Der Angestellte springt neben dem Auto hoch, greift nach dem gelben Klimakiller-Banner und versucht es der jungen Frau, die auf dem BMW steht, aus den Händen zu ziehen. Die Blicke der Messebesucher und Kameralinsen sind auf sie gerichtet. Bilder wie diese trübten die Berichterstattung über die Internationale Automobilausstellung (IAA) 2019 in Frankfurt. Demonstrationen von Klimaschützern und Radfahrer vor und auf dem Messegelände riefen negative Schlagzeilen hervor und sorgten dafür, dass deutlich weniger Menschen als in den Jahren davor auf das Messegelände strömten.

Der VDA entschloss sich daraufhin, der einst weltgrößten Automobilmesse eine neue Ausrichtung zu geben – und an einem anderen Standort: in München statt Frankfurt, an der Isar statt am Main. Und diese Woche wurde auch das neue Konzept für die Premiere im kommenden Jahr präsentiert. VDA-Präsidentin Hildegard Müller und Münchens Messe-Chef Klaus Dittrich stellten es zusammen mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sowie dem Oberbürgermeister von München, Dieter Reiter, vor. Innovative Mobilität und Dialog statt Auto-Show und Protest, lautet nun das Credo.

Der Verband der Autoindustrie richtet die IAA komplett neu aus, konzeptionell und räumlich. VDA-Geschäftsführer Martin Koers gibt Einblicke in den Prozess. Automesse

Auch der Termin steht: Vom 7. bis 12. September 2021 wird die IAA stattfinden. Also nur sechs Tage statt knapp zwei Wochen. Aber eigentlich ist es mehr als das: Die gesamte IAA wird eine Art „New Mobility World“. Mit vielen Autos, aber auch anderen Mobilen und Mobilitätslösungen. Vor allem aber mit vielen Dialogformen.

Bereits der Weg aus der Münchner Innenstadt raus zum Messegelände wird Teil der Show: Die Verbindungsstraße wird in eine „Blue Lane“ umgewandelt, also zu einer Teststrecke für nachhaltige Mobilitätslösungen. An prominenten Plätzen Münchens, etwa dem Marien- und dem Odeonsplatz, entstehen weitere Orte, an denen ausprobiert und diskutiert werden kann. In „Open Space“-Zonen. Besucher können während der Messetage hier Autos, Lastenräder, E-Bikes oder E-Scooter Probe fahren.

Kleinere Fläche, größere Ideen

Auf dem Messegelände selbst wird ein Summit stattfinden. Es ist der Ort für Entscheider, Experten, Industrie, Zulieferer und Impulsgeber. Hier werden die Automarken ihre Produkte präsentieren – und auch darüber debattieren. Vertreter der Mobilitäts- und Technologiebranche sind ausdrücklich geladen, sich zu beteiligen. Die Ausstellungsfläche ist kleiner als vergangenes Jahr, um wie viele Quadratmeter gibt der VDA noch nicht bekannt. Und anstatt die gesamte Produktpalette aufzufahren, sollen die Fahrzeug- und Teilehersteller ihre Innovationen in den Vordergrund stellen, so die Idee.

Das erste Halbjahr war für die deutsche Automobilindustrie ziemlich durchwachsen und viele der Umbrüche durch die Elektromobilität sind noch gar nicht abzusehen. Der Branchenverband VDA versucht auf seiner Halbjahres-PK, eine Position in ungewohnt ungemütlichen Zeiten zu finden. Einfacher wird es nicht. E-Mobilität

Auch die Klima-Aktivisten sollen Gehör finden – und damit besänftigt werden, dass die Messe dazu beiträgt, den Verkehr in München zu verändern. So sollen die neuen E-Ladesäulen, die für die Testfahrten mit Elektroautos während der IAA installiert werden müssen, nach dem Ende der Messe nicht wieder abgerissen werden, sondern erhalten bleiben.

„Mobilität wird häufig als ein ,Entweder-Oder‘ dargestellt – Fahrspaß oder Nachhaltigkeit, Stadt oder Land, individuell oder öffentlich. Aber Mobilität ist stets ein vielfältiges UND“, sagt die VDA-Vorsitzende Hildegard Müller: „Auch Mobilität und Klimaschutz sind keine Gegensätze, es gibt kein ,Entweder-Oder‘, nur ein und.“

Das sind ganz neue Töne. Klingt irgendwie nach „Versöhnen statt Spalten.“

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