Die Batterie ist in einem Auto seit je her wichtig. Ein Benzinmotor kann nicht von alleine anlaufen; er muss mechanisch gedreht werden, bis der Verbrennungsprozess selbstständig funktioniert. Die Batterie liefert den massiven Stromstoß an den Anlasser (einen kleinen, aber sehr starken Elektromotor), der die Kurbelwelle dreht, sowie an die Zündkerzen, die das Benzin-Luft-Gemisch entzünden. Und wenn der Motor (und damit die Lichtmaschine) nicht läuft, ist die Batterie die einzige Stromquelle des Autos. Sie versorgt alle elektrischen Verbraucher wie die Zentralverriegelung, das Radio und die Innen- und Außenbeleuchtung und sorgt obendrein dafür, dass die Steuergeräte mit Strom („Ruhestrom“) versorgt werden.
Doch im Zeitalter der Elektromobilität ist das (extern wiederaufladbare) Batteriepaket das zentrale Element und wichtigste Bauteil im Fahrzeug. Dabei unterscheiden sich die Akkus in Form und Zusammensetzung deutlich. Die Zellchemie entscheidet über Reichweite, Ladegeschwindigkeit, Lebensdauer und auch Charakter oder Marktposition des Fahrzeugs selbst. Die meisten Fahrzeuge der führenden Hersteller von Elektroautos wie Tesla, Audi, BMW, Hyundai, Kia, VW oder BYD nutzen unterschiedliche Lithium-Ionen-Varianten, die jeweils spezifische Material- und Systementscheidungen widerspiegeln. Hier ein kleiner Überblick über die gängigsten Batterietypen.

Shenxing Pro heißt eine neue LFP-Batterie von CATL, die ultraschnelles Laden und große Reichweiten mit langer Lebensdauer sowie hoher Sicherheit verbindet. Die Superschnelllade-Variante erreicht eine Spitzenladeleistung von mehr als 1,3 Megawatt. Foto: CATL
Lithium-Ionen-Batterien: Der industrielle Standard
Ein Großteil der Elektroautos ist mit Lithium-Ionen-Zellen unterwegs. Deren Grundprinzip ist identisch: Lithium-Ionen interkalieren beim Laden in die Graphit-Anode und wandern beim Entladen zurück zur Kathode. Die Unterschiede liegen primär in der Kathodenchemie.
NMC (Nickel-Mangan-Cobalt)
NMC-Zellen sind derzeit in Europa besonders weit verbreitet. Typische Ausprägungen sind NMC 622 oder 811 – die Zahlen bezeichnen das Verhältnis der Metalle. Viele europäische Modelle von Volkswagen oder BMW setzen in Mittel- und Oberklassefahrzeugen weiterhin auf NMC, da die hohe volumetrische Energiedichte kompakte Reichweitenpakete ermöglicht. LG Energy Solutions und SK On aus Südkorea sind zwei große Hersteller dieses Batterietyps.
Eigenschaften:
- Energiedichte: 200–270 Wh/kg (Zellebene)
- Zellspannung: ca. 3,6–3,7 V
- Gute Balance zwischen Energiedichte und Leistungsfähigkeit
- Sensibel gegenüber thermischem Durchgehen bei Fehlbehandlung
- Aufwendiges Thermomanagement (Flüssigkühlplatten, integrierte Kühlkanäle)
- Präzise BMS-Überwachung (State of Charge, State of Health)
- Kosten- und Lieferkettenabhängigkeit von seltenen Erden wie Kobalt
NCA (Nickel-Cobalt-Aluminium)
NCA ähnelt NMC, nutzt jedoch Aluminium zur strukturellen Stabilisierung. Bekannt wurde diese Chemie durch frühe Großserienanwendungen bei Tesla. NCA begünstigt große Reichweiten, verlangt jedoch eine ausgefeilte Zellüberwachung und Temperaturführung.
Eigenschaften:
- Energiedichte bis ca. 300 Wh/kg
- Sehr hohe spezifische Energie
- Erhöhte Anforderungen an Sicherheitssysteme

BYD produziert auf LFP-Basis sogenannte „Blade“-Batterien. Die langen, flachen und schmalen Zellen lassen sich leichter in die Karosseriestruktur integrieren und zeichnen sich durch hohe intrinsische Sicherheit aus, das die Gefahr von Akkubränden minimiert.
LFP (Lithium-Eisenphosphat)
LFP-Akkus erleben eine kleine Renaissance, insbesondere in volumenstarken Modellen. Der große Vorteil liegt in der intrinsischen Sicherheit: Die Phosphatstruktur reduziert das Risiko exothermer Kettenreaktionen erheblich. Außerdem tolerieren LFP-Zellen häufige Vollladungen besser, was im Alltag relevant ist. Hersteller wie BYD (mit der selbst entwickelten „Blade Battery“) oder Basisversionen von Tesla setzen stark auf LFP – insbesondere für Standard-Range-Modelle. Die geringere Energiedichte wird häufig durch strukturelle Integration kompensiert (Cell-to-Pack oder Cell-to-Body), wodurch Pack-Overhead reduziert wird.
Eigenschaften:
- Energiedichte: 150–200 Wh/kg
- Zellspannung: ca. 3,2 V
- Sehr hohe thermische Stabilität
- Geringere Materialkosten (kein Nickel, kein Kobalt)
LMFP (Lithium-Mangan-Eisenphosphat)
Eine der aktuell spannendsten Weiterentwicklungen der LFP-Technologie ist die Zugabe von Mangan. Das Resultat, LMFP, schließt auf dem Markt quasi die Lücke zwischen den günstigen LFP- und den reichweitenstarken NMC-Akkus. Der Mangan-Anteil erhöht die nominale Zellspannung signifikant, was zu einer um 15 bis 20 Prozent höheren Energiedichte gegenüber klassischen LFP-Zellen führt. Dies geschieht, ohne die entscheidenden Vorteile bei der Brandsicherheit aufzugeben oder auf teures Kobalt angewiesen zu sein. Führende asiatische Batteriehersteller drängen mit dieser Zellchemie massiv auf den Markt, da sie ein exzellentes Preis-Reichweiten-Verhältnis für die kommende Generation von Volumenmodellen bietet.
Eigenschaften:
- Energiedichte: ca. 210–230 Wh/kg (Zellebene)
- Zellspannung: ca. 3,8–4,1 V (deutlich höher als reines LFP)
- Hohe thermische Stabilität und Sicherheit (ähnlich LFP)
- Bessere Performance bei Kälte als klassische LFP-Zellen
- Materialkosten liegen attraktiv zwischen LFP und NMC
Na-Ion (Natrium-Ionen)
Ein neuer Trend sind Akkus, in denen das vergleichsweise günstige Kochsalz (Natrium) das teure Lithium herausfordert. Batteriehersteller wie CATL fahren hierzu aktuell die Produktionen hoch. Vorteil: Natrium ist überall verfügbar. Diese Akkus funktionieren auch bei -30 °C noch sehr gut, wo Lithium-Akkus oft in die Knie gehen. Dafür ist die Energiedichte mit rund 150 Wh/kg niedriger. Daher werden diese Akkus eher in günstigen, kleineren Elektroautos verbaut.Der chinesische Batteriehersteller HiNa Battery hat bereits erste Prototypen-Fahrzeuge mit Natrium-Akkus ausgestattet. In Europa arbeitet Faradion aus Großbritannien an der Kommerzialisierung der Speichertechnik.
Eigenschaften:
- Energiedichte: ca. 150 Wh/kg
- Zellspannung: ca. 3,2 V
- hohe thermische Stabilität
- deutlich günstiger (kein Lithium)

Blick in die Batteriefertigung der VW-Tochter PowerCo, wo die prismatische „Einheitszelle“ für den Cupra Raval, ID.Polo und Skoda Epiq hergestellt wird. Die Einheitszelle ist flexibel in ihrer Zellchemie und kann von LFP über NMC bis hin zur Feststoffzelle bestückt werden.
Zellformate: Rund, prismatisch oder Pouch
Neben der Chemie ist die mechanische Ausführung entscheidend.
Rundzellen
Bekannt durch 18650-, 2170- oder 4680-Formate (z. B. bei Tesla).
Ihre Vorteile:
- Sehr gute Wärmeabfuhr
- Mechanische Stabilität
- Hohe Automatisierbarkeit
Ihr Nachteil:
- Geringere Packungsdichte durch Zwischenräume
Prismatische Zellen
Quaderförmig, häufig in europäischen Plattformen (z. B. modularer Elektrobaukasten von Volkswagen).
Vorteile:
- Gute volumetrische Ausnutzung
- Weniger elektrische Verbindungsstellen
Pouch-Zellen
Flexible Folienhülle, hohe Energiedichte, jedoch mechanisch empfindlicher.
Erfordern komplexe Kompression im Modul.

Porsche setzt beim Cayenne Electric auf Pouchzellen von CATL mit Graphit-Silizium-Anoden und NMCA-Kathoden. In einer eigenen Batteriefabrik in der Slowakei werden 192 davon zu einem Akku mit einer Kapazität von 113 kWh zusammengesetzt. Foto: Porsche
Strukturintegration: Vom Modul zum tragenden Bauteil
Aktuelle Entwicklungen verschieben die Batterie vom reinen Energiespeicher zum strukturellen Fahrzeugbestandteil:
- Cell-to-Pack (CTP): Verzicht auf klassische Module
- Cell-to-Body (CTB): Integration in die Karosseriestruktur
Diese Ansätze erhöhen die Systemenergiedichte um bis zu 10–20 %, reduzieren Masse und verbessern die Steifigkeit. Hersteller wie BYD und Tesla treiben diese Integration stark voran.
Thermisches Management und Ladefähigkeit
Die Ladeleistung moderner Fahrzeuge (bis über 500 kW DC) stellt extreme Anforderungen an:
- Innenwiderstand der Zellen
- Lithium-Plating-Vermeidung
- Kühlmittelführung
- Temperaturhomogenität
NMC- und NCA-Systeme erlauben hohe C-Raten, während LFP bei niedrigen Temperaturen stärker limitiert ist. Fortschrittliche Wärmepumpensysteme und Vorkonditionierung sind daher integraler Bestandteil der Fahrzeugarchitektur.

Auch am Forschungszentrum Jülich bei Aachen wird intensiv an Festkörperbatterien geforscht. Foto: Regine Panknin
Festkörperbatterien:
Festkörperzellen stehen vor dem Sprung in den Serieneinsatz. Sie ersetzen den flüssigen Elektrolyten durch einen festen Ionenträger. Unter anderem das US-Unternehmen Quantum Scape arbeitet mit Unterstützung von Volkswagen an der Technologie.
Vorteile wären:
- Deutlich höhere Energiedichte (>400 Wh/kg möglich)
- Minimiertes Brandrisiko
- Potenziell schnellere Ladefähigkeit
Unternehmen wie Hyundai, Toyota oder BMW forschen intensiv, doch eine großserientaugliche Umsetzung mit stabiler Zyklenfestigkeit steht aktuell noch aus. Erste Serienmodelle wohl noch vor 2030.
(Mit Ergänzungen von Franz Rother und KI-Unterstützung erstellt)