Wenigstens ein Monatsgehalt, heißt es im Zweiradhandel, sollte man für ein gutes Fahrrad mit elektrischer Trittunterstützung ausgeben. Laut Statistischem Bundesamt verdiente ein Vollzeitbeschäftigter im vergangenen Jahr durchschnittlich 4784 Euro, je nach Steuerklasse und Bundesland landeten davon rund 2700 Euro auf dem Girokonto. Und tatsächlich: Der durchschnittliche Verkaufspreis für ein E-Bike in Deutschland betrug nach einer Erhebungen des Zweirad-Industrieverbandes ZIV im vergangenen Jahr 2.650 Euro – dass passt also.
Wobei anzumerken ist, dass nach oben noch eine Menge Spielraum ist: Ein topausgestattetes City-Bike des deutschen Premium-Herstellers Riese&Müller mit kraftvollem Bosch-Antrieb, 600 Wattstunden-Akku und Elfgang-Kettenschaltung kann schon mal knapp 6000 Euro kosten, mit einer Motor-Getriebe-Einheit von Pinion noch einmal 1500 Euro mehr. Und mancher Mountainbike-Fan ist bereit, bis zu 15.000 Euro hinzulegen, um mit einem superleichten und vollgefederten E-Bike der Extraklasse die nächste Alpenüberquerung anzugehen.

Das vollgefederte „Adventr 6“ von Haibike schließt die Lücke zwischen Fahrrad-Alltag und Abenteuer. Mit einem kraftvollen PX-Performance-Antrieb von Bosch, einem 800 Wh-Akku für große Reichweiten. Bild: Rother
Ja, gutes Rad ist teuer. Aber die Neuheiten des Modelljahres 2026 zeigen auch: Die technische Entwicklung der E-Bikes schreitet rasant voran. Wobei die Fahrradindustrie bei der Preisentwicklung erfreulicherweise erst einmal die Bremse zieht: Überkapazitäten, große Lagerbeständen noch aus den Vorjahren sowie die Wirtschaftskrise in Deutschland sorgen für anhaltenden Druck ab Absatz und Preise.
Die Kreativität der Ingenieure, die bei den Fahrradproduzenten und ihren Zulieferern arbeiten, ist hingegen ungebrochen. Und für gutes Geld bekommt man inzwischen E-Bikes mit Features, die vor Jahren noch undenkbar gewesen sind und die Sicherheit und Komfort auf zwei Rädern auf ein neues Niveau heben.
Bremsen mit ABS
So lässt sich inzwischen eine wachsende Zahl von E-Bikes mit einem Antiblockiersystem ausrüsten. Es verhindert, dass Radler über den Lenker absteigen oder sich überschlagen, wenn sie in Notsituationen zu heftig am Griff für die Scheibenbremse am Vorderrad ziehen. Droht das Vorderrad zu blockieren, reduziert eine Steuereinheit blitzschnell den Bremsdruck und gibt ihn anschließend dosiert wieder frei. Das Bosch ABS, das unter anderem am „Sinus FS R5 f Pro“ (komplizierter Namen, tolles City-Bike) von Winora verbaut ist, sorgt nicht nur im Stadtverkehr für einen echten Sicherheitsgewinn. Auch das neue „Nevo 5“ von Riese&Müller ist damit ausrüstbar – gegen einen Aufpreis von knapp 400 Euro.

Die wartungsarme Pinion MGU vereint Motor und Getriebe in einem Bauteil. An immer mehr E-Bikes ist sie inzwischen zu finden.
Auch die Zeiten, wo man an Steigungen noch selbst per Griff zum Gangwahlhebel die passende Übersetzung finden musste, sind inzwischen passé: Verschiedene Teilelieferanten wie Enviolo und Shimano bieten inzwischen Schaltautomatiken an. Die derzeit feinste Lösung kommt derzeit von Pinion: Schaltwerk und Antrieb sind hier zu einer Einheit verschmolzen. Die obendrein wartungsarme Motor-Getriebe-Unit (MGU) bringt es auf bis zu zwölf Gänge und eine Übersetzungsbandbreite von satten 600 Prozent. Zum Vergleich: Eine herkömmliche Kettenschaltung kommt nur auf etwa 520 Prozent.
Schaltautomatik wie im Auto
Im Auto.Shift-Modus schaltet das System automatisch in den passenden Gang, basierend auf der voreingestellten Trittfrequenz und der eingesetzten Pedalkraft. Das Angebot an E-Bikes mit der Pinion-MGU ist mittlerweile deutlich gewachsen, sowohl Hersteller von Treckking- wie auch von Mountainbikes verbauen inzwischen das technische Wunderwerk. Unter anderem Riese&Müller im E-SUV „Charger5“ (ab 7.599 Euro) oder E-Bike-Pionier Flyer beim „G1 Goroc TR 7.33“, das es mit 9-Gang-Version der MGU bereits für 5.999 Euro gibt. Auch Mountainbikes wie das ALLMTN CF 10 TRN/IQ von Haibike sind mit dem System erhältlich – allerdings für mehr als nur den Durchschnitts-Nettolohn. 8000 Euro ruft der deutsche Hersteller aus Schweinfurt dafür auf.

„Turntec T2“ heißt das akkubetriebene Blinkersystem zur Nachrüstung, das Busch+Müller zum Fahrradfrühling in den Handel bringt. Es wird einfach in die Lenkerenden geschoben und dort fixiert. Betätigt werden sie mit dem Handballen. Foto: Pressedienst Fahrrad
Und noch ein neuer Trend zeichnet sich in diesem „Fahrrad-Frühling“ ab: Richtungswechsel muss der Radfahrer im Straßenverkehr nicht mehr mit ausgestrecktem Arm anzeigen. Statt die Hand vom Lenker zu nehmen und damit die Fahrstabilität zu verringern, kann er mit dem Handballen ein in das Lenkerende eingestecktes Blinklicht aktivieren.
Blinker wie am E-Scooter
„E-Scooter haben den Blinker auch bei Fahrrädern salonfähig gemacht“, zeigte sich Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad bei einer Präsentation der Innovation auf einer Städtetour angetan von dem Sicherheits-Plus. Ab 2027 müssen nach der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) des Bundesverkehrsministeriums alle neu zugelassenen E-Scooter mit Blinkern vorne und hinten ausgestattet sein.E-Bikes sind davon bislang zwar ausgenommen, was aber nicht heißt, dass das Feature hier keinen Sinn ergibt.
Erste clevere Nachrüst-Lösungen gibt es bereits: „Turntec T2“ heißt das akkubetriebene Set der Lichtspezialisten von Busch+Müller aus Meinerzhagen im Sauerland. Es ist für alle gebogenen Lenker mit einer Krümmung von 20 Grad zugelassen und ab sofort für knapp 125 Euro im Fachhandel erhältlich.