Eigentlich kreist die Internationale Raumstation in nur 400 Kilometer Höhe über der Erde. Was ungefähr der Entfernung zwischen Hamburg und Frankfurt entspricht. Dennoch werden die beiden Astronauten Bob Behnken and Doug Hurley für ihren Flug vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida zur ISS 24 Stunden benötigen. So lange dauert es, auf einer spiralförmigen Bahn der Schwerkraft der Erde zu entkommen und zum kleinen Außenposten der Menschheit im All zu gelangen.

Im ersten Anlauf klappte es am Mittwochabend mitteleuropäischer Zeit noch nicht – eine Viertelstunde vor dem „Liftoff“ wurde der Start der Falcon 9 aufgrund der schlechten Wetterbedingungen in Florida abgebrochen. Am Samstag gelang dann der Start um 21.22 Uhr deutscher Zeit. Schon jetzt hat die „Demo-2“ genannte Mission Geschichte geschrieben und steht für den Beginn einer neuen Ära. Denn zum ersten Mal seit neun Jahren schicken die USA wieder Astronauten mit einer im eigenen Land entwickelten Rakete und Raumkapsel ins All – und lösen sich damit aus der Abhängigkeit von Russland. Der ewige Rivale hatte seit Ende der Raumfähre Space Shuttle im Jahr 2011 alle Passagiere mit seinen Sojus-Raketen zur ISS transportiert.

Start der Demo-2-Mission
Perfekter Start
Nasa-Astronauten Bob Behnken und Douglas Hurley hoben am Samstagabend deutscher Zeit an der Spitze einer Falcon-9-Rakete in ihrer Dragon-Kapsel vom Raumfahrtbahnhof in Cape Canaveral ab. Foto: Nasa

Aber die Bedeutung der Mission reicht noch weiter: Denn zum ersten Mal lässt die US-Raumfahrtagentur Nasa ihre Astronauten ein Weltraum-Taxi nutzen, das sie nicht selbst entwickelt hat, sondern ein privates Unternehmen – SpaceX. Gegründet und geleitet von Elon Musk, der im Nebenberuf auch noch Boss des Elektroauto-Pioniers Tesla ist. Seine Firma hat seit 2002 die wiederverwertbare Rakete namens Falcon entwickelt und auch die Raumkapsel Dragon gebaut. An deren Bord werden die Raumfahrt-Veteranen Robert L. Behnken (49) und Douglas G. Hurley (53) zur Raumstation mit beeindruckenden knapp 27.360 Kilometern pro Stunde rasen.

Damit beginnt endgültig das Zeitalter der privaten bemannten Raumfahrt. Schon längst arbeitet Amazon-Gründer Jeff Bezos mit seiner Firma Blue Origin unter Hochdruck daran, mit einem ebenfalls wiederverwendbaren Raketensystem New Shepard, Menschen ins All zu schießen. Erste unbemannte Test hat er bereits durchgeführt. Erst vor zwei Tagen hat Virgin Orbit, gegründet vom britischen Milliardär Richard Branson, eine Rakete von einer umgebauten Boeing 747 abgeschossen. Auch wenn der Test nur ein Teilerfolg war, hält der Brite an seinem Ziel fest, Touristen ins All zu schicken.

Längst geht es nicht mehr nur um Hüpfer in die Erdumlaufbahn. Bezos arbeitet für die Nasa an einer Mondlandefähre. Musk ultimatives Ziel ist der Mars.

Mit dem Drachen auf dem Rücken des Falken unterwegs

Bis dahin wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Und erst einmal muss SpaceX zeigen, dass es Behnken und Hurley sicher in der Dragon-Kapsel zur ISS bringen kann. Die ist eine komplette Neuentwicklung und hat bereits einen unbemannten Testflug erfolgreich bestanden.

Anders etwa von den Apollo-Missionen gewohnt, sitzen die beiden Astronauten nicht vor einer Armada von Schalter und Knöpfen, sondern steuern das Gefährt über Joystick und Bildschirme. Was ein wenig ans Elektroauto Model 3 von Tesla erinnert, dass der Fahrer auch über einen großen Monitor in der Mittelkonsole bedient. Die Unterstufe der Rakete Falcon 9 wird übrigens wieder zur Erde zurückkehren und auf einer Plattform im Meer aufsetzen. SpaceX kann sie dann auf künftigen Missionen erneut nutzen, was die Kosten senkt.

Wie lange übrigens Behnken und Hurley auf der Internationalen Raumstation bleiben werden, steht noch nicht fest. Bei diesem Flug ist die Dragon-Kapsel für eine Missionsdauer von 110 Tagen ausgelegt, später im Routinebetrieb soll sie bis zu 210 Tage im All bleiben können. Die beiden Astronauten sollen wieder zurückfliegen, sobald eine neue Crew startklar ist.

Die Raumkapsel dockt dann vollautomatisch von der ISS ab und fliegt zur Erde zurück. Sie soll dann an Fallschirmen vor der Küste Floridas im Atlantik landen.

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