Der Ford Fiesta? Ist Geschichte. Der VW Up – war einmal. Auch einen Lancia Y bietet Stellantis bei uns schon lange nicht mehr an: Stadtautos unter vier Metern Länge und zu Preisen unter 15.000 Euro sind aus den Autohäusern in Europa in den zurückliegenden Jahren vollständig verschwunden. Die günstigsten Angebote machen noch die Koreaner mit dem Hyundai i10 (ab 16.990 Euro) und dem Kia Picanto (ab 17.850 Euro). Sowie Toyota mit dem Aygo X. Aktuell ist der 3,70 Meter lange Auto-Zwerg noch für 18.090 Euro zu bekommen. Allerdings nicht mehr lange. Denn das Modell bekommt im Frühjahr den modifizierten Hybridantrieb des Toyota Yaris. Was den Einstiegspreis auf 21.990 Euro steigen lässt – sofern man nicht schnell zugreift und sich das (zeitlich begrenzte) Einführungsangebot über 19.990 Euro sichert. Für die Topversion GR Sport werden sogar 28.390 Euro aufgerufen – für einen Kleinwagen mit knapp vier Sitzen und einer Systemleistung von 85 kW oder 116 PS. Wahnsinn, oder?

Frisch gestylt
Auch optisch hat der Aygo gewonnen. Die (aufpreispflichtige) Zweifarb-Lackierung steht dem Kleinwagen besonders gut. Fotos: Toyota

Aber die hohen Anforderungen des Gesetzgebers an Unfall- und Klimaschutz lassen den Fahrzeugherstellern keine Wahl. Sie treiben nicht nur die Ausstattung der Fahrzeuge und damit das Gewicht in die Höhe, sondern auch die Herstellungs- und Verkaufspreise. So hat der neue Toyota Aygo X serienmäßig ein Dutzend Assistenzsysteme an Bord – von der adaptiven Abstandskontrolle und Geschwindigkeitsregelung über die Fußgänger- und Radfahrer-Erkennung, für das Bremsen und das Anfahren am Berg, die Spurhaltung und das Überholen auf der Autobahn, das Lenken in Notsituationen und ein möglichst effizientes, energiesparendes Fahren. Von Parkpiepsern, Rückfahrkamera und Verkehrszeichen-Erkennung mal ganz abgesehen. Pflegekräfte würden das wohl betreutes Fahren nennen.

Sprit-Verbräuche unter drei Litern sind drin

Trotzdem kann der kleine Toyota Spaß machen – so lange man als Erwachsener einen Platz in der ersten Reihe findet und nicht auf die Rücksitzbank verwiesen wird. Personen von über 1,70 Metern Länge könnten dort klaustrophobische Anfälle erleiden, wenn die Fahrt nicht nur um die nächste Ecke geht. Auch verlangt der Ein- wie der Ausstieg eine gewisse Gelenkigkeit – oder Hilfestellungen vom Fahrer. Bei einem Radstand von nur 2,43 Metern sind halt keine Wunder in Sachen Raumökonomie zu erwarten. Schon gar nicht, wenn hinten noch ein Kofferraum mit einem Volumen von 231 Litern dranhängt.

Ganz schön kuschelig
Die Rücksitzbank ist Erwachsenen nur auf kurzen Strecken zuzumuten, wen vorne schon eine größere Person sitzt. Die nur teilweise verkleideten Türen zeigen: Auch Toyota muss sparen, um Kleinwagen wie den Aygo nicht noch teurer werden zu lassen.
Ganz schön kuschelig
Die Rücksitzbank ist Erwachsenen nur auf kurzen Strecken zuzumuten, wen vorne schon eine größere Person sitzt. Die nur teilweise verkleideten Türen zeigen: Auch Toyota muss sparen, um Kleinwagen wie den Aygo nicht noch teurer werden zu lassen.

Aber als Familienauto wurde der Aygo X ja auch noch nie propagiert. Eher als wuseliges und stylishes Pendlerfahrzeug für den Stadtverkehr. Und da schlägt sich die neue Generation wirklich gut. Der Hybridantrieb ist überaus sparsam – wir kamen im Stadtverkehr laut Bordcomputer mit einem Durchschnittsverbrauch von 2,2 Litern Sprit 100 Kilometer weit und blieben im Überlandverkehr unter der Marke von vier Litern. Mit dem Inhalt des 30-Liter-Tanks sind somit durchaus Touren von 1000 Kilometern ohne Tankpause drin – so man den Aygo entspannt laufen und möglichst oft stromern lässt.

Über 60 Prozent elektrisch unterwegs

Der Lithium-Ionen-Akku unter der Rücksitzbank speichert zwar nur knapp eine Kilowattstunde. Aber für den Stopp-and Go-Verkehr in ein der Stadt reicht das völlig aus: In Florenz legten wir mit unserem Testwagen 66,7 Prozent der Strecke laut Bordcomputer elektrisch zurück. Je nach Topografie und mit ein wenig Übung wären sicher sogar noch mehr drin. Nein, in der Beziehung ist der Kleine ein Großer. Auch was den Fahrkomfort anbetrifft: Der Geräuschpegel im Innenraum ist erfreulich niedrig, Fahrbahnunebenheiten werden dank einer veränderten Radaufhängung und einem sauber abgestimmten Feder-/Dämpfersystem fein kaschiert.

Showtime
Abgesehen von einer modifizierten Vorderachse unterscheidet sich der 28.390 Euro teure Toyota Aygo X in der Ausführung "GR Sport" (links) nur in den optischen Details von der 1000 Euro günstigeren Lounge-Ausführung. Die Motorisierung ist die gleiche.
Die Neuen in der Schlossallee
Abgesehen von einer modifizierten Vorderachse unterscheidet sich der 28.390 Euro teure Toyota Aygo X in der Ausführung „GR Sport“ (links) nur in den optischen Details von der 1000 Euro günstigeren Lounge-Ausführung. Die Motorisierung ist die gleiche.

Nein, hier haben die Toyota-Ingenieure einen guten Job gemacht. Und das schon bei der Grundversion. Den Aufpreis für die Sportversion – über 6000 Euro gegenüber dem Basismodell, 3.700 Euro gegenüber der Teamplayer-Variante – kann man sich allerdings getrost sparen. Das Fahrwerktuning und die Räder im 18-Zoll-Format bringen im Alltagsverkehr wenig. Und die Ziernähte im Innenraum sowie die Farbakzente dienen allenfalls der Show. Das Canvas-Faltdach für 1100 Euro Aufpreis gibt es auch in der Lounge-Version für 27.390 Euro.

So denn überhaupt noch ein Auto mit Hybridantrieb in Frage kommt. Der neue vollelektrische – und deutlich größere und damit vielseitigere – Toyota Urban Cruiser startet schon bei 31.990 Euro und wird im Leasing für wenig mehr als 300 Euro im Monat angeboten. Zumindest für uns wäre das perspektivisch die bessere Wahl.

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