Der High-Power-Charging-Anbieter Ionity hat heute (12. Februar) eine umfassende Anpassung seiner Preisstruktur für den deutschen Markt bekannt gegeben. Ab sofort senkt das Joint Venture die Preise für das spontane Laden (Ad-hoc) ohne Vertragsbindung. Der Schritt wird als direkte Reaktion auf die jüngsten staatlichen Fördermaßnahmen interpretiert und könnte Bewegung in das zuletzt starre Preisgefüge an deutschen Schnellladesäulen bringen.

Die neuen Tarife im Detail

Wie Ionity am Donnerstagmorgen mitteilte, profitieren vor allem Gelegenheitsnutzer und Urlauber, die über keine Ladekarte verfügen, von den Senkungen. Die Anpassungen betreffen zwei zentrale Tarife:

  • IONITY Direct: Der Preis für das kontaktlose Bezahlen direkt am Terminal oder per QR-Code sinkt von bisher 0,75 € auf nun 0,69 € pro Kilowattstunde (kWh).
  • IONITY Go: Wer die hauseigene App des Anbieters nutzt (ohne Grundgebühr), zahlt künftig noch weniger. Hier fällt der Preis von 0,70 € auf 0,66 €/kWh.

Für Vielfahrer bleibt das kostenpflichtige Abonnement („Ionity Passport“) weiterhin die günstigste Option im eigenen Netzwerk, mit kWh-Preisen, die bereits im „Power 365“-Tarif bei 39 Cent beginnen. Hier gibt es keine Preissenkung.

Strategische Reaktion auf neue Förderungen

Eric Weiland-Eylers, Director Product & Growth bei Ionity, begründet den Schritt explizit mit der aktuellen politischen Wetterlage. Die „neue E-Auto-Förderung“ in Deutschland habe der Branche „frischen Rückenwind“ verliehen. Ionity wolle mit der Preissenkung die Hürden für den Umstieg senken und ultraschnelles Laden – das Netzwerk bietet Leistungen bis zu 600 kW – auch ohne Abo-Bindung zugänglicher machen.

AnbieterAd-hoc (Direct Payment)App / Standard (ohne Abo mit Monatsgebühr )Anmerkung
IONITY0,69 € / kWh0,66 € / kWhNeu ab Feb. 2026. Einheitlicher Preis im eigenen Netz.
EnBWca. 0,79 € / kWhca. 0,56 – 0,59 € / kWhEnBW ist im „S-Tarif“ (App) oft günstiger, beim direkten Bezahlen ohne App jedoch teurer als Ionity.
Aral Pulse0,79 € / kWh0,69 € / kWhApp-Preis gilt für den „Klassik“-Tarif. ADAC-Mitglieder laden oft günstiger (ca. 0,55 €).
Fastnedca. 0,73 € / kWhca. 0,65 – 0,66 € / kWhFastned gewährt App-Nutzern oft Rabatte, womit sie preislich nun fast gleichauf mit Ionity liegen.
Tesla (für Alle)Variabel (oft 0,60–0,72 €)Variabel (oft 0,53–0,64 €)Preise schwanken stark je nach Uhrzeit und Auslastung. In Nebenzeiten („Off-Peak“) oft der günstigste Anbieter.
E.ON Driveca. 0,61 – 0,69 € / kWhca. 0,61 € / kWhE.ON hat aggressive Ad-hoc-Preise im eigenen Netz, ist im Roaming aber deutlich teurer.

Die Preissenkung ist besonders signifikant, wenn man sie in den Kontext der allgemeinen Marktentwicklung stellt, wie sie regelmäßig im Charging Radar“ von EDISON abgebildet wird. Lange Zeit galt Ionity im Ad-hoc-Bereich als Premium-Anbieter mit Preisen, die das obere Ende der Skala markierten. Der Charging Radar zeigte in den vergangenen Monaten (Stand Ende 2025/Anfang 2026), dass der durchschnittliche Preis für das DC-Schnellladen (Ad-hoc) in Deutschland oft noch im Bereich von 0,70 € bis 0,75 € oder darüber lag, wobei Spitzenwerte teils deutlich höher ausfielen.

Mit der Senkung auf 0,66 € (via App) positioniert sich Ionity nun aggressiv gegen den Trend:

  1. Unterbietung des Durchschnitts: Ionity rutscht mit dem neuen „Go“-Tarif spürbar unter die im Charging Radar oft zitierte 70-Cent-Marke, die für viele Ad-hoc-Lader als psychologische Schmerzgrenze gilt.
  2. Druck auf Roaming-Anbieter: Da Roaming-Preise (Laden mit Fremdkarten) im Charging Radar zuletzt oft als Preistreiber identifiziert wurden – mit Kosten, die teils über 0,80 € lagen – wird das direkte Angebot von Ionity zur attraktiven Alternative für Nutzer, deren Roaming-Karten keine Vorzugskonditionen bieten.

Während Discounter-Lösungen im Einzelhandel (z.B. bei Supermärkten) zwar oft günstiger sind (teilweise unter 0,50 €), bieten diese selten die HPC-Performance und Autobahn-Verfügbarkeit von Ionity. Im Vergleich der reinen Autobahn- und HPC-Netzwerke setzt Ionity mit diesem Schritt ein deutliches Ausrufezeichen. Es wäre zu wünschen, dass das Konsortium – hinter dem die großen deutschen Autohersteller sowie Hyundai und Ford stehen – mit der Preissenkung einen Stein ins Rollen bringt: Die hohen Ladestrompreise werden bei Umfragen immer wieder als Grund genannt, vom Erwerb eines Elektroautos Abstand zu nehmen.

Artikel teilen

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert