Dass die spanischen Cupra-Modelle punktgenau den Zeitgeist einer jüngeren Klientel treffen, das hat sich längst herumgesprochen. Der kompakte, vollelektrische Born ist einer von ihnen, und den haben sie jetzt optisch weiter aufgerüstet – da ging noch was! Und nebenbei genau die Macken verschwinden lassen, über die wir uns von Anfang an aufgeregt haben. Verkaufsstart bei uns? Ist im Juni.

Also, dass an der Front des Stromers noch was zu machen war, das haben wir natürlich erwartet. Insofern reißt uns die auch woanders sehr beliebte Sharknose nun nicht völlig vom Hocker, und diese speziellen dreieckigen Matrix-LED-Scheinwerfer haben wir ja zum Beispiel schon beim Cupra Terramar und beim neuen Raval gesehen. Und das schick beleuchtete Hecklogo, schlau in die 3D-Rückleuchten integriert, macht durchaus was her, ist nachts als Insignum des Bösen natürlich ein schöner Hingucker, aber nicht so ganz der große Aufreger.

Leuchtsignal 
Das schick beleuchtete Hecklogo, schlau in die 3D-Rückleuchten integriert, macht durchaus was her, ist nachts als Insignum des „Bösen“  ein schöner Hingucker für den nachfolgenden Verkehr. Fotos: Cupra
Leuchtsignal
Das schick beleuchtete Hecklogo, schlau in die 3D-Rückleuchten integriert, macht durchaus was her, ist nachts als Insignum des „Bösen“ ein schöner Hingucker für den nachfolgenden Verkehr. Fotos: Cupra

Also lieber rein in die spanisch-sportliche Stube. Und schon gibt es nette Überraschungen. Da meinen wir nicht diese hübschen kupferfarbenen Türgriffe, auch nicht die nun überall fein gepolsterten Flächen oder das Lenkrad mit den nun Gottseidank physisch bedienbaren Knöpfen. Auch nicht dieses nun 10,25 Zoll (bisher 5,3 Zoll) große virtuelle digitale Cockpit, das sich mit diesem Format nun logischerweise besser ablesen lässt.

Und ebenso nicht den jetzt 12,9 Zoll messenden Screen des Infotainmentsystems, das inhaltlich von Linux auf ein potenteres Android-Betriebssystem gewechselt hat. Mit dem Zugriff auf diverse Apps, bestens vertrauter Smartphone-Funktionen und der Möglichkeit, bis zu vier digitale Fahrzeugschlüssel freizugeben. Naja, und dass die Touchslider für Lautstärke und Innenraumtemperatur jetzt beleuchtet sind, ist ja ganz nett, aber diese unpraktischen Dinger (die VW im neuen ID.3 Neo nun völlig eliminiert hat), mögen wir ohnehin nicht.

Starten per Launch Control wie im Porsche

Nein, unsere ultimative Lieblingsneuheit ist hier die Steuerung der Fensterheber, die man bisher zwischen vorn und hinten umschalten musste. Das sollte Produktionskosten sparen, führte aber bei Fahrern aller Altersklassen zu nervigen Verwechslungen. Jetzt gibt es, wie überall in der automobilen Welt, wieder den Block mit vier einzelnen Betätigungsknöpfen, die wir sogar im Schlaf richtig drücken würden.

Klar, ganz nett ist auch dieses verbesserte Soundsystem, das durch die Integration der Sennheiser-Contrabass-Technologie mit den zehn Lautsprechern eine ganze Klasse besser und deutlich satter als bisher klingt. Dito die neue Vehicle-to-Load-Funktion, über welche die Batterie des Autos externe Geräte wie Laptops, E-Bikes, fette Soundsysteme oder diverses Camping-Zeugs mit Strom versorgen kann. Oder im Notfall das ganze Haus, wenn, wie im fiesen Januar in Berlin, mal der Saft komplett ausfallen sollte. Zum Thema Strom: Die Türgriffe sind nun im Dustern auch hinten beleuchtet.

Kupferschmied
Exakt 12,9 Zoll misst nun der Screen des Infotainmentsystems, das inhaltlich von Linux auf ein potenteres Android-Betriebssystem gewechselt hat. Auch gibt es nun vier Tasten für vier Fensterheber auf der Fahrerseite. Die kupferfarbenen Zierelemente sind geblieben.
Kupferschmied
Exakt 12,9 Zoll misst nun der Screen des Infotainmentsystems, das inhaltlich von Linux auf ein potenteres Android-Betriebssystem gewechselt hat. Auch gibt es nun vier Tasten für vier Fensterheber auf der Fahrerseite. Die kupferfarbenen Zierelemente sind geblieben.

Außerdem beherrscht der geliftete Born jetzt das One-Pedal-Driving, kann uns also bis in den Stand regenerativ herunterbremsen. Sehr sinnig im Stop-and-Go-Verkehr der City. Und umgekehrt darf er nun mit einer Launch Control, exklusiv für die Varianten Endurance und VZ (dazu kommen wir gleich) den aufgedrehten Porsche spielen: maximale Beschleunigung aus dem Stand. Extreme Sportlichkeit auf Knopfdruck. Mit Blaulicht-Illumination und prophylaktisch angezogenen Sicherheitsgurten. Krass. Bisschen peinlich? Geht so, manch einer ist ja noch immer gern König beim mehr oder weniger sinnlosen Ampelsprint.

Reichweite steigt bis auf 627 Kilometer

Sogar eine Anhängerkupplung avisieren sie jetzt für den aufgerüsteten Born, um dann aber ganz schnell einzuschränken, dass man da trotz des täuschend ähnlichen Aussehens leider nix anhängen darf. Das Ding taugt nämlich nur als Fahrradträger, und es sind höchstens 75 Kilogramm erlaubt. Einen Dachgepäckträger gibt es für den kompakten Stromer, dessen Ladevolumen wie bisher von 385 bis maximal 1267 Liter (umgelegte Rücksitzlehnen) reicht, leider auch nicht. Ist hier dummerweise nicht erlaubt. Und unter der Vorderhaube findet sich weiterhin partout kein Platz für diese gern genutzte Ladehöhle namens Frunk.

Mit Haifischnase 
Cupra hat das Frontend des vollelektrischen Born noch einmal nachgeschärft. Mit den neuen Scheinwerfern schaut er jetzt noch grimmiger drein, Unserem Autor gefällt es.
Mit Haifischnase
Cupra hat das Frontend des vollelektrischen Born noch einmal nachgeschärft. Mit den neuen Scheinwerfern schaut er jetzt noch grimmiger drein, Unserem Autor gefällt es.

Ab zu den wichtigsten Eckdaten. Diesen Vollstromer gibt es in drei Versionen. Der Einsteiger, ein paar Wochen später bei den Händlern, kommt uns nun mit einem 140 kW (190 PS)-Elektromotor und der kleinen 58-kWh-Batterie (Lithium-Eisenphosphat-Zellen), gut für eine WLTP-Normreichweite von bis zu 484 Kilometern. Die 170 kW (231 PS) starke Langstreckenversion Endurance indes soll bei braver Fahrweise mit dem großen 79-kWh-Speicher (jeweils der Netto-Wert) gut 627 Kilometer weit kommen. Beide Modelle rennen jedoch nur bis zu den abgeriegelten 160 km/h, was bei dieser flotten Automarke nun wirklich nicht der Wahnsinn ist.

Gleichstrom laden mit bis zu 185 kW

Und der wie seine Brüder 4,34 Meter lange und 1,81 Meter breite Kracher Born VZ, dessen Elektromotor wie bisher (und wie der VW ID.3 GTI) mit 240 kW (326 PS) herumballert, rennt in 5,6 Sekunden auf Tempo !00 und als einziger Born maximal 200 km/h schnell. Das klingt mächtig beeindruckend, aber der ähnlich kurze EX30 von Volvo erledigt diese gängige Sprintübung mit 315 kW (428 PS) bei Bedarf in 3,6 Sekunden. Hat allerdings viel weniger Reichweite und sieht nicht halb so scharf aus wie sein spanischer Konkurrent.

Apropos Aussehen: Unsere Lieblingsfarbe ist hier diese Metallic-Lackierung „Dark Forest“, so eine Art Olivgrün, das allerdings 950 Euro Aufpreis kostet. Wie lange wir an den Ladesäulen warten müssen? Okay, Schnellladen an den DC-Säulen funktioniert zwischen 10 und 80 Prozent in 26 bis 29 Minuten bei Ladeleistungen von 105 kW (Basismodell) und 183 kW (Endurance und VZ). Keine Highlights, mehr so der gängige Durchschnitt.

Lastesel mit Handicap
Einen Dachgepäckträger gibt es für den kompakten Stromer, dessen Ladevolumen wie bisher von 385 bis maximal 1267 Liter (umgelegte Rücksitzlehnen) reicht, leider nicht. Dafür eine Anhängerkupplung, die aber nur als Fahrradträger taugt.

Und sonst so? Der heckgetriebene Spanier fährt sich genauso schneidig und nicht übertrieben hart wie bisher. Bemerkenswert, dass er trotz seines Gewichts von knapp zwei Tonnen ziemlich zackig um die Ecken geht. Ideallinie? Kein Problem. Funktioniert bestens. Klar, dazu passen diese bequemen, zupackenden Sportschalensitze. Ist in jeder Beziehung sehr handlich dieser Born und eben nicht übertrieben ruppig gefedert. Ein Spaßmacher für die ganze Familie, weil er sogar in der zweiten Reihe noch ordentlich Platz und Kopffreiheit offeriert.

VZ-Version kommt dem Charakter der Marke am nächsten

Gern haben wir mit ihm immer wieder das One-Pedal-Driving getestet. Genau, dieses motorige Bremsen bis zum Stillstand. Einstellbar. Und ja, relativ leise ist der Born auch, obwohl wir bei einem Cupra automatisch einen gewissen Lärm erwarten würden. Klar, drinnen gibt es in den Fahrmodi Performance und Cupra etwas akustischen Alarm, aber dieses Geheule wirkt auf unsereins doch ein wenig gekünstelt.

So, gefahren sind wir den Born natürlich in der in der wilden VZ-Version. Wenn wir uns da entscheiden müssten, dann würden wir den wohl auch privat wählen, weil er doch bestens zum spanischen Wesen dieser Marke passt. Und beim Verbrauch lagen wir gelernten Vollgasfritzen selbstverständlich ein wenig oberhalb der offiziellen Werksangaben, dieser Laborwerte, die so zwischen 14,2 und 16,8 kWh liegen. Bei uns zeigte der Bordcomputer durchaus akzeptable Werte zwischen 15,5 und 18,8 kWh.

Stramme Preise zwischen 36.000 und 47.000 Euro

Beinahe vergessen: Fahrerassistenzsysteme! Alles da, fast alles ohne Aufpreis drin. Herzstück ist der neue Travel Assist, der nun cloudbasierte Daten integriert und zum Beispiel sicherheitshalber die Geschwindigkeit bei der Annäherung an Kurven anpasst. Oder der neue Kreuzungs-Assistent, der bei Kollisionsgefahr sofort selbstständig bremst. Gesteuert von einem ganzen Netzwerk von Radar-, Kamera und Ultraschallsensoren sowie externen Datenquellen, die permanent ein exaktes Echtzeitbild der Umgebung kreieren. Besonders gefallen hat uns da das aufgerüstete Head-up-Display, das uns im Navi-Betrieb sämtliche digitalen Abbiegepfeile quasi direkt auf die Straße malt.

Jagdwagen
Gefahren sind wir den neuen Cupra Born am liebsten in der wilden VZ-Version mit einer Spitzenleistung von 240 kW. Unsere Lieblingsfarbe ist hier die Metallic-Lackierung „Dark Forest“, so eine Art Olivgrün (hier links im Bild).

Und die Preise? Der finanzielle Einstieg in den Cupra Born beginnt bei 35.990 Euro. Dafür gibt es die genannte Version mit 140 kW (190 PS) und der kleineren Batteriekapazität von 58 kWh. Darüber rangiert für 41.990 Euro der Endurance mit 170 kW (231 PS) und der größeren 79 kWh-Batterie. Genau: 627 km Reichweite. Fürs beschriebene obersportliche VZ-Topmodell mit 240 kW (326 PS) müssen wir dann mindestens 46.990 Euro hinblättern. Und eine im Winter stromsparende Wärmepumpe kostet hier stramme 1080 Euro Aufpreis. Nett hingegen dieser aktuelle Cupra Tribe-Bonus, der für den Born mit immerhin 4000 Euro winkt.

Über eine kommende Überraschung wurde bei der offiziellen Fahrpräsentation des gelifteten Born allerdings nicht mit einem Sterbenswörtchen geredet. Aber EDISON kann das Geheimnis hier bereits unauffällig lüften. Denn wie beim bei uns gerade vorgestellten City-Stromer Raval wird es auch vom kompakten Born eine crossige „Gravel“-Modellversion geben. Mit höhergelegtem Fahrwerk, kantiger Dachreling (!), diversen rustikalen Anbauteilen und ähnlichen Zutaten. „Im Moment sind wir mit dem Born sehr zufrieden, aber da gibt es natürlich alle Möglichkeiten“, erklärt uns Born-Produktmanagerin Ana Moreno vorsichtig. Genau, ein Dementi klingt anders.


Artikel teilen

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert