Mercedes hat schon seit Längerem einen Narren an dem Konzept des Shooting Brakes gefressen. Warum auch nicht? Die Mischung aus einem Lifestyle-Kombi und einem Coupé ist attraktiv, nicht nur wegen des umweltfreundlichen und dynamischen Antriebs. Da mag die Kombi-Praktikabilitäts-Fraktion aufgrund des Stauraumdefizits noch so sehr die Nase rümpfen – wir goutieren die elegante Silhouette.

Der Shooting Brake bietet immerhin 455 Liter Kofferraumvolumen. Das sind 50 Liter mehr als bei der CLA-Limousine, aber 30 Liter weniger als beim Verbrenner-Vorgänger: Irgendwo muss der Elektromotor samt Technik ja hin. Dafür gibt es vorne einen Frunk mit 101 Litern Volumen. Legt man die Lehnen der Rücksitzbank um, werden 1.290 Liter daraus. Das ist kein Wert, der einen Škoda-Fahrer mit fliegenden Fahnen zum Stern wechseln lässt, aber immerhin ein ganz ordentliches Angebot.

Lifestyle-Kombi 
Der Mercedes CLA Shooting Brake ist eine gefällige Erscheinung. Die Passagiere auf der Rücksitzbank werden die im Vergleich zur Limousine etwas höhere Kopffreiheit schätzen - und das große Panorama-Glasdach.
Lifestyle-Kombi
Der Mercedes CLA Shooting Brake ist eine gefällige Erscheinung. Die Passagiere auf der Rücksitzbank werden die im Vergleich zur Limousine etwas höhere Kopffreiheit schätzen – und das große Panorama-Glasdach.

Außerdem geht es in der zweiten Reihe dank der um 2,6 Zentimeter größeren Kopffreiheit etwas luftiger zu als in der CLA-Limousine. Das macht zwar noch keinen Van aus dem Shooting Brake. Aber bei einer Körpergröße von 1,85 Metern freut man sich über jeden Zentimeter mehr Luft über dem Haupt. Zumal ein großes Panoramadach für angenehmes Licht im Innenraum sorgt. Gerade im Winter ist das ein Stimmungsaufheller. Eine spezielle Beschichtung soll im Sommer das Aufheizen des Innenraums verhindern. Außerdem sind 158 Sterne in die Glasfläche integriert. Da summt man doch unwillkürlich Hubert Kahs 1980er-Jahre-Hit „Ich seh‘ den Sternenhimmel“. Ein weiterer Vorteil des Shooting Brakes sind im übrigen die weit aufschwingenden Türen, die das Entern des Fonds erleichtern.

Technisch ist der CLA 250+ Shooting Brake bis zur B-Säule im Grunde der bekannte Elektro-CLA. Das bedeutet: Die gleiche Frontpartie, der gleiche technische Unterbau mit der 800-Volt-Architektur, mit einem Zwei-Gang-Getriebe an der angetriebenen Hinterachse sowie einer Batterie mit einer Speicherkapazität von 85 Kilowattstunden zwischen den Achsen. Im Zusammenspiel mit dem 200 kW oder 272 PS starken Antrieb resultiert das in einer WLTP-Reichweite von bis zu 769 Kilometern.

Gleichstrom fließt am Schnelllader mit bis zu 320 kW

Wir kamen bei unserer Testfahrt auf einen Durchschnittsverbrauch von 17,8 kWh/100 km, das sind 2,8 kWh/100 km mehr als Mercedes angibt. Selbst wenn man die Ladeverluste mit einkalkuliert, ist das ein sehr ordentlicher Wert. Das gilt auch für die Ladeleistung von maximal 320 kW an einem Schnelllader und 22 kW an einer Wallbox. Laut Mercedes reichen zehn Minuten, um an einer DC-Ladesäule Strom für 320 Kilometer zu tanken. Nach 22 Minuten steigt der Ladestand von zehn auf 80 Prozent.

Teurer Spaß
Der Kofferraum des Mercedes CLA Shooting Brake fasst 455 Liter, 50 Liter mehr als die Limousine - aber 20 Liter weniger als etwa der vollelektrische Kleinwagen Skoda Epiq. Und der Aufpreis ist hoch: Über 10.000 Euro gegenüber dem "einfachen" CLA. Fotos: Mercedes
Teurer Spaß
Der Kofferraum des Mercedes CLA Shooting Brake fasst 455 Liter, 50 Liter mehr als die Limousine – aber 20 Liter weniger als etwa der vollelektrische Kleinwagen Skoda Epiq. Und der Aufpreis ist hoch: Über 10.000 Euro gegenüber dem „einfachen“ CLA. Fotos: Mercedes

Zumal der CLA 250+ genug Antriebspower hat, um auch auf deutschen Autobahnen locker mithalten zu können. Der Shooting Brake erreicht nach 6,8 Sekunden aus dem Stand die 100-km/h-Marke und ist bis zu 210 km/h schnell. Aufgrund des Heckantriebs wirkt das Auto sogar etwas harmonischer als der Allradler, weil die Lenkung weniger Antriebseinflüsse hat und etwas leichtgängiger ist. Der CLA Shooting Brake ist auf Alltagstauglichkeit getrimmt. Deswegen ist die Lenkung nicht sportwagen-typisch ultradirekt, fühlt sich aber auch etwas synthetisch an. Das geschmeidig abgestimmte Fahrwerk ergänzt den guten Eindruck und schafft den Spagat zwischen Sportlichkeit und Komfort.

Preise starten bei rund 57.000 Euro

Unterm Strich ist man mit dem Mercedes CLA 250+ Shooting Brake schnell und souverän unterwegs. Wer also nicht unbedingt das Traktions- und Leistungsplus des 350er-Allradlers benötigt, ist mit diesem Auto gut aufgestellt. Vor allem weil sich der Preisunterschied auch in der Haushaltskasse bemerkbar macht. Der heckgetriebene CLA 250+ Shooting Brake startet bei 57.096,20 Euro, der Allradler CLA 350 4Matic bei 61.653,90 Euro. Laut Adam Riese lässt sich Mercedes den zweiten Elektromotor also mit 4.557,70 Euro bezahlen. Und noch mehr die schnittigere Form und das größere Ladevolumen des Shooting Brake: Die gleich starke Limousine gibt es bereits für 46.949 Euro.

Bleiben Sie konzentriert
Die Display-Landschaft im Innenraum des Mercedes CLA ist spektakulär - das Lichtspiel zieht sich über die gesamte Breite des Innenraums. Die Ablenkungsgefahr nicht nur für den Fahrer ist entsprechend groß, insbesondere des nachts.
Bleiben Sie konzentriert
Die Display-Landschaft im Innenraum des Mercedes CLA ist spektakulär – das Lichtspiel zieht sich über die gesamte Breite des Innenraums. Die Ablenkungsgefahr nicht nur für den Fahrer ist entsprechend groß, insbesondere des nachts.

Beim Infotainment des CLA Shooting Brake geht Mercedes keine neuen Experimente ein. Der Superscreen erstreckt sich über das gesamte Armaturenbrett und verfügt über ein 10,25 Zoll großes Fahrerdisplay und einen 14,0-Zoll-Touchscreen in der Mitte. Optional kommt ein weiterer 14-Zoll-Bildschirm für den Beifahrer dazu. Allerdings ist zwischen den beiden linken Bildschirmen eine kleine Spalte erkennbar, während der Beifahrer-Monitor mit dem zentralen Touchscreen eine durchgehende Glasfläche bildet.

Gestochen scharfe Infografiken

Eine der Stärken der Mercedes-Unterhaltungs-Infrastruktur ist die Qualität der Grafik. Die Anzeigen sind scharf und die visuellen Elemente bauen sich schnell auf. Das hilft bei der Navigation. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit findet man sich schnell zurecht. Vor allem da die wichtigsten Bereiche wie Karte, Medien und andere zentrale Fahrzeugfunktionen ohne große Umwege aktivierbar sind. Allerdings ist das Konzept ist sehr bildschirm- und menülastig, was zu einer gewissen Reizüberflutung führt.

Klassische Tasten sind rar, selbst Klima- und Nebenfunktionen laufen weitgehend über den Touchscreen. Im Stand ist das kein Problem. Unterwegs sieht das schon anders aus. Stichwort: Fahrerablenkung. Zumal die Trefferflächen der Menüs beziehungsweise Apps nicht riesig sind. Eine Handauflage wäre hilfreich. Immerhin nutzt der virtuelle Assistent laut Mercedes jetzt die künstliche Intelligenz von ChatGPT 4.0, Microsoft sowie Google und agiert deutlich souveräner als bisher.

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