen Drehmoment von 290 Nm. Das reicht immerhin für eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h und eine Beschleunigung aus dem Stand auf Landstraßentempo in sieben Sekunden. Der offizielle Verbrauch auf 100 km ist mit offiziell 7,5 Litern nicht wirklich sparsam. Für die jeweils passende Kraftübertragung sorgt eine 7-stufige Doppelkupplung, die den SUV sanft und ohne spürbare Gangwechsel am Laufen hält. Ein paar Feinabstimmungen sind noch nötig. Auf der Autobahn etwa verlangt die ansonsten schon ganz europataugliche und präzise Lenkung nach ständigem Korrigieren des Geradeauslaufs. Und beim Kick aufs Gaspedal dauert es noch etwas zu lang, bis der Omoda 5 in die Puschen kommt. Fest in der Pipeline sind bereits ein Plug-in und schließlich eine reine Elektroversion – mit deutlich weniger verschreckender Front.

Schon besser
Die vollelektrische Version des Omoda 5 verfügt über eine geschlossene Front. Erwartet wird das Modell in Europa zum Jahresende. Die technischen Daten werden noch nicht verraten. Fotos: Chery

Chery-Vize Charlie Zhang versichert, man sei gekommen, um zu bleiben. Nach dem Vorbild anderer Automarken aus Asien hat das Unternehmen ein eigenes Forschungs- und Ingenieur-Zentrum in Deutschland eingerichtet, um seine Fahrzeuge besser an die Wünsche und Bedürfnisse der europäischen Kunden anzupassen. In Raunheim nahe Frankfurt/Main trimmen aktuell rund 80 Mitarbeiter die Chinaautos auf Europa. Tendenz: steigend.

„Gekommen, um zu bleiben“

Hinter der Marke Omoda steht mit Chery einer der großen Autobauer Chinas. Schon seit 2012 unterhält Chery in China ein Joint Venture mit Jaguar Land Rover. Im Geschäftsjahr 2022 lag der weltweite Umsatz bei rund 28 Milliarden US-Dollar, für 2023 waren gar 42 Milliarden U-Dollar geplant. Kein anderer Autohersteller aus dem Reich der Mitte exportiert so große Stückzahlen. Gerade mal 1997 gegründet, lieferte Chery vergangenes Jahr bereits an die 1,9 Millionen Autos jährlich in 80 Länder weltweit. Nun soll es also nicht nur in Schwellenländern weiter gehen, sondern auch in Europa. Geplant ist der Start von drei Marken und knapp einem Dutzend Modellen, Verbrenner genauso wie Stromer: Omoda, Jaecoo und – für gehobene Ansprüche – Exlantix. Den Anfang macht nun in diesem Frühjahr die Benzinversion des Omoda 5, zuerst in Spanien.

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