Aberwitzig schnell waren die Topmodelle von Tesla schon immer. Im so genannten „Insane“-Modus sprintet ein aktuelles Model S Performance in 2,5 Sekunden auf Tempo 100. Die Insassen tun gut daran, ihre Schädel vor dem Kanonenstart gegen die Kopfstützen zu pressen – es droht andernfalls ein Schleudertrauma.

Und nun legt Tesla-Chef Elon Musk noch einmal nach: Auf dem „Battery Day“ gab er jetzt den Verkauf einer weiteren, nochmals leistungsgesteigerten Variante des Model S frei. Mit drei statt zwei Elektromotoren, mit angeblich über 800 kW (1100 PS) statt mit 585 kW (789 PS) Leistung wie beim Performance-Modell. Und mit einer Beschleunigung von unter zwei Sekunden bis zur 100 km/h-Marke. Über die technischen Details des neuen Autos verlor Musk nicht viele Worte. Auf der Tesla-Website, wo das „Plaid“ genannte und mindestens 139.900 Euro teure Modell inzwischen konfiguriert werden kann, wird eine Reichweite von über 840 Kilometern versprochen. Experten schätzen, dass dafür ein Akku mit einer Speicherkapazität von rund 130 Kilowattstunden im Fahrzeugboden verbaut ist. Genaueres wird man wohl erst Ende kommenden Jahres erfahren, wenn die ersten Exemplare des neuen Modells ausgeliefert werden.

Neue Batterie für 54 Prozent mehr Reichweite

Ähnlich vage blieb Musk in seinen mit einiger Spannung erwarteten Ausführungen auf dem Freiluft-„Battery Day“ in Fremont über die neue Batterie-Generation, die in drei oder vier Jahren die Reichweite seiner Elektroautos um 54 Prozent steigern und gleichzeitig die Kosten für den Energiespeicher um 56 Prozent senken sollen. Dafür sorgen sollen Rundzellen mit 46 Millimeter Durchmesser und 80 Millimeter Länge und einer veränderten Zellchemie, die ohne Kobalt in der Kathode auskommt und den Anteil von Silizium in der Anode durch ein spezielles Verfahren erhöht. Produziert werden sollen die neuen Batteriezellen vom Typ 4680 mit der sechsfachen Leistung und fünffachen Energiemenge in neuen, „Terafactories“ genannten Batteriefabriken, unter deutlich reduziertem Energieeinsatz und Wasserverbrauch sowie in einem deutlich effizienteren Verfahren als in der heutigen Gigafactory in Nevada, wie Musk und sein Technik-Chef Drew Baglino ausführten. Ob eine der Terafactories möglicherweise auch in der Nachbarschaft zum neuen Tesla-Werk im brandenburgischen Grünheide entsteht, blieb beim „Battery Day“ offen.

Tesla Typ 4680
Der neue Batterietyp soll fünfmal so viel Energie speichern und sechsmal so viel Leistung bringen wie die Zellen heutiger Bauart. Allein dadurch soll die Reichweite eines Elektroautos um 16 Prozent wachsen, kündigte Musk auf dem „Battery Day“ in Kalifornien an.

Die technischen Fortschritte und die Kostenvorteile bei der Batteriefertigung nach dem neuen Verfahren, will Musk aber nicht nur dazu nutzen, um die Profitabilität seines Unternehmens zu steigern. Wie er ankündigte, erlaube es der neue Batterietyp auch, das Produktportfolio nach unten zu erweitern: Er kündigte ein „überzeugendes“ Elektroauto zum Preis von rund 25.000 Dollar an, das obendrein vollautonom fahren können soll. Für den noch namenlosen Billig-Tesla nannte der Tesla-CEO allerdings noch keinen konkreten Start-Termin und außer dem Preis auch keine weiteren Daten: Auf das vor drei Jahren versprochene Basismodell des Tesla Model 3 zum Preis von unter 35.000 Euro warten viele Interessenten in Deutschland noch immer.

Volkswagen-Chefstratege Michael Jost hat für 2023 ein elektrisches Stadtautos zum Preis um die 20.000 Euro angekündigt. Für den VW ID.1 und weitere Derivate entwickelt die spanische Tochter Seat aktuell eine komplett neue Fahrzeug-Plattform. Produziert werden soll der „Volks-Stromer“ aus Kostengründen angeblich in Bratislava.

Da zeichnet sich ein spannendes Rennen ab.

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