Viel ist von Lucid in Europa bisher nicht zu sehen. „Wir planen, in diesem Jahr in elf europäischen Märkten vertreten zu sein und bis Ende 2027 auf 18 zu expandieren“, erklärt Lawrence Hamilton, CEO von Lucid Europa. Der weltweite Absatz hat sich 2026 gegenüber dem Vorjahr auf 25.000 Einheiten verdoppelt. Viel ist das nicht, denn weltweit sind derzeit gerade einmal 40.000 Lucid-Fahrzeuge auf der Straße. Vorwiegend in den USA, wo sich das Hauptwerk in Arizona befindet, im Nahen Osten – wo eine CKD-Produktion stattfindet – und in Europa. Der 5,04 Meter lange Gravity soll Lucid neue Kunden bringen, denn der luxuriöse SUV bietet jede Menge Platz für bis zu sieben Personen und ein spektakuläres Leistungsspektrum.

Ein Fortschritt ist die deutlich verbesserte Sitzposition. Das riesige, 86 Zentimeter große und leicht gebogene Instrumentendisplay und der horizontale 28 Zentimeter große zentrale Touchscreen wurden nach oben und höher zum Lenkrad positioniert. Positiv hervorzuheben, dass die E-Automarke aus Newark/Kalifornien weiterhin auf Hebel und Knöpfe zur Bedienung der Klimaanlage setzt und die Bedienelemente am Lenkrad nun einen spürbaren Druckpunkt aufweisen. Allerdings müssen Lenkrad und Außenspiegel über den Zentralbildschirm eingestellt werden, der auch zum Öffnen des Handschuhfachs dient.

Lasst die Blumen sprechen 
Das gestochen scharfe und 86 Zentimeter breite Instrumentendisplay ist zum Fahrer hin gekrümmt. Darunter sitzt auf der Mittelkonsole ein zusätzlicher Touchscreen mit einer Diagonale von 28 Zentimetern - samt Tastenfeld.
Lasst die Blumen sprechen
Das gestochen scharfe und 86 Zentimeter breite Instrumentendisplay ist zum Fahrer hin gekrümmt. Darunter sitzt auf der Mittelkonsole ein zusätzlicher Touchscreen mit einer Diagonale von 28 Zentimetern – samt Tastenfeld darunter.

Jede Oberfläche und Verkleidung im Gravity zeugt von überzeugender Verarbeitung. Dies gilt auch für die samtartige Verkleidung der Säulen und des riesigen Panoramadachs, das leider weder über ein Rollo noch über ein elektrochromes System zur Abdunkelung verfügt oder die Holzeinlagen an Mittelkonsole, Türverkleidungen und Sitzen. Die klimatisierten Vordersitze verfügen über eine Massagefunktion, lassen sich jedoch nicht für Seitenhalt oder Oberschenkel verstellen. Zudem sind die verschiebbaren Sitze der zweiten Reihe sowie der komfortable Ein- und Ausstieg in die dritte Reihe weitere Pluspunkte.

Raum und Reichweite in Hülle und Fülle

Das Raumangebot des Gravity Touring ist angesichts Länge von rund fünf Metern beeindruckend, denn auch ein 1,80 m großer Passagier kann bequem in die dritte Sitzreihe einsteigen und die Beine in einer natürlichen Position ausstrecken. Wer die Rücksitze umklappt, kann das Ladevolumen im Fünfsitzer auf bis zu 3.398 Liter erweitern oder einen nahezu ebenen Ladeboden nutzen, der sich auf 2,29 Meter verlängern lässt. Praktisch: unter der vorderen Haube bietet der Lucid Gravity einen stattliche 230 Liter großen Frunk.

Für die Großfamilie
Gegen einen Aufpreis von 2800 Euro wird der Grand Touring zum Siebensitzer, lassen sich zwei Sitze aus dem Fahrzeugboden zaubern.
Für die Großfamilie
Gegen einen Aufpreis von 2800 Euro wird der Grand Touring zum Siebensitzer, lassen sich zwei Sitze aus dem Fahrzeugboden zaubern.

Lucids Idee, die zentralen Elemente eines Elektroautos selbst zu fertigen, ist clever. Da keine Standardkomponenten oder Software von Zulieferern benötigt werden, lässt sich die bestmögliche Reichweite erzielen: bis zu 748 Kilometer mit der größeren 123-kWh-Batterie. Daneben gibt es eine Touring-Version mit 89 kWh-Akku. Dank 900-Volt-Technologie liefert ein 400-kW-Schnelllader in 14 Minuten genug Energie für 400 Kilometer. Auf ähnliche Ladeleistungen kommen sonst nur Stromer aus China.

Preise ab knapp 117.000 Euro

Der 116.900 Euro teure Grand Touring, angetrieben von zwei Elektromotoren mit einer Gesamtleistung von 617 kW oder 839 PS und einem beeindruckenden Drehmoment von 1.232 Nm, hebt die Performance des leistungsstarken Crossovers trotz seines Gewichts von 2,7 Tonnen auf das Niveau von Supersportwagen. Aus dem Stand beschleunigt er in irrwitzigen 3,6 Sekunden auf 100 km/h. Dank exzellenter Aerodynamik wird eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erreicht.

In 3,6 Sekunden auf Tempo 100 
Trotz eines Gewichts von 2,7 Tonnen entpuppt sich der fünf Meter lange Siebensitzer auf der Testfahrt als Dynamiker. Fotos: Lucid
In 3,6 Sekunden auf Tempo 100
Trotz eines Gewichts von 2,7 Tonnen entpuppt sich der fünf Meter lange Siebensitzer auf der Testfahrt als Dynamiker. Fotos: Lucid

Trotz der variablen Luftfederung und 22- oder wahlweise 23-Zoll-Rädern ist das Fahrwerk so steif, dass sich die Karosserie selbst in engen Kurven kaum neigt. Lucid hat alles darangesetzt, durch individuelle Aktuatoren ein nahtloses Zusammenspiel zwischen Vorder- und Hinterachse zu gewährleisten, sodass sich jedes Hinterrad separat arbeiten kann – eine Technologie, die erst seit Kurzem in Hochleistungsfahrzeugen Einzug hält. Das Lenkrad fühlt sich stets direkter an als bei den meisten Elektroautos an. Doch die Unterschiede zwischen den Fahrmodi sind minimal.

David Lickford, verantwortlich für Fahrwerk und Fahrdynamik: „Genau wie bei der Beschleunigung mit moderater Anpassung der Gaspedalkennlinie sind die Änderungen der Fahrwerksreaktion dezent, denn Lucid möchte dem Fahrer ein gleichbleibendes Fahrerlebnis bieten – das ist unsere Philosophie. Deshalb bieten wir auch keine Boost-Funktion an, denn 839 PS sind mehr als ausreichend, und der Fahrer soll die volle Leistung mit dem Gaspedal erleben, nicht per Knopfdruck.“

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