Viele Autointeressenten denken bei der Suche nach einem Elektroauto in erster Linie an einen Neuwagen. Immer neuere Akkutechnik, kürzere Ladezeiten und ein großer Marktdruck seitens der Autohersteller sorgt dafür, dass vielen nicht in den Sinn kommt, sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt umzuschauen. Doch da das Angebot an Elektroautos immer größer wird und insbesondere immer mehr Leasingfahrzeuge zurück zu den Händlern kommen, könnte das Angebot an Gebrauchtwagen mit Stecker kaum besser sein.

Bereits in der zweiten Hälfte vergangenen Jahres waren die ohnehin alles andere als stabilen Preise nennenswert unter Druck geraten und die Situation hat sich im ersten Quartal 2026 nicht verbessert. Aktuell steigt die Nachfrage insbesondere wegen der hohe Kraftstoffpreise erstmals wieder an.

Mercedes EQS 
Das Luxusmodell hat die Erwartungen nicht erfüllt. Im Neuwagengeschäft floppte er, als Gebrauchter ist er nur mit großen Abschlägen zu verkaufen. Bild: Mercedes-Benz
Mercedes EQS
Das Luxusmodell hat die Erwartungen nicht erfüllt. Im Neuwagengeschäft floppte er, als Gebrauchter ist er nur mit großen Abschlägen zu verkaufen. Bild: Mercedes-Benz

„Die Menschen haben ausgerechnet, dass sich bei den heutigen Preisen für fossile Kraftstoffe die Amortisationszeit der Investition in ein gebrauchtes Elektroauto drastisch verkürzt. Die Angst vor einer weiteren Verteuerung von Öl hat schlichtweg die psychologische Barriere bei denjenigen durchbrochen, die den Kauf eines Elektroautos bisher nur am Rande in Betracht gezogen haben“, sagt  Artur Schwendner von der Verkaufsplattform Carvago.

Hohe Wertverluste in den ersten drei Jahren

Den potenziellen Kunden kann das nur freuen, denn er hat die nahezu freie Auswahl – in beinahe jedem Preissegment. Besonders interessant sind die Fahrzeuge mit einem Alter zwischen 12 und 36 Monaten, denn hier liegt der Wertverlust oftmals zwischen 40 und 70 Prozent. Besonders groß ist der Preisverfall unverändert beim Luxusmodell des Porsche Taycan. Fahrzeuge wie ein Taycan 4 / 4S mit einem Alter von kaum mehr als zwei Jahren und einer Laufleistung unter 30.000 km sind mit sehr guten Ausstattungen bereits ab unter 60.000 Euro zu bekommen.

Porsche Taycan
Ende 2019 wird bei Porsche aus dem „Mission E“ der Taycan. Der Elektro-Porsche ist inzwischen auf dem Gebrauchtwagenmarkt für unter 50.000 Euro zu bekommen – in meist hervorragendem Zustand. Foto: Porsche

Basismodelle mit 300 kW / 408 PS und mäßigen Extras beginnen bereits bei rund 50.000 Euro. Das sind Wertverluste von mehr als 50 Prozent. Zumeist sind die Modelle sehr gepflegt, verfügen über eine lückenlose Servicehistorie und sind aus erster oder zweiter Hand. Noch größer ist der Preisverfall bei einem Luxusmodell wie dem Mercedes EQS, der drei Jahre alt bereits unter 50.000 Euro zu bekommen ist und somit 60 oder mehr Prozent an Wert verloren hat.

Tesla Model 3 und ID.3 schon ab 25.000 Euro

Günstiger denn je ist mittlerweile auch der Tesla Model 3 zu bekommen. Gerade die Standardversionen mit Hinterradantrieb, kleiner Batterie und 208 kW / 283 PS unterbieten sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Da sich Farben und Ausstattungen zwischen den einzelnen Modellen kaum unterscheiden, lässt sich vor Ort beim Verkäufer – egal, ob privat und gewerblich – zumeist noch einiges herausschlagen. Günstige Modelle aus 2023 starten aktuell bei rund 25.000 Euro – die Laufleistungen liegen oftmals deutlich unter 50.000 Kilometern. Die Modelle mit großem Batteriepaket und Allradantrieb sind kaum teurer und durchbrechen zumeist nicht die 30.000-Euro-Marke.

VW ID.3
Seit der Markteinführung hat der Kompakt-Stromer diverse Modellpflegemaßnahmen erhalten. Das freute die Käufer, drückt aber bei frühen Exemplaren nun den Verkaufspreise. Foto: Volkswagen

Auf einem ähnlichen Preisniveau liegt der elektrische VW-Einsteiger des ID3. Ein gerade einmal zwei Jahre altes Modell mit solider Ausstattung, 150 kW / 204 PS und unter 50.000 km kostet rund 26.000 Euro. Mehr Elektroauto für noch weniger Geld bietet unter anderem der Hyundai Ioniq 5. Im coolen Design der 1980er ist der elektrische Ioniq 5 mit 58- / 77-kWh-Akku, 125 kW / 170 PS oder 168 kW / 228 PS und guter Ausstattung für 23.000 bis 27.000 Euro zu bekommen. Vorführmodelle unter 5.000 km knacken ebenfalls nicht die 30.000-Euro-Marke. Das gilt auch für den Skoda Enyaq, denn gerade in Verbindung mit Hinterradantrieb und dem kleinen 52 kWh-Akkupaket gibt es ein breites Modellangebot unter 25.000 Euro – zugegeben mit dem 109 kW / 148 PS Antrieb.

Preisschlager Fiat 500e und Leapmotor T03

Wer es noch günstiger möchte und wen das schicke Aussehen mehr reizt als eine geringe Reichweite und ein müdes Ladetempo, für den ist der Fiat 500e genau richtig. Selbst Vorführmodelle oder Jahreswagen ohne nennenswerte Kilometer kosten weniger als 19.000 Euro. Die untere Preisgrenze bilden der Leapmotor T03, der ohne nennenswerte Fahrstrecken als Vorführer mit dem 37-kWh-Batteriepaket rund 15.000 Euro kostet oder der Dongfeng gefertigte Dacia Spring, der für das urbane Umfeld reicht. Preise ab 11.000 Euro für Fahrzeuge aus 2024 / 2025.

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