Allein aus Datensätzen besteht der sogenannte „Cyber Tyre“ von Pirelli nicht. Schließlich wird er nicht für Computerspiele entwickelt, sondern weiterhin an realen Straßenfahrzeugen montiert. Doch der Hightech-Pneu ist ein gutes Stück digitaler als jeder Reifen zuvor – und soll die Performance von Luxus-Sportwagen wie denen von Aston Martin auf ein neues Niveau heben.
Der britische Hersteller integriert als einer der ersten Autobauer die Cyber-Tyre-Technologie, die Pirelli exklusiv entwickelt hat. Dank Sensoren in der Lauffläche und maßgeschneiderter Algorithmen liefert der Reifen Daten in Echtzeit an die Fahrzeugelektronik. Gemeinsam mit Bosch Engineering sorgt Pirelli dafür, dass die Informationen direkt in ESP, ABS und Traktionskontrolle einfließen – und so Fahrverhalten wie Sicherheit verbessern.

Der 727 PS starke Highperformance-SUV könnte das erste Fahrzeug sein, das in den Genuss der Cyber Tyre-Technologie kommt.
Der Cyber Tyre bleibt dabei kein exklusives Spielzeug für Aston Martin-Fahrer. Auch andere Hersteller im Ultra-Luxus-Segment wie Pagani oder Land Rover wollen künftig auf den „intelligenten“ Reifen setzen. Die Technologie gilt als nächster Schritt in der Vernetzung von Fahrzeug und Fahrbahn – ein Bereich, in dem Daten immer wichtiger werden.
Smarte Reifen, smarte Risiken
Die Sensoren im Cyber Tyre von Pirelli sammeln Daten, die weit über das hinausgehen, die ein Reifendruckkontroll-System (RDKS) liefert. Dazu gehören Daten unter anderem zur Beschaffenheit des Untergrunds, der Asphalt-Temperatur und auch des Zustands der Reifen. Diese übermitteln die Sensoren per Bluetooth an die Fahrzeugsysteme. Das ermöglicht es dem Steuergerät, das Fahrverhalten des Autos optimal anzupassen. Beispielsweise durch das Erkennen von Straßenglätte oder Aquaplaning.

Die Sensoren im Cyber Tyre von Pirelli liefern eine Vielzahl von Daten, die unter anderem für das Brems- und Stabilitätssystem von Interesse sind. Diese können dann das Ansprechverhalten der Systeme an die Straßenverhältnisse anpassen. Grafik: Pirelli
Doch wo Daten fließen, entstehen auch Fragen. Denn die von Cyber Tyre Tech gesammelten Informationen haben nicht nur technologische Relevanz, sondern auch geopolitische Brisanz. Größter Anteilseigner von Pirelli ist mit 37 Prozent der staatlich kontrollierte chinesische Investor Sinochem. Die US-Behörden schauen deshalb genau hin, ob die sensiblen Reifendaten auch sicher sind. Branchenbeobachter befürchten, dass dies die Expansionspläne des italienischen Reifenherstellers in den Vereinigten Staaten erschweren könnte.
Trotz dieser geopolitischen Spannungen zeigt sich Pirelli überzeugt vom Potenzial seines Cyber Tyre: Mehr Kontrolle, mehr Performance und mehr Sicherheit – verpackt in einem Reifen, der äußerlich kaum anders aussieht als jeder andere. Mit Aston Martin hat sich das Unternehmen nun einen prominenten Partner gesichert, der für automobile Exklusivität steht. Und der Cyber Tyre dürfte damit noch schneller aus der Testumgebung heraus und auf die Straße rollen.