Das gute Wetter der vergangenen Wochen hat sicher dazu beigetragen, dass sich in der Corona-Krise trotz der zahlreichen Einschränkungen noch nicht die Depression breit gemacht hat: Durch Sonnenlicht steigt bekanntlich der Spiegel des „Glückshormons“ Serotonin, das unter anderem positiv auf unsere Stimmung wirkt. Zudem sinkt bei Helligkeit die Bildung des „Schlafhormons“ Melatonin. Sonnenlicht kann die Stimmung im wahrsten Wortsinne aufhellen, weshalb manche Ärzte bei Winterdepressionen unter anderem Lichttherapien vorschlagen: Ein paar Stunden vor einer bis zu 10.000 Lux hellen Speziallampe kann den Einsatz von Psychopharmaka überflüssig machen.

Damit es erst gar nicht so weit kommt, hat Mitsubishi Electric ein neuartiges Deckenlicht entwickelt, das mit Hilfe von LED-Leuchten einen blauen Himmel simuliert – in Büroräumen ohne Fenster, in Krankenhäusern oder Konferenzräumen von Hotels könnte so im kommenden Herbst die Stimmung aufgehellt werden. Die ferngesteuerte Deckenleuchte namens „Misola“ kommt im Oktober zunächst in Japan auf den Markt – zum stolzen Preis von umgerechnet 5840 Euro. Wer noch rund 600 Euro drauflegt, erhält sogar eine Variante, bei der eine Steuereinheit den Lauf der echten Sonne nachvollzieht und dementsprechend auch Sonnenaufgänge und -untergänge inszenieren kann.

Der Effekt ist verblüffend, die Wirkung auf die Menschen angeblich positiv. Aufgrund der geringen Bautiefe von nur 120 Millimetern und der Einsatzmöglichkeiten als Decken- wie als Wandleuchte ließe sich „Misola“ nicht nur in Gebäuden auch in Passagierflugzeugen einsetzen. Wann das smarte Leuchtensystem auch in Europa verfügbar sein wird, steht allerdings noch nicht fest.

Folie ahmt Himmel nach

Stimmungsaufheller im Altersheim
Die „Misola-Leuchte ist vielfältig einsetzbar, an der Decke oder an der Wand, um Tageslicht in Räume ohne Fenster zu bringen. Grafik: Mitsubishi Electric

Thomas Alva Edison hätte sicher seinen Spaß daran. Um die Lichtwirkung möglichst naturgetreu hinzubekommen, bauten die Mitsubishi-Ingenieure den so genannten Rayleigh-Effekt nach, den der britische Physiker John Strutt – 3. Baron von Rayleigh – Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt hatte.

Der so genannte Rayleigh-Effekt erklärt, warum uns der Himmel Blau erscheint: Weil das Sonnenlicht auf dem Weg durch die Erdatmosphäre mit Gasmolekülen zusammen stößt und dabei gebrochen wird. Der Effekt: Die elektromagnetischen Wellen des Lichts werden gestreut. Je nach Frequenz und Sonnenstand unterschiedlich stark und mit entsprechend unterschiedlicher Wirkung auf unsere Augen: in langwelligem Rot am Morgen und Abend, in kurzwelligem „Himmelsblau“ untertags.

Strutt wurde für diese Erkenntnisse 1904 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet – in Japan nutzte man sie nun zur Konstruktion der neuen Deckenleuchte. Das Licht der seitlich angebrachten LED-Strahler in den Farben Weiß und Orange wird hier mit Hilfe einer „Himmelspanel“ genannten Kunststofffolie künstlich gebrochen. Je nach Tageszeit und gewünschter Lichtwirkung werden dann vom System die organgefarbenen LEDs zugeschaltet – und so der künstliche Sonnenuntergang eingeleitet.

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